Teilhabeatlas Deutschland

Studie: Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat Stärken und Schwächen

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Hersfeld-Rotenburg –im Bild ein Blick auf den Monte Kali bei Heringen – punktet laut dem Teilhabeatlas vor allem mit einer niedrigen Schulabbrecherquote.

Die Lebensverhältnisse im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind vergleichsweise gut. Zu dieser Einschätzung kommen die Autoren des neuen „Teilhabeatlas Deutschland“.

Herausgeber der 88 Seiten starken Studie sind das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und die Wüstenrot-Stiftung. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse des Teilhabeatlas für Hersfeld-Rotenburg zusammengefasst.

Die Studie

Die Autoren der Studie haben mithilfe der Statistiken von Bund und Ländern aus den Jahren 2013 bis 2017 alle 401 Städte und Kreise in Deutschland anhand von acht Indikatoren untersucht: Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, Hartz-IV-Quoten, Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen, Lebenserwartung, Haushaltseinkommen je Einwohner, kommunale Steuerkraft, Internetkapazitäten sowie die Nahversorgung.

Die Einordnung

Mithilfe einer Cluster-Analyse haben die Autoren die Städte und Landkreise in sechs Gruppen zusammengefasst, die sich in demografischen, sozioökonomischen und strukturellen Indikatoren ähneln. So ergeben sich jeweils drei städtische (1 bis 3) und drei ländliche Cluster (4 bis 6) mit jeweils guten, mäßigen und geringeren Teilhabechancen der Bürger. „Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg fällt in das fünfte Cluster mit ländlichen Regionen, die nur vereinzelte Problemlagen aufweisen“, sagt Frederick Sixtus, einer der Autoren der Studie. In dieser Gruppe vergleichen die Autoren 133 Landkreise und kreisfreie Städte miteinander. Sixtus sagt, sie könnten ihren Bewohnern zwar nicht dieselben gesellschaftlichen Teilhabechancen bieten, wie die Erfolgsregionen in Baden-Württemberg, im südlichen Bayern und in Südhessen. „Aus der Analyse lassen sich aber auch keine flächendeckenden oder besonders alarmierenden Herausforderungen in Bezug auf die Teilhabechancen ableiten.“

Schulabbrecher

Ein wichtiger Indikator, um die gesellschaftlichen Teilhabechancen zu beurteilen, ist aus Sicht der Autoren der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg liegt diese Quote bei 4,22 Prozent. Lediglich einer von 25 Schulabgängern verpasst also den Abschluss. Der Durchschnittswert im Vergleichs-Cluster beträgt sechs Prozent. Bundesweit die wenigsten Schulabbrecher hat der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz (Bayern) mit 2,1 Prozent, Schlusslicht ist die Stadt Eisenach mit fast 17 Prozent.

Hartz-IV-Quote

Je mehr Menschen einen Schulabschluss haben, desto bessere Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt. So überrascht es nicht, dass der Landkreis auch beim Anteil der Hartz-IV-Empfänger unter 65 Jahren relativ gut dasteht. Die Quote beträgt 6,35 Prozent und liegt damit etwas unter dem Durchschnitt der Referenzgruppe (6,4 Prozent). Spitzenreiter in ganz Deutschland ist der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern) mit 1,5 Prozent, in Gelsenkirchen (NRW) hingegen beziehen 25 Prozent aller unter 65-Jährigen Hartz-IV.

Ab- und Zuwanderung

Der dritte Indikator ist der Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen. Die Differenz zwischen Ab- und Zuwanderung junger Erwachsener steht für die Attraktivität einer Region, so die Autoren. Die Analyse zeigt, dass der Landkreis in den Jahren 2013 bis 2017 sechs Einwohner zwischen 18 und 29 Jahren dazugewonnen hat. Im Durchschnitt verlieren die Regionen im Vergleichs-Cluster zwei Einwohner. Die höchste Zuwanderungsrate bundesweit hat die Stadt Leipzig (plus 91). Am meisten junge Einwohner verloren hat der Kreis Spree-Neiße in Brandenburg: minus 39 Menschen pro 1000 Einwohner.

