Angeklagter schweigt weiter

Totschlagsprozess von Buchenau: Gutachten waren wenig erhellend

Das Bild zeigt den 22 Jahre alten Angeklagten (rechts) im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt.  Sein Gesicht ist verpixelt.
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Prozessauftakt: Der 22 Jahre alte Angeklagte aus Buchenau (rechts) im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt.  

Der 22 Jahre alte Angeklagte im Totschlagsprozess von Buchenau schweigt nicht nur vor Gericht. Auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Dr. Helge Laubinger aus Kassel hat er sich nicht geäußert.

Fulda/Buchenau – Er habe weder Angaben zur Tat selbst noch zu seinem Verhältnis zur Tochter des Opfers gemacht, berichtete der Gutachter am Montag, 30. August, vor der 1. Strafkammer am Landgericht in Fulda unter Vorsitz von Richter Dr. Jörg Weddig.

Dem 22-Jährigen wird vorgeworfen, den 41 Jahre alten Vater seiner Ex-Freundin am 15. Februar nach einer Auseinandersetzung in dessen Wohnhaus mit 14 Messerstichen und -schnitten so schwer verletzt zu haben, dass dieser innerhalb weniger Minuten verblutete. Somit waren die Ausführungen Laubingers wenig erhellend für das Gericht. Auch Staatsanwalt Andreas Hellmich versuchte dem Gutachter mit der Frage, ob der Angeklagte sich lediglich verteidigt oder bei der Tat vielleicht doch eine gewisse Genugtuung verspürt habe, eine beweisschwere Angabe zu entlocken – ohne Erfolg. „Das ist nicht seriös zu beantworten“, erklärte der psychiatrische Gutachter. Denn kurz vor der Tat hatte das spätere Opfer den Angeklagten mit dem Handy gefilmt und ihn dabei erniedrigt.

Zu der Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern war es gekommen, weil einen Tag vor der Tat die Tochter des späteren Opfers ihrem Vater anvertraut hatte, vor geraumer Zeit von ihrem Ex-Freund im Schlaf vergewaltigt worden zu sein. Der 41-Jährige hatte die beiden daraufhin zunächst räumlich voneinander getrennt.

Am Abend des Folgetags, kurz nach der Videoaufnahme, habe er sich dann in das Zimmer zum Ex-Freund der Tochter begeben, um ein klärendes Gespräch zu suchen. Dabei war er alkoholisiert – mit einem Blutalkoholwert zwischen 1,56 und 1,75 Promille. So hatte es der forensische Gutachter Christopher Hochscheid von der Rechtsmedizin aus Gießen vorgetragen. Auch er war dabei nicht in der Lage, tiefer ins Detail zu gehen. Offen blieben die Fragen, von wo die Messerstiche gesetzt worden waren und in welcher Position sich das Opfer dabei befunden habe. Die Wucht der Stiche sei jedoch sehr intensiv gewesen. Dabei wurde auch eine Rippe durchtrennt.

Für Mittwoch stehen die Plädoyers an. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden. Richter Dr. Jörg Weddig merkte zum Abschluss der Verhandlung am Montag an, dass nach Stand der Dinge auch eine Verurteilung nach Paragraf 213 Strafgesetzbuch in Betracht käme. (Mario Reymond)

Hintergrund: Der Paragraf 213 Strafgesetzbuch

Das ist der Paragraf 213 im Strafgesetzbuch: War der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Misshandlung oder schwere Beleidigung von dem getöteten Menschen zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden oder liegt sonst ein minder schwerer Fall vor, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. red/rey

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