Übersetzer aus Leidenschaft: Bundesverdienstkreuz für Dr. Malakzay

Weiterode. Dr. Akram Malakzay ist stolz auf diese Auszeichnung, antwortet er und nickt dabei so erhaben, dass es fast wie eine Verbeugung wirkt. Der Weiteröder Arzt bekommt am Freitag, 7. Oktober, um 19 Uhr im Kreiskrankenhaus Rotenburg das Bundesverdienstkreuz verliehen. Allerdings bleibt für ihn ein Wermutstropfen.

Malakzay bekommt die Auszeichnung für eine einzigartige Leistung. In 20 Jahren und geschätzten 4000 Arbeitsstunden hat der gebürtige Afghane das weltweit erste Wörterbuch erstellt, das aus der afghanischen Amtssprache Paschto ins Deutsche übersetzt.

Wir berichteten vor zwei Jahren, nachdem das umfangreiche Werk als Buch erschienen war. Die überwältigende Resonanz: Malakzay wurde in die USA eingeladen, sprach dort und in Deutschland im Radio und im Fernsehen. Der afghanische Kulturverein in Deutschland würdigte ihn bei einer Feier mit Gästen aus ganz Europa.

Der Wermutstropfen: Bei aller Anerkennung, die Malakzay in Europa und den USA zuteil wurde - der Weiteröder bedauert, dass die afghanische Regierung kein Interesse zeigt. Das seien Hinterwäldler, erklärt Malakzay. „Ehemalige heilige Krieger, korrupt und in Drogenhandel verstrickt. Akademische Bildung ist denen nicht viel wert.“

Was wäre der Idealfall? Das Buch müsste in afghanischen Schulen verteilt werden, wo Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, wünscht sich Malakzay. Das würde Studenten die Möglichkeit geben, an deutsche Universitäten zu gehen und Know-How zurück in ihr Land zu bringen.

Seine Liebe zu beiden Ländern spiegelt sich in der Wohnzimmereinrichtung Malakzays in Weiterode. An der Wand hängt eine Uhr mit geschnitztem Adler und Tannenzapfen, wie sie ein amerikanischer Tourist aus Deutschland mitbringen würde, daneben orientalisch anmutende Trinkpokale mit Silber und Perlen verziert.

Nebenan ist Malakzays Arbeitsraum. Hier widmet er sich weiter der Leidenschaft des Übersetzens. Er hat einen Deutschkurs für Ausländer in Paschto übersetzt, schon 100 Seiten einer Deutsch-Grammatik für Afghanen geschrieben und sich Wörterbücher mit Fachausdrücken besorgt, um die er sein Werk ergänzen will. Ja, es ist eine Sucht, bestätigt Malakzay, der sonst immer ernst ist, mit einem Lachen.

Ein Anrufer bei einem Radiointerview hat Malakzay prophezeit, dass seine Arbeit auch in Afghanistan Würdigung finden wird: „Ihr Name wird eines Tages in goldener Schrift in Geschichtsbüchern stehen.“

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