Jakob-Grimm-Schule: Schüler und Lehrer beschäftigten sich mit mexikanischen Riten

Tanzen mit dem Tod

Schüler und Lehrer, die den Totenaltar mitgestaltet haben: Anja de Lima Gomes, Sabine Müller, Dr. Susanne Natrup, Brigitte Meyer-Christ (oben von links), Julia Reimer, Johanna Hladil, Eva Mariam Mettelem und Sara Aliabadi (unten von links).

Rotenburg. Es ist ein merkwürdiges Bild, das sich den Schülern der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule bietet, wenn sie in diesen Tagen am Lehrerzimmer vorbeihuschen. Neben der Eingangstür steht ein leerer Stuhl, daneben ein Tisch, reich gedeckt und geschmückt mit Kerzen, Leckereien und allerlei gebasteltem bunten Krimskrams.

Wer sich den Krimskrams genauer anschaut, wird entdecken, dass es sich um kreativ gestaltete kleine Totenköpfe aus Stoff und Knete handelt. Was hier aufgebaut wurde, ist ein so genannter „ofrenda“, ein Altar für einen Toten. Mit solchen Altaren wird in Mexiko am 2. November der Totentag „Dia de los muertos“ gefeiert, vergleichbar mit unserem Totensonntag.

„Es ist tröstlich, wenn man dem Tod nicht alle Macht gibt.“

Dr. Susanne Natrup, SchulPfarrerin

Spanischlehrerin Anja de Lima Gomes hat kürzlich mit ihren Schülern eine Veranstaltung im Kasseler Sepulkralmuseum besucht, bei der ein solcher mexikanischer Totentag gefeiert wurde. Schüler und Lehrerin staunten nicht schlecht: Da wurde getanzt, gelacht, musiziert.

Bunte Farben beherrschten den Raum, dazu Skelette und Totenköpfe aus allerlei Materialien, selbst aus Marzipan und Zuckerguss. Im Mittelpunkt stand der Totenaltar, ein Tisch, der die Seelen der Verstorbenen einlädt zurückzukehren und zu verweilen.

„Für uns war das sehr fremd“, sagt Gomes, „aber es wurde von allen positiv aufgenommen.“ So positiv, dass Lehrerin und Schüler beschlossen, in der eigenen Schule einen solchen Totenaltar zu gestalten.

Mehrere Lehrer, darunter Schulpfarrerin Dr. Susanne Natrup, machten sich mit ihren Klassen an die Arbeit. Die Vorgabe lautete: den Tod lustig gestalten. Lehrerin Sinje Schumacher gab das Motto aus: „Schon mal mit dem Tod getanzt?“

Das Ergebnis der Arbeit ist nun im ersten Stock der Jakob-Grimm-Schule zu sehen. Auf dem Totenaltar steht eine Schüssel Wasser, die den Toten einlädt, sich zu waschen. Dort liegt ein Handtuch, eine Schale Salz soll der inneren Reinigung dienen. Kerzen in verschiedenen Farben stehen für Schmerz, Freude und Tod. Blumen stehen da, ein Glas Wasser und eine Schale mexikanischer Nacho-Chips. Die Schale haben die Lehrerinnen schon oft nachgefüllt, denn, so hat Dr. Natrup beobachtet: „Die, die davon naschen, sind nicht tot, sondern ziemlich lebendig.“

Die Lehrerinnen lassen die Schüler gerne naschen. Vielleicht würde es angesichts des fröhlichen Totenfests auch nicht passen, hier Strenge walten zu lassen.

Eva Mariam Mettelem aus der elften Klasse hat den Tisch mitgestaltet. Sie findet die Vorstellung schön, dass die Toten die Lebenden besuchen. Janina Nehlmeyer mag die Farbenfreude des Rituals.

Pfarrerin Dr. Natrup, die schon oft an Gräbern sprach, sagt: „Nach der Beschäftigung damit würde ich eine Trauerfeier gerne anders gestalten und den Angehörigen sagen: Es ist tröstlich, wenn man dem Tod nicht alle Macht gibt.“

Von Achim Meyer

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