Gute Berufskraftfahrer sind gesucht – Agentur vermittelt

Trucker geben Gas

Gute Fahrt: Arbeitsvermittlerin Sylke Kleinkauf am Arbeitsplatz von Jürgen Fichtner. Foto: Struthoff

Friedewald. Jürgen Fichtner kennt die Freiheit der Landstraße. 23 Jahre lang kurvte der 54-jährige Hünfelder mit einem Lastwagen durch Europa - Frankreich, die Schweiz, kreuz und quer durch Deutschland. Doch dann ist Schluss. Im März 2009 verliert Fichtner seine Stelle und muss sich arbeitslos melden. Ein harte Zeit beginnt für ihn und seine Familie.

Zum Glück trifft er auf Sylke Kleinkauf. Die Arbeitsvermittlerin der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld kann ihm helfen. Seit Januar lenkt Fichtner nun wieder einen großen, schneeweißen Truck über die Autobahn. Für die Hanauer Systemverkehre (HSV), die seit Februar 2009 ihren Firmensitz in Friedewald haben, fährt er regelmäßig nach Hannover. Zehn Stunden „on the road“ sind sind zwar kein Zuckerschlecken, denn die Anforderungen an Lastwagenfahrer sind hoch. „Aber was zählt ist die Sicherheit, wieder Arbeit zu haben“, sagt Fichtner.

Adios, Asphalt-Cowboy

Rund 400 Mitarbeiter beschäftigen die HSV, darunter 368 Fahrer – und es könnten noch mehr sein. Denn Prokurist Jonas Trentschka sucht noch Mitarbeiter. Aber der Nachwuchs fehlt, während die Anforderungen durch immer neue EU-weite Regelungen ständig steigen. Dadurch hätten sich auch die Kosten für den LKW-Führerschein verdoppelt. Sie liegen laut Trentschka bei 5000 bis 6000 Euro – kein Pappenstiel für die Pappe.

Ohnehin ist der Asphalt-Cowboy von einst mit seinem Truck längst im Sonnenuntergang der Geschichte verschwunden. Heute sind Manager im High-Tech-Cockpit gefragt. „Ordnung, Sauberkeit und Disziplin sind sehr wichtig, und die Technik hat einen hohen Stellenwert“, sagt Trentschka. Im Jahr 2009 habe er 1500 Bewerbungsgespräche geführt, doch qualifizierte Fahrer sind schwer zu finden.

Trentschka stellt deshalb gern auch ältere Fahrer wie Jürgen Fichtner ein. „Wer sich in diesem Alter als Kraftfahrer bewirbt, der will auch wirklich arbeiten und ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Trotzdem kommt bei den HSV kein Fahrer ohne Eignungstest hinters Lenkrad.

Sehr gute Zusammenarbeit

„Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit ist sehr gut“, sagt Trentschka und lobt das Engagement von Sylke Kleinkauf. Allein im letzten halben Jahr konnte sie ihm 70 Bewerber vermitteln. Inzwischen sucht die Hersfelder Arbeitsagentur sogar schon Mitarbeiter für die anderen HSV-Standorte in Hanau und in der Nähe von Aachen.

Stress am Steuer

Außerdem wollen die HSV in diesem Jahr aber auch selber ausbilden. Fünf bis sieben Berufskraftfahrer, ein bis zwei Schlosser für die eigene Lastwagenwerkstatt und einige Speditionskaufleute. Damit die jungen Nachwuchs-Trucker auch wissen, was auf sie zukommt, will die Arbeitsagentur gemeinsam mit den HSV Kennenlern-Kurse anbieten.

„Die vielen Nachtfahrten sind körperlich sehr belastend“, weiß Jonas Trentschka. Darunter litte auch die Familie. Hinzu kämen immer neue Vorschriften und Regeln, und der Stress auf immer volleren Autobahnen. Auch die Könige der Landstraße fahren zwischen engen Leitplanken.

Von Kai A. Struthoff

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