Tochter des Opfers sagte aus

Totschlagsprozess von Buchenau: „Alles absolut unverständlich“

Tötungsdelikt: In diesem Einfamilienhaus am Kirchweg in Buchenau ist ein Mann  erstochen worden.
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Tötungsdelikt: In diesem Einfamilienhaus am Kirchweg in Buchenau ist am 15. Februar 2021 gegen 20.45 Uhr ein 41 Jahre alter Bewohner erstochen worden. Dringend der Tat verdächtig ist ein 22-Jähriger, der laut eines Nachbarn ebenfalls in dem Haus gelebt haben soll.

Im Tötungsprozess von Buchenau hat am Montag, 16. August, die heute 18 Jahre alte Tochter des 41 Jahre alten Opfers vor der 1. Strafkammer am Landgericht Fulda ausgesagt.

Fulda/Buchenau - Ihr Vater war demnach von ihrem Ex-Freund am Abend des 15. Februars in einem von allen drei bewohnten Wohnhaus in Buchenau mit 13 Messerstichen und -schnitten so schwer verletzt worden, dass er binnen kürzester Zeit verblutete (unsere Zeitung berichtete).

Der 22 Jahre alte Angeklagte muss sich nun wegen der Tötung eines Menschen, ohne Mörder zu sein (Totschlag), vor der 1. Strafkammer verantworten.

Für sie sei das alles absolut unverständlich, da sich ihr Ex-Freund und ihr Vater, abgesehen von den üblichen Meinungsverschiedenheiten, gut verstanden hätten. Eine solche Tat hätte sich aus ihrer Sicht nicht abgezeichnet.

Nachdem sie sich von ihrem Freund wegen dessen nächtlicher sexueller Übergriffe, die im Dezember stattgefunden hätten, einen Tag vor der Messerattacke getrennt hatte, habe ihr Vater sie und ihren Ex-Freund zunächst räumlich voneinander getrennt. Am Tatabend habe es dann zwei klärende Gespräche zwischen den beiden Männern gegeben, mit dem Ziel, den endgültigen Auszug des Angeklagten zu beschleunigen.

Sie selbst habe ihren Vater darum gebeten, nicht handgreiflich zu werden, wisse aber nicht, was sich dann in ihrem Schlafzimmer im Obergeschoss zwischen den beiden Männern zugetragen habe. Sie habe mit ihrer acht Jahre alten Halbschwester im Schlafzimmer ihres Vaters unten fern gesehen und lediglich ein lautes Poltern vernommen, berichtete die junge Frau.

Er stand mit dem blutigen Messer vor ihr

Kurz darauf habe plötzlich ihr Ex-Freund mit einem blutigen Bundeswehrmesser vor ihr gestanden und gesagt: „Wenn du deinem Vater helfen willst, solltest du jetzt einen Krankenwagen holen!“. Sie habe dann Erste Hilfe geleistet und die Wunden ihres Vaters abgebunden. Auf die Frage, warum er das getan habe, hätte sich ihr Ex-Freund mit einem Lächeln zur Seite weggedreht. Der Aufforderung, ihr zu helfen sei er aber nachgekommen und hätte Handtücher und Verbandsmaterial gebracht. Auch den Rettungsdienst verständigte wohl er.

Besagtes Messer habe sich der Angeklagte am Tag der Trennung auch schon selbst auf die Brust gesetzt und sie aufgefordert, ihn damit umzubringen, da ein Leben ohne sie für ihn keinen Sinn mehr mache.

Staatsanwalt Andreas Hellmich wollte von der Zeugin wissen, ob es kurz vor der Tat einen Streit zwischen den beiden Männern gegeben habe. Diese erinnerte sich demnach nur an eine Szene am Tattag, bei der der Angeklagte wohl auf dem Hosenboden die Treppe heruntergepoltert sei. Dass ihr Vater dies alles mit dem Handy gefilmt und den zitternd vor ihm sitzenden Angeklagten dabei auch verbal beleidigt und erniedrigt haben soll, habe sie nicht mitbekommen.

Das Opfer selbst soll vor der Tat vier Flaschen Bier und eine unbestimmte Menge eines Likörs getrunken haben. Außerdem hätten alle drei in der Vergangenheit immer wieder einmal Cannabis geraucht, jedoch bis zu zwei Wochen vor der Tat nicht mehr.

Männer waren Arbeitskollegen

Die drei lebten noch nicht sehr lange in Buchenau. Vater und Tochter waren aus dem Südhessischen nach Buchenau in das geerbte Haus gezogen. Kurze Zeit später auch der Angeklagte. Die beiden Männer waren Arbeitskollegen. Die Zeugin und der Angeklagte lernten sich demnach auch in dem Betrieb in Südhessen kennen, als sie dort ein Praktikum absolvierte.

Eine als Zeugin geladene Notärztin sprach von einer Rückenverletzung beim Angeklagten, die von einem Schlag mit einer Holzlatte hätte stammen können, sowie einer Schnittverletzung am linken Unterarm, die er sich selbst verbunden hatte. Der 41-Jährige sei bei ihrem Eintreffen bereits tot gewesen. Das habe sie augenscheinlich auch wegen des enormen Blutverlusts festgestellt. (Mario Reymond)

Zwei Gutachten werden vorgelegt

Der Prozess gegen den 22-jährigen Buchenauer wird am kommenden Montag, 23. August, ab 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann kommen auch zwei Sachverständige zu Wort: Dr. Helge Laubinger, der ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten angefertigt hat, und Christopher Hochscheid von der Rechtsmedizin Gießen, der für das forensische Gutachten zuständig gewesen ist. (rey)

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