Theater-Besucher in Ellis Saal gingen auf kuriose Reise

Massage mit heißer Braunkohle: die bereitet erst Schmerzen und bringt dann das Sexualleben des Ehepaares Grützke wieder in Gang. Unser Bild zeigt die Szene mit Carolin Fischer und Ralf Bärwolff. Foto: Meyer

Weiterode. Urlaub in Borna statt auf Borneo - das Ehepaar Grützke hat sich bei der Buchung vertan und landet in der Provinz. Das Publikum in Ellis Saal ging mit ihnen auf Reise.

Nein, es ist nicht so, dass der Regionalexpress quer durch Asien nach Borneo fährt. Frau Grützke hat sich einfach nur bei der Buchung vertan, sodass das Ehepaar Grützke den Urlaub statt am Strand nun in der früheren Braunkohlesiedlung Borna verbringen wird, einem Wenig-Seelen-Nest, das keine 20 Kilometer von Leipzig entfernt liegt und vor allem als Standort einer Müllhalde bekannt ist.

Das Publikum in Weiterodes Ellis Saal sah dort am Samstag das Ensemble „Academixer“ mit seinem Programm „Robinson Grützke“ - einem Theaterstück, das wie ein Kabarettprogramm fast ohne Requisiten auskommt, das von der skurrilen Geschichte samt liebevoll-hämischer Betrachtung der Provinz genauso wie von der darstellerischen Leistung der beiden Akteure lebt und dabei auch Raum für Klamauk und kabarettistische Seitenhiebe auf die deutsche Bahn und die Politik lässt.

Enrico Wirth am Klavier

Carolin Fischer und Ralf Bärwolff sind die einzigen Schauspieler und verkörpern, begleitet von Enrico Wirth am Klavier, je zwei Figuren. Zusammen bilden sie das Ehepaar Grützke sowie das Duo bestehend aus Bornas Bürgermeister und dessen polnischer Sekretärin. Während das Ehepaar versucht, seiner leidenschaftslos gewordenen Ehe am Strand von Borneo zu entkommen, sitzt der bräsige Bürgermeister schwer sächselnd mit der Angelroute am See nahe der Müllkippe ohne Aussicht, auch mal einen Fisch zu fangen.

Heidi Klumka arbeitet nicht nur dem Bürgermeister zu, sie ist auch Geschäftsführerin der Müllhalde und Wellnessbeauftragte und setzt ihr osteuropäisches Temparament dazu ein, Borna voranzubringen. Die Szene, in der Klumka dem einzigen Urlaubsgast im Ort eine erst rabiate und dann ganz zärtliche Massage mit heißer Braunkohle verpasst, reißt das Publikum von den Stühlen. Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Braunkohlemassage das Sexualleben der Grützkes wieder in Gang bringt?

Loblied auf die Provinz

Das Publikum feiert die Schauspieler und das ungewöhnliche Theaterstück und singt am Schluss mit, als Fischer und Bärwolff das augenzwinkernde Loblied auf die Provinz anstimmen: „Leipzig ist die Muschel - und Borna die Perle!“

Von Achim Meyer

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