Betörend, farbig, kraftvoll: das Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters

Ein taumelnder Walzer

Sie demonstrierten die Kraft der Musik: die Mitglieder des Göttinger Symphonie Orchesters in der Rotenburger Stiftskirche. Fotos: Dürr

Rotenburg. Man kam aus dem Staunen kaum heraus, als am Sonntag anlässlich des Festkonzertes Dirigent Ekhart Wycik mit Esprit das Göttinger Symphonie Orchester dirigierte. Organisator Professor Dr. med. Christian Vallbracht, Direktor der Kardiologie am Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg, hatte das Orchester zum 16. Konzert dieser Reihe in die Stiftskirche eingeladen.

Das wohl ausgewählte Programm bot ideenreich komponierte Musik: die Serenade für Streichorchester E-Dur von Antonin Dvorák, das Konzert für Violine und Orchester A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und die 10. Londoner Symphonie Es-Dur von Joseph Haydn.

Spannendes Konzert

Wycik versteht es, mit dem Orchester jene betörend farbige Gestaltung zu erreichen, die das Hören von klassischen Werken atemberaubend spannend macht. Differenzierte Stimmentfaltungen, eine singende Tonsprache ließen die suggestive Kraft der Musik sprechen. Wohl akzentuiert kamen die Impulse aus den verschiedenen Instrumentengruppen und führten zu einer lebendigen, gut durchgehörten, musikalisch lebendigen Ausdrucksweise. Auffallend eine veränderte Platzierung im Orchester: Die Celli waren zwischen Violinen und Bratschen, die Kontrabässe hinter den Bratschen positioniert. Das gab den tiefen Klängen ein anderes, facettenreiches Gewicht.

Der Einfallsreichtum Dvoráks in der Serenade, die von Böhmens überströmender Musizierlust geprägt ist, wurde vom Orchster unter dem Dirigat Wyciks großartig ausgespielt. Da wurde der 1. Satz erzählend, tänzerisch interpretiert, klang der 2. Satz wie ein taumelnder Walzer mit weich fließenden Tonkaskaden in den Violinen, und das Larghetto wurde zu sphärischer Musik, die am Ende in den Himmel zu entfliehen scheint.

In der Symphonie Haydns wogten die Stimmen zwischen den Instrumenten hin und her, strahlende Bläserklänge unterhielten sich mit den Streichern, um bald wieder gemeinsam neue Wendungen der Musik zu bewältigen. Jede Idee, jede Geste der Musik wurde ausmusiziert. Rasend schnell, wie ein Rausschmeißer, das Finale, ein Vivace.

Innige Zwiesprache

Höhepunkt des Abends: das Konzert für Violine und Orchester von Mozart. Die 19-jährige Wienerin Julia Turnovsky agierte mit manueller und ausdrucksstarker Virtuosität. Dabei war sie als Solistin stets mit dem Orchester im Fluss, in inniger Zwiesprache mit dem Klangkörper, der mit facettenreicher Dynamik die musikalischen Ideen Mozarts auszudrücken wusste: Die Kopfsätze des Violinkonzertes sind formell noch freizügig komponiert, haben noch keine ausgeprägte Sonatenhauptsatzform. Besonders der letzte Satz enthält einige Effekte auf dem Streichinstrument mit überraschenden musikalischen Einfällen. Berührend musikalisch und virtuos musizierte Turnovsky die Kadenzen im 1. und 2. Satz.

Lang anhaltender, begeisterter Applaus der Besucher für einen grandiosen Konzertabend in der Stiftskirche.

Von Agnes Dürr

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