Über positive und negative Folgen von Corona

„Telefon-Ausfall war inakzeptabel“: Alheims Bürgermeister Lüdtke im Sommerinterview

Ein Platz zum Durchatmen: Wenn er mal seine Ruhe haben möchte, schaut Georg Lüdtke beim Storchennest in der Baumbacher Fuldaaue vorbei, das hinten links zu sehen ist.
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Ein Platz zum Durchatmen: Wenn er mal seine Ruhe haben möchte, schaut Georg Lüdtke beim Storchennest in der Baumbacher Fuldaaue vorbei, das hinten links zu sehen ist.

Die Corona-Pandemie hat die Welt kräftig durcheinandergewirbelt. Was bedeutet diese schwierige Zeit für die Kommunen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Heute Georg Lüdtke aus Alheim.

Herr Lüdtke, wie ist Alheim bislang durch die Coronakrise gekommen?
Gut – obwohl die Organisation im Hinblick auf Corona eine große Herausforderung für kleine Gemeinden wie Alheim ist. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass neue Verordnungen aus Wiesbaden in der Regel freitagabends gekommen sind und dann am Montag in Kraft treten sollten. Da musste das Personal punktuell auch mal am Wochenende ran. Dass es in Alheim keinen originären Büroleiter gibt, machte die Sache nicht einfacher.
Ausgerechnet in der Corona-Zeit sind dann die Telefonleitungen im Rathaus ausgefallen.
Die Situation war völlig inakzeptabel. Moderne Telekommunkation und sichere Breitbandversorgung im Rathaus sind unerlässlich, speziell in Krisenzeiten. In Baumbach reichen derzeit die Leitungsstärken einfach nicht aus. Wir müssen die Corona-Verordnungen ja auch zeitnah an die Bürger weiterleiten. Wir haben das aber trotzdem gemeistert, zum Beispiel mit unserer Internetseite und Handys, wenn der Mobilfunk funktionierte. Wir arbeiten nun mit Hochdruck daran, dass das Rathaus möglichst noch in diesem Jahr Glasfaser-Anbindung bekommt.
Wie lief es in der Kita?
Am Anfang ein wenig holprig, aber innerhalb kurzer Zeit waren die Spielregeln der Notgruppen-Besetzung bekannt, weil von Anfang an die Eltern über die Kita-Leitungen und die Kindergartenverwaltung eingebunden wurden – für Eltern, aber auch für die Kinder, war die veränderte Welt durch Corona eine riesige Belastung.
Können nun alle Kinder wieder die Kita besuchen?
Derzeit sind nicht alle angemeldeten Kinder da, allein schon wegen der Sommerferien. Das neue Kindergartenjahr beginnt am 15. August. Ich hoffe, dass dann alle Kinder wieder kommen können.
Wie sieht es mit den Finanzen aus?
Da steht Alheim vergleichsweise gut da. Wir haben unseren Unternehmen das Angebot gemacht, die Gewerbesteuer zu stunden. Das wurde aber nur in sehr geringem Umfang in Anspruch genommen. Das zeigt, dass unsere Betriebe sehr stabil aufgestellt sind – die Einbußen bei der Gewerbesteuer halten sich in Grenzen. Lediglich bei der Einkommenssteuer haben wir sechsstellige Einbußen zu verzeichnen, die wir gemäß Prognose aber über Einsparungen auffangen werden. Als Kommune können wir nun natürlich im investiven Bereich auch von der Mehrwertsteuer-Absenkung profitieren. Ich dränge darauf, dass alle Mehrwertsteuer-pflichtigen Maßnahmen möglichst bis Dezember zum Abschluss gebracht werden.
Das im nördlichen Landkreis bislang einmalige Angebot des Bürgerbusses musste aufgrund der Hygieneregeln erst mal eingestellt werden.
Das stimmt. Der Bürgerbus entwickelt sich aber trotzdem zu einer großen Hilfe für unsere Bürger. Er wurde zum Versorgungsbus umfunktioniert – unsere ehrenamtlichen Fahrer machen Fahrten für unsere älteren Mitbürger, und Behinderte und Bedürftige. Dieses Engagement ist eines von vielen positiven Beispielen fürs Ehrenamt, was sehr geschätzt wird. Man hilft sich wieder mehr gegenseitig, über den Gartenzaun hinweg. Es werden Dinge einfach miterledigt, wo sonst drüber diskutiert wurde.
Also eine positive Folge von Corona. Gibt es da noch mehr Beispiele?
Ja. Ich finde es sehr gut, dass die ganze Welt mal ein bisschen entschleunigt wurde. Man konnte mal Luft holen. Es gab nicht mehr den ständigen Druck von Terminen, auch für mich als Bürgermeister. Das war ein wenig ein Ausgleich für die arbeitsintensiven Wochenenden.
Im Januar haben Sie als guten Vorsatz für 2020 genannt, dass Sie „öfter mal gelassen bleiben“ wollen. Wie klappt das?
Den Umständen entsprechend im Moment nicht gut. Das liegt auch an der Flut von Projekten, in die ich stark eingebunden bin, denn in Alheim geht es voran.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie noch bis zum Ende Ihrer Amtszeit?
Da ist zuerst der Bau der Feuerwehrhäuser in Baumbach und Sterkelshausen zu nennen. Im Baugebiet Kuttendelle soll so schnell wie möglich Baurecht geschaffen werden, damit es losgehen kann, vor allem auch mit dem Bau der hochmodernen Seniorenpflegeeinrichtung. Die Erschließung soll noch dieses Jahr beginnen. Wir freuen uns darüber, dass mittlerweile für fast alle Bauplätze Bewerbungen vorliegen – trotzdem kann man sich noch bewerben. Außerdem soll die Modernisierung der Kitas in Baumbach und Heinebach eingeleitet werden. Zudem gab es ein Gespräch mit dem NVV. Ich setze mich für eine halbstündige Taktung auch in Heinebach ein. Zudem ging es unter anderem auch darum, den Heinebacher Bahnhof attraktiver zu gestalten, zum Beispiel mit einem Park-and-Ride-Parkplatz auf der süd-westlichen Seite. Auch die Dorferneuerung geht mit großen Schritten voran.
Im November wird Ihr Nachfolger gewählt.
Es ist gut, dass der Wahltermin jetzt feststeht, nachdem er ja wegen Corona erst mal verschoben werden musste und ich mich auf eine längere Amtszeit einstellen sollte. Jetzt sind die Wahltermine gesetzt und meine Amtszeit endet am 28. Februar. Ich werde mich im Wahlkampf konsequent raushalten, biete aber allen Bürgermeisterkandidaten an, im Rathaus eine Schnupperwoche zu absolvieren. Natürlich stehe ich für den Gewählten oder die Gewählte dann auch für eine intensive Einarbeitung bereit.
Vieles, was den Corona-Alltag geprägt hat und bis heute prägt, ist in Wiesbaden entschieden worden. Welche Schulnote würden sie dem Krisenmanagement der Landesregierung geben?
Erst mal möchte ich betonen, dass die Organisation auf Landkreisebene sehr gut funktioniert. Da hat Landrat Koch gute Arbeit gemacht, vor allem was die Kommunikation mit den Bürgermeistern angeht. Die Verordnungswut der Landesregierung auf die Wochenenden zu legen, war hingegen überhaupt nicht zielorientiert. In Wiesbaden scheint nicht bekannt zu sein, dass kleine Verwaltungen am Wochenende eben eigentlich nicht arbeiten. Deswegen bekommt die Landesregierung von mir nur eine Vier.

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