Revisionsverhandlung gegen 22-Jährigen aus Bebra – Diesmal Bewährung

Überfall auf den Vater

Fulda. Die Chance der Bewährung gab die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts Fulda einem 22-jährigen Bebraner für den Rest seiner 18-monatigen, faktisch schon verbüßten Jugendstrafe, die gegen ihn vor gut einem Jahr wegen versuchter schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit Körperverletzung verhängt worden war. Die 2. Große Jugendkammer des gleichen Gerichts hatte ihm dies versagt.

Daraufhin hatte der Angeklagte, auf diesen Punkt beschränkt, Revision eingelegt, woraufhin der Bundesgerichtshof feststellte, dass die 2. Kammer ihr Urteil gegen den psychisch kranken, zu unkontrollierten Handlungen neigenden, aber nicht vorbestraften Bebraner nicht ausreichend begründet habe. Die 1. Kammer mit dem Vorsitzenden Richter Josef Richter erörterte nun in allen Einzelheiten in einer weiteren Hauptverhandlung Kindheit und Jugend des zur Tatzeit noch als Heranwachsender geltenden Mannes, der schon früh Bekanntschaft mit Heimen und psychiatrischen Einrichtungen gemacht hatte und in diesen immer wieder auffällig geworden war.

Mit Sturmhaube

Am frühen Silvestermorgen 2013 hatte er sich gegen 3.15 Uhr mit Mütze und Sturmhaube maskiert Zutritt zum Haus seines Vaters in Alheim verschafft und sich in dessen Schlafzimmer begeben. Sein Versuch, den schlafenden Vater mit einem vermeintlich chloroformierten Wischlappen zu betäuben, um ihn zu fesseln und mit einem Messer die Beine so sehr zu zerschneiden, dass er nicht mehr arbeiten kann, schlug fehl.

Seinen anschließenden Angriff mit Raumspray, das er in das Gesicht des Vaters sprühte und das er mit einem Feuerzeug entzünden wollte, schlug ebenfalls fehl. Dem wach gewordenen Vater gelang es, den Angriff abzuwehren. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Vater den Angeklagten letztendlich überwältigte. Dabei erlitt der Vater eine Schürfwunde.

Gekommen war es zu der Straftat, weil sich Vater und Sohn einen Tag vor Weihnachten über die Auszahlung des Kindergeldes gestritten hatten. Über den Vater erbost, beschloss der immer wieder schnell erregte Angeklagte, dem Vater einen „Denkzettel“ zu verpassen. Dass sein Tun abwegig war, ging ihm spätestens vor Gericht auf, das ihn trotz Entschuldigung zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilte.

Der als Sachverständiger herangezogene Psychiater Dr. Rüdiger Müller-Isberner stellte dem „sehr früh auffälligen“, unstrukturiert und ohne soziale Kontakte vor sich hin lebenden Angeklagten mittel- und langfristig eine „ausgesprochen ungünstige Prognose“ aus. Er sprach sich jedoch – ähnlich wie Staatsanwalt Stefan Müller-Odenwald und Verteidiger Jochen Kreissl – dafür aus, die verbleibende Strafe unter strengen Auflagen zur Bewährung auszusetzen.

Dem folgte das Gericht. Es unterstellte den äußerlich „einen aufgeweckten Eindruck“ machenden Bebraner für drei Jahre einem Bewährungshelfer. Außerdem muss er bis zu 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Von Wilfried Apel

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