Üppiger Bauernbarock fasziniert Besucher in der Region

Richelsdorf Bauernbarock-Kirche: Das entzückende Kirchlein war eines Ziel der Besichtigungstour. Fotos: Apel

Hersfeld-Rotenburg. Manchmal ist Kirche einfach nur schön. Und interessant. Am Samstag etwa, als sich drei erstaunlich große Gruppen auf unterschiedliche Art und Weise zwischen Heinebach, Richelsdorf und Odensachsen auf Entdeckertour begaben, um in fünf evangelischen Kirchenkreisen elf wunderschöne Bauernbarock-Kirchen zu besichtigen.

Die erste startet mit knapp zehn Schleppern. Im Planwagen an der Spitze Pfarrer Janosz König, der nach Aufenthalten in den Sontraer Stadtteilen Mitterode und Wichmannshausen, wo Baron Otto von Boyneburgk über das Kirchenpatronat seiner Familie und den von seiner Vorfahrin Caroline 1753 gestifteten Abendmahlskelch referiert, an „seiner“ Kirche in Richelsdorf Halt machen lässt.

In dem hellen, mit Ranken, Blumenbuketts, Sprüchen und ausgeprägtem Wolkenhimmel verzierten Gotteshaus zählt er die wesentlichen Daten auf und auch, dass sie 1716, ein Jahr vor dem Kasseler Herkules, der mit Kupfer aus der Richelsdorfer Hütte gehämmert worden ist, fertiggestellt wurde. Nach einem „Glück auf“ von der CD berichtet Georg Lorenz vom Bergbau, und staunend bewundern die Besucher die von ihm aus dem Nentershäuser Museum mitgebrachten Mineralien: Kupferschiefer, Schwerspat und Kobaltblau, aus dem das Blau für die Kirche gewonnen wurde.

Dann geht es nach Nentershausen. Das von außen unscheinbare Bauwerk mit dem fast schon untypischen runden