Traditionsreiches Leder- und Hutfachgeschäft in Bad Hersfeld schließt im Dezember

Traditionsreiches Lederfachgeschäft schließt: Firma Biel nimmt den Hut

Das erste Hutgeschäft des Firmengründers Biel befand sich in der Breitenstraße.

Bad Hersfeld. Ausverkauf bei Leder Biel in der Badestube. Nach 127 Jahren schließt ein weiteres Familienunternehmen in Bad Hersfeld und damit das letzte ausgewiesene Hutgeschäft in ganz Nordhessen, erklärt Martin Biel ein wenig wehmütig.

Sein Großvater Martin Biel hat das Geschäft am 1. September 1888 in der Breitenstraße gegründet. Er war Hutmachermeister.Sein Vater Johannes hat als Kürschnermeister und Tierpräparator das Geschäft übernommen und das Angebot um Pelze und Lederwaren erweitert. Seit Anfang der 1970er Jahre führt der jetzige Inhaber den Laden. Auch er ist Kürschnermeister.

In den Ruhestand

Das Ende einer langen Tradition: Martin und Christina Biel schließen ihr Geschäft für Hüte und Lederwaren im Dezember. 127 Jahre lang war die Firma Biel in Bad Hersfeld ansässig. Foto: Zacharias

„Es gibt ein Leben nach dem Job“, sagt Martin Biel. Deshalb haben er und seine Frau Christina beschlossen, jetzt in den Ruhestand zu gehen. Einen Nachfolger für das Geschäft gibt es nicht. „Unsere Kinder haben beide gute Jobs“, erklärt Biel. „Die Firmentradition endet mit mir.“ Dabei war es gerade in den vergangenen Jahren keine leichte Aufgabe, das Geschäft zu erhalten. Pelzmäntel sind in den 80er Jahren in Verruf geraten und wurden kaum noch gekauft. Die Kürschnerwerkstatt, die früher Mäntel und Jacken selbst herstellte, wurde nur noch genutzt, um vorhandene Pelze umzuarbeiten und musste schließlich ganz geschlossen werden.

„Wir hatten immer mehrere Standbeine“, erklärt Christina Biel, wie es ihnen gelungen ist, sich trotzdem auf dem Markt zu behaupten. Man müsse die Entwicklungen beobachten und rechtzeitig den Absprung finden von dem, was nicht mehr geht und die entstehenden Lücken mit anderen Dingen schließen.

Einfach mal ein Buch lesen

Wer dann die Lücke schließt, die nach dem Ende der Firma Biel in der Badestube entstehen wird, das wissen die beiden noch nicht. Sie wissen aber, was sie tun werden: „Einfach mal sitzen und ein Buch lesen“, freut sich Christina Biel auf den kommenden Ruhestand. Oder spontan in die Rhön fahren, wenn die Sonne scheint. Den Garten pflegen, das Buchcafé unterstützen und vor allem die Enkeltochter lieben, sind weitere Aktivitäten, die sie sich vorgenommen hat. Denn Freizeit war bisher knapp bemessen für die Geschäftsleute. Zurzeit läuft der Ausverkauf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.