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Streit um neues Gewerbegebiet im Werratal

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Das Gewerbegebiet aus der Vogelperspektive: Der Logistiker Hermes will seinen Zentralumschlag (rechts an der Autobahn) bis in das Waldgebiet im Vordergrund hinein erweitern. Auf den Wiesen links davon zwischen Waldkante und bestehenden Betrieben will die Gemeinde Industrie- und Gewerbeflächen für Neuansiedlungen schaffen. archiv
Das Gewerbegebiet aus der Vogelperspektive: Der Logistiker Hermes will seinen Zentralumschlag (rechts an der Autobahn) bis in das Waldgebiet im Vordergrund hinein erweitern. Auf den Wiesen links davon zwischen Waldkante und bestehenden Betrieben will die Gemeinde Industrie- und Gewerbeflächen für Neuansiedlungen schaffen. © Gemeinde Friedewald/Dirk Lorey

Zwischen Friedewald und den Werratal-Gemeinden Heringen, Hohenroda und Philippsthal gibt es einen Disput um die Ausweisung von Gewerbegebieten.

Friedewald – Normalerweise arbeiten die Gemeinden im Werratal eng und gut zusammen. In der Diskussion, ob und wo ein neues, gemeinsames Gewerbegebiet entstehen soll, herrscht nun aber Eiszeit. Nachdem die Gemeindevertretung von Friedewald Anfang Juni den Weg für eine Erweiterung des dortigen Gewerbegebiets beschlossen hatte. Dort ist ein Hermes-Zentralumschlag geplant (wir berichteten), sind die Fronten zwischen den Rathäusern verhärtet.

In einer gemeinsamen Stellungnahme der drei Bürgermeister aus Heringen, Hohenroda und Philippsthal bedauern Daniel Iliev, Andre Stenda und Timo Heusner die Pläne von Friedewald, den Gedanken eines gemeinsamen Gewerbe- und Industriegebietes (siehe Hintergrund) nicht mehr zu verfolgen. Die drei Kommunen kündigen an, sich nun Gedanken über ein eigenes interkommunales Gewerbegebiet machen zu wollen. Sie drohen damit, dass sie ihre Ablehnung der Friedewalder Pläne beim Regierungspräsidium deutlich machen werden.

Iliev, Stenda und Heusner verweisen darauf, dass die Regionalplanung des Regierungspräsidiums in einem gemeinsamen Gespräch, bei dem auch die Gemeinde Friedewald anwesend war, ausdrücklich erklärt hatte, dass eine „gemeindeeigene Entwicklung nicht möglich sei und nur noch interkommunale Entwicklungen den Segen des Regierungspräsidiums“ erhalten würde. „Dies war auch der Grund, warum wir mit großem Einsatz gemeinsame Sache machen wollten. Ebenso wurden uns bereits damals die jetzt genannten Interessenten für ein gemeinsames Gewerbe- und Industriegebiet vorgestellt“, heißt es mit Blick auf das Interesse der Firma Lidl in der gemeinsamen Erklärung der drei Bürgermeister.

„Die einseitige Aufkündigung der über die Jahre entwickelten und guten Zusammenarbeit im Bereich des Gewerbegebietes ist mehr als bedauerlich und kommt dann doch sehr überraschend“, erklärt Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda. Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner fügt hinzu: „Es ist schade, dass wir alle unfassbar viel Energie in ein gemeinsames Projekt gesteckt haben, über dessen Entwicklung wir erst aus der Presse erfahren müssen. Dies ist nicht unbedingt vertrauensfördernd.“

Auch Heringens Bürgermeister Daniel Iliev ist enttäuscht über die Haltung von Friedewald. Er hätte sich gewünscht, dass es vor dem Beschluss der Gemeindevertretung und nicht erst danach Gespräche geben hätte. „Jetzt scheint eine Einigung nicht mehr möglich“, sagt Illiev der HZ.

Als Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbands macht er zudem die Wasserversorgungsproblematik im Ostkreis aufmerksam: Zahlen und Analysen würden belegen, dass eine ausreichende Wasserversorgung für solche Projekte kaum realistisch erscheine – erst Recht nicht im Alleingang. „Dies war auch einer der Gründe, warum wir ein gemeinsames Gebiet entwickeln wollten“, so Iliev.

Das sagt Friedewalds Bürgermeister Julian Kempka

Friedewalds Bürgermeister Julian Kempka betont auf Anfrage der HZ, dass er gern weiter auch Pläne für ein gemeinsames Gewerbegebiet verfolgen wolle. Dies müsse dann aber auch tatsächlich eine neue Gewerbefläche sein, die dann gemeinsam von den vier Gemeinden entwickelt werden kann. Er erinnert dabei an erste Überlegungen für eine neues Gewerbegebiet entlang der B 62.

Zugleich verteidigt der Bürgermeister die Entscheidung seiner Gemeindevertretung. „Bei dem Beschluss handelt es sich um eine Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets. Dafür hat allein Friedewald alle Voraussetzungen geschaffen und die nötigen Investitionen getätigt“, sagt Kempka. „Wie soll man das nachträglich aufdröseln?“

Kempka ist zuversichtlich, die Genehmigung des Regierungspräsidiums für die Erweiterungspläne zu erhalten, weil die Neuaufstellung des Regionalplanes noch nicht erfolgt sei.

Gleichwohl plädiert auch Kempka dafür, das „Große Ganze“ nicht aus den Augen zu verlieren. „Als Bürgermeister vertreten wir alle natürlich zuerst die Interessen unserer eigenen Gemeinden, aber natürlich müssen wir auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten. (Kai A. Struthoff)

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