Der HNA treu: Karl Brandau bekommt die Zeitung an die Nordsee

Tägliche Lektüre: Die Zeitung bekommt Karl Brandau mit der Post nach Nordenham geschickt. Mit einem Tag Verspätung informiert er sich über die alte Heimat. Foto:  privat

Solz. Seit 35 Jahren lebt Karl Brandau in Nordenham. Trotzdem ist er mithilfe der HNA bestens informiert über die alte Heimat.

Sein Elternhaus in Solz ist verkauft, aber auch das ist kein Grund für Karl Brandau, nicht bestens über alles Bescheid zu wissen, was sich in Bebra und rundherum so tut. Die HNA hilft ihm seit 35 Jahren dabei, auch an seinem Wohnort Nordenham bestens informiert zu sein. Zwei-, dreimal im Jahr ist er mit seiner Frau Andrea noch hier. Dann wohnt er bei seinem Cousin Heinrich Bebendorf im Thüringer Hof in Richelsdorf - Ria Bebendorf (81, eine Schwester seiner Mutter), arbeitet bis heute in dem Familienbetrieb mit.

Er liest vor allem den Lokal- und Sportteil der HNA, Fußball, Handball und (Tisch-) Tennis interessieren ihn - und alles, was in der alten Heimat so los ist. Dabei ist Karl Brandau ein wandelndes Buch der jüngeren Geschichte der Region.

Geboren wurde Karl zu Hause in Solz, als gerade Erntedankfest auf dem Trottenhof gefeiert wurde, weshalb der Vater auch erst kam, als der Sohn schon den ersten Schrei getan hatte. Hebamme war die Oma von Hänschen Krause, erzählt Brandau im norddeutschen Tonfall, vom Heizungsbau Krause in Ronshausen. „Aber das Gell ist geblieben“, sagt er, darauf angesprochen. Karl Brandau gehörte zu den Letzten, die noch bis zur 8. Klasse in Solz zur Volksschule gingen. Sein damaliger Lehrer Herbert Fieber war Mitbegründer der Tennisabteilung beim TSV Bebra und begeisterte auch Karl für diesen Sport. Bis heute spielen er und seine beiden Söhne in Nordenham hochklassig auf dem roten Sand.

Lehrer Fieber führte die Gemeindebibliothek und war Chorleiter im Ort, Lehrer Heinz Haack, später Schulleiter in Rotenburg, gründete die Vogelschutzgruppe in Solz, war dort Lektor und Mitbegründer des Posaunenchores. „Die Lehrer waren Vorbild für mich“, sagt Brandau heute. Er ist seit 32 Jahren im Vorstand des Nordenhamer Tennisclubs. Als junger Mann spielte er Fußball („Es gab damals nichts außer Fußball“), war noch als Student Jugendtrainer zusammen mit Jürgen Göbel. Selbst kickte er unter anderem zusammen mit dem erfolgreichen Leichtathleten Karl Grunwald aus Dens - Vater des Rotenburger Bürgermeisters Christian Grunwald.

Als Student in Göttingen arbeitete der heute 63-Jährige in den Semesterferien bei der Sparkasse und immer vor Weihnachten bei der Post am Bebraer Bahnhof. Die war bis zur Grenzöffnung Sammelstelle für Tausende von Päckchen in die DDR, die auf Waggons nach Leipzig, Saalfeld und Görlitz sortiert werden mussten.

Nach dem Lehramtsstudium in Niedersachsen hatte Brandau kaum Chancen, in Hessen eine Stelle zu bekommen. An Nordenham musste sich der junge Mann aus dem hessischen Bergland erst gewöhnen. Alles war platt, und die Kuhweiden hatten keine Zäune, sondern Wassergräben. Er erinnert sich, dass sein Vater Hermann beim ersten Besuch an der Nordseeküste sagte: „Hier will ich nicht begraben sein. Da liegst du ja nur im Wasser.“

Auch Karl freundete sich nie mit dem Wassersport an, blieb beim Tennis und Skifahren und wollte sich anfangs versetzen lassen. Aber da er alles andere als ein sturer Nordhesse ist, fühlten er und seine Frau Andrea sich bald wohl im Norden. Hier wie dort haben sie einen großen Bekanntenkreis, und die Söhne Christopher (31/Speditionskaufmann in Bremen) und Steffen (28/Student in Oldenburg) kommen immer noch zum Tennissport am Wochenende nach Hause.

In einem Jahr will der Dip-lomhandelslehrer und Oberstudienrat an den Berufsbildenden Schulen in Nordenham in Pension gehen. Dann hat er noch mehr Muße zum Zeitunglesen und für Abstecher in die alte Heimat.

Zur Person:

Karl Brandau (63) ist in Solz als Sohn des Sattlers und Polsterers Herrmann Brandau (gest. 1995) und Lotti, geborene Pfaff (gest. 2012), zur Welt gekommen. Seine Schwester Marianne lebt heute mit ihrem Mann, dem Nentershäuser Bodo Heckroth, bei Hannover. Brandau ging von 1959 bis 1966 in die Volksschule in Solz, danach zwei Jahre Handelsschule in Bebra bei Klassenlehrer Dietrich Wiegand. Es folgten drei harte Jahre Wirtschaftsgymnasium am Kurpark in Bad Hersfeld (Englisch und Mathe waren nach zwei Kurzschuljahren „knüppelhart“), Abi 1971, danach zwei Jahre Bundeswehr bei der Luftwaffe bei Ingolstadt, dann im Rotenburger Fernmelderegiment 32 („Franz Toby war mein Spieß“), später in der LRB-Kompanie (Luftraumbeobachtung - oder auch liegen, ruhen, bräunen). Später Unteroffizierslehrgang in Birkenfeld/Nahe (während der Weinlese). Mit der Tätigkeit als Fachausbilder bei der Bundeswehr reifte in ihm der Wunsch, „Pauker“ zu werden. Studium der Wirtschaftspädagogik in Göttingen, Referendariat in Hannover, wo er seine Frau Andrea kennenlernte, die als PTA in einer Apotheke arbeitete. Seit Ende 1980 Lehrer in Nordenham, beide haben zwei Söhne.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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