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Tag der Nachhaltigkeit: Darum brauchen wir Wälder

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Von: Carolin Eberth

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Durch Anzeigenumsatz wieder bepflanzt wurde diese Fläche im Revier Alheim.
Durch Anzeigenumsatz wieder bepflanzt wurde diese Fläche im Revier Alheim. © Daniel Blöthner

„Nachhaltig. Bunt. Lebenswert. Aktiv Hessen gestalten.“ Unter diesem Motto steht morgen, 29. September, der siebte Hessische Tag der Nachhaltigkeit.

Hersfeld-Rotenburg – Passend zum Motto haben Inserenten in diesem Jahr aus einer gemeinsamen Aktion der Hersfelder Zeitung und der HNA Rotenburg-Bebra durch den erlösten Anzeigenumsatz 350 Setzlinge ermöglicht, die seit der ersten Ausgabe vom Magazin „Nachhaltig grün leben“ gepflanzt wurden. Und in den kommenden Monaten sollen noch 200 weitere hinzukommen.

Warum sind Bäume und Wälder eigentlich so wichtig?

„Pro Jahr wächst ein Baum zwischen 20 und 30 Zentimetern“, erklärt Hilmar von Bodelschwingh vom Forstamt Rotenburg. Besonders hoch sind die Setzlinge seit Frühling also bislang nicht gewachsen. Doch wenn man weiß, wo man im Staatswald der Revierförsterei Alheim schauen muss, lassen sich die Setzlinge auf zwei Flächen ausmachen. Bei der einen Fläche wurde ein Waldrand mit Kirsche und Haselnuss gestaltet, auf der anderen wurden Douglasien gepflanzt.

Doch warum sind Bäume und Wälder eigentlich so wichtig? Wir haben bei den beiden Forstämtern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nachgefragt und zehn Gründe zum Tag der Nachhaltigkeit zusammengefasst:

1. Sauerstoffproduzent

Bäume produzieren wie alle Pflanzen auf der Erde Sauerstoff. „Die Sauerstoffabgabe hängt von der Assimilationsleistung/Biomasseproduktion ab. Diese variiert zwischen den Baumarten sowie in Abhängigkeit von der Baumgröße und der Jahreszeit recht stark. Ein großer, ausgewachsener Baum gibt am Tag rund 10 000 Liter Sauerstoff an die Atmosphäre ab.

Das entspricht der Menge, die etwa 20 Menschen täglich bei ihrer Atmung verbrauchen. Man könnte also ganz grob sagen, ein Hektar alter Wald gibt etwa 2000 bis 4000 Menschen Sauerstoff“, erklärt Dr. Hans-Werner Führer, Leiter des Forstamtes in Rotenburg.

Als Lebensraum und Nahrungsquelle sind viele Tierarten auf Bäume angewiesen.
Als Lebensraum und Nahrungsquelle sind viele Tierarten auf Bäume angewiesen. © carolin eberth

2. Kohlenstoffspeicher

Bäume binden Kohlenstoffe und bremsen den Klimawandel. Grund ist die Photosynthese, die Bäume betreiben, um überhaupt zu wachsen. „Ein Faustwert für den Umfang der CO2-Bindung im Wald sind etwa 10 Tonnen pro Hektar und Jahr. Das bedeutet für einen Bestand aus alten, ausgewachsenen Bäumen etwa 50 bis 100 Kilogramm CO2 im Jahr pro einzelnem Baum“, sagt Führer.

Ein einziger alter Baum könne im Laufe seines langen, mehrhundertjährigen Lebens also bis zu 30 Tonnen CO2 festlegen, beziehungsweise acht Tonnen reinen Kohlenstoff.

3. Staubfilter

Bäume gelten als die „Grüne Lunge“ der Städte. Das kommt davon, dass sie Staub und Partikel aus der Luft filtern. „Ein Hektar strukturreicher Wald kann in einem Jahr bis zu 70 Tonnen Staub aus der Umgebungsluft filtern. In einschichtigen Beständen aus jungen Bäumen ist die flächenbezogene Filterleistung jedoch geringer“, sagt der Forstamtsleiter.