Lebenserwartung

Bei der Lebenserwartung liegt Waldhessen im Mittelfeld. Die Kinder, die zwischen 2013 und 2015 in Hersfeld-Rotenburg geboren wurden, können der Studie zufolge mit einer Lebenszeit von 80,3 Jahren rechnen (Cluster-Durchschnitt: 80,5 Jahre). Die mit 83,4 höchste Lebenserwartung haben die Menschen im Landkreis Starnberg (Bayern), die niedrigste im rheinland-pfälzischen Pirmasens (77,4 Jahre).

Einkommen

Schlechter kommt der Landkreis beim Haushaltseinkommen pro Einwohner weg: 20 459 Euro haben die Menschen in der Region laut dem Teilhabeatlas jährlich zur Verfügung. Das Durchschnittseinkommen im Cluster liegt bei 21 697 Euro, also rund 1250 Euro höher. Der Spitzenplatz geht wieder nach Starnberg (34 987 Euro), Schlusslicht ist erneut Gelsenkirchen mit 16 203 Euro.

Steuereinnahmen

Auch bei der kommunalen Steuereinnahmekraft hinkt der Landkreis innerhalb der Vergleichsgruppe (773 Euro je Einwohner) hinterher. Sie beträgt in Hersfeld-Rotenburg 680,53 Euro. Folgt man der These der Autoren, die ihre Daten zur Steuerkraft im Jahr 2017 erhoben haben, wirkt sich der relativ schwache Wert negativ auf die gesellschaftlichen Teilhabechancen aus. Die größte kommunale Steuereinnahmekraft, die sich in erster Linie aus der Grund- und Gewerbesteuer sowie aus Anteilen der Einkommens- und Umsatzsteuer ergibt, hat der Landkreis München mit 2453 Euro pro Einwohner. Letzter in dieser Kategorie ist der Landkreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt, 422 Euro).

Schnelles Internet

Immer wichtiger für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist das Internet. Beim Anteil der Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde surfen die Waldhessen mit einer Quote von gerade einmal 57 Prozent lediglich im hinteren Mittelfeld. Im Vergleichs-Cluster liegt der Durchschnitt bei 65 Prozent. Die Werte sind allerdings 2017 erhoben worden. Seitdem hat sich in der Region einiges getan, etwa durch die Breitbandgesellschaft Nordhessen, die bis Ende dieses Jahres alle fünf nordhessischen Landkreise mit Leerrohren und Glasfaserkabeln versorgt haben will. Am besten mit Internet versorgt ist laut den Autoren die Stadt Regensburg (Bayern, 99,7 Prozent), am schlechtesten der benachbarte Wartburgkreis mit 19,7 Prozent.

Versorgung

Die letzte Kategorie ist für viele Menschen im ländlichen Raum eine der wichtigsten: der Versorgungsindex. Er beschreibt die Anzahl bedeutsamer Versorgungseinrichtungen, die durchschnittlich in einem Umkreis von einem Kilometer vom Wohnort entfernt liegen. Eingeflossen in den Index sind Apotheken, Hausärzte, Supermärkte, Schulen und ÖPNV-Haltestellen mit mindestens zehn Abfahrten pro Tag. Die Autoren haben einen Index von 0 bis 6 zugrunde gelegt. Je höher der Wert, desto besser ist die Nahversorgung. In Hersfeld-Rotenburg liegt der Index, wie in vielen anderen ländlich geprägten Landkreisen (Durchschnitt: 1,2), bei 1. Den höchsten Index haben wenig überraschend Großstädte wie Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München (jeweils 6).

Einen Kommentar zum Thema gibt es in der gedruckten Zeitung.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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