Über 100 000 Euro veruntreut

Taxifahrer bereichert sich auf Kosten von älterer Dame aus Bad Hersfeld

Symbolbild Gericht HNA
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Verhandlung vor dem Amtsgericht.

Erst erschlich er ihr Vertrauen, dann nahm er ihr Geld: Ein Taxifahrer aus Hersfeld-Rotenburg hat von einer älteren Dame 100.000 Euro ergaunert. Jetzt stand er vor Gericht.

Bad Hersfeld – Wegen Untreue in 25 Fällen ist ein 50-jähriger Mann aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Taxifahrer hatte sich mittels einer erteilten Vollmacht am Vermögen einer älteren Bad Hersfelderin bedient und sich damit mehr als 100 000 Euro zu eigen gemacht.

Die Geschädigte lernte den Angeklagten durch regelmäßige Taxifahrten kennen. Daraus entwickelte sich schon bald ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden. Dieses ging so weit, dass der 50-Jährige einen Schlüssel zur Wohnung der Hersfelderin bekam. Er erhielt außerdem die Vollmacht über ihre Finanzen. Vom verstorbenen Lebenspartner hatte sie ein Wertpapier-Depot im Gesamtwert von etwa 120 000 Euro geerbt. Da sie sich selbst damit nicht auskannte, bat sie den Angeklagten, dieses zu verwalten.

Der 50-Jährige nutzte das Vertrauen der Hersfelderin laut Staatsanwältin schamlos aus. In der Zeit vom 1. Januar 2016 bis zum 31. August 2018 tätigte er etliche Überweisungen oder Bargeldauszahlungen vom Konto der Geschädigten, ohne dies zuvor mit ihr abzusprechen. Dabei wurden auch Beträge bis zu 17 000 Euro abgehoben. Er verkaufte nach und nach alle Wertpapiere der Geschädigten. Bemerkt hatte das die Geschädigte allerdings erst, als von ihrem Vermögen kaum noch etwas übrig war. Lediglich 1000 Euro befanden sich noch auf dem Konto.

Da die Mittsiebzigerin bereits im Juli 2020 verstarb, konnte sie bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld nicht mehr aussagen. Aus ihrer polizeilichen Zeugenaussage im Mai 2019 wurde allerdings verlesen: „Das alles war ohne meine Zustimmung. Es war mein Geld, er hat mich um mehr als 100 000 Euro gebracht.“ Als Zeugin geladen war die Nachbarin der Geschädigten. Sie sagte: „Sie hatte furchtbare Herzprobleme. Das alles hat sie mitgenommen, es ging ihr immer schlechter.“

Richter Michael Krusche und die Schöffen erklärten den Angeklagten für schuldig und folgten dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten hingegen hatte auf Freispruch aufgrund mangelnder Beweislage plädiert.

Der Angeklagte selbst, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern zusammenlebt, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. „Wenn jemand nur schweigt, bleiben manche Dinge unklar, aber damit müssen wir leben. Das Vertrauen der Dame haben Sie vorsätzlich missbraucht“, so Krusche am Ende. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gegen das Urteil des Schöffengerichts kann der Angeklagte Berufung oder Revision einlegen. Bei einer Berufung prüft ein übergeordnetes Gericht das Urteil sowohl in rechtlicher als auch tatsächlicher Hinsicht, das heißt das ganze Verfahren wird noch einmal aufgerollt. Bei einer Revision wird das Urteil nur auf mögliche Rechtsfehler überprüft.  (Anna Weyh)

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