4. Lebensraum

Bäume bieten Nistplätze, Nahrung, Lebensraum und Schutz für die unterschiedlichsten Tiere. Von kleinsten Insekten bis zu großen Raubtieren ist alles vertreten. „Vögel nutzen Bäume zum Beispiel als Balz- und Horstplätze, Insekten wie Borkenkäfer brüten in der Rinde und holzzersetzende Pilze und Mikro-Lebewesen bauen in ihnen tote organische Substanzen ab“, erklärt Führer.

5. Nahrungsquelle

Bäume bieten eine reichhaltige Nahrungsquelle für Mensch und Tier. Blätter, Nadeln, Früchte und Knospen sind gerade im Frühling eine lebenswichtige Grundlage für Wildtiere. Blüten bieten Nahrung für Bienen, Hummeln und andere Insekten. „Beispielsweise Vögel wie Spechte suchen die Rinde und den Holzkörper der Bäume nach tierischer Nahrung ab. Viele Vogelarten fressen aber auch Früchte und Samen der Bäume. Auch die Rinde und Wurzeln werden verspeist, zum Beispiel von Mäusen“, so Führer.

6. Schattenspender

Bäume sind hervorragende Schattenspender. Im Sommer nutzen wir sie als natürlichen Sonnenschutz. „An warmen Tagen verdunsten die Bäume im Wald große Mengen an Wasser. Mit der Feuchtigkeit, die der Wald dabei an die Luft abgibt, kühlt er die Umgebung wie eine natürliche Klimaanlage.

An heißen Sommertagen bleibt es im Wald dadurch meist angenehm kühl, im Gegensatz zur Stadt oder im Umland“, erklärt Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld. Das bedeutet, dass an heißen Sommertagen im Schatten der Bäume die gefühlte Temperatur circa 10 bis 15 Grad niedriger liegt. Auch senkt der Wald die Windgeschwindigkeit.

7. Erholungsort

Ein Spaziergang im Wald ist sehr erholsam. Doch nicht nur die körperliche Aktivität und die schöne Umgebung tragen dazu bei, dass es uns nach einem Waldspaziergang besser geht. „Ich denke, das liegt auch daran, dass im Wald alle Sinne angesprochen werden. Wir können den Wald sehen, riechen, hören und auch fühlen.

Egal, ob wir nun im Wald wandern, Bäume umarmen oder Pilze suchen, jeder findet hier sein persönliches Highlight und kann im Wald entspannen“, so Eidam.

8. Holz und Arbeitsplätze

Gerade für die Forstämter ist dies ein sehr wichtiger Grund: Der Wald produziert am laufenden Band Holz. Je nach Baumart ist das Holz unterschiedlich viel wert und wächst unterschiedlich schnell. „Damit sorgt der Wald natürlich auch für eine Menge Arbeitsplätze. Zehn Hektar Wald sorgen durchschnittlich für einen Arbeitsplatz.

Bei circa zwölf Millionen Hektar Wald in Deutschland macht das 1,2 Millionen Arbeitsplätze, das sind weit mehr als in der Automobilbranche“, sagt Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld.

9. Nachhaltiger Baustoff

Mit Holz zu bauen spart Kosten und auch Energie. „Bei der Herstellung von Holz-Baustoffen wird weitaus weniger Energie benötigt als bei der Produktion anderer Baumaterialien wie Ziegeln. Dies verringert die Menge an baubedingten Treibhausgasen. Zudem entstehen im Herstellungsvorgang keine Abfallprodukte, die zu einer zusätzlichen Umweltbelastung führen würden.

Kurze Transportwege halten die Emissionen ebenfalls niedrig und tragen auch zur Bewahrung des Klimas bei“, erklärt Eidam.

10. Wasserkreislauf

Der Waldboden hat eine besondere Funktion im Wasserkreislauf: Er wirkt wie ein großer Schwamm, der jeden Wassertropfen aufsaugt und festhält. „Niederschläge versickern rasch, so wird das Grundwasser gespeist und der oberirdische Wasserabfluss verzögert. Dadurch ist der Boden immer feucht und kann Wasser abgeben und aufnehmen“, sagt Eidam. (Carolin Eberth)

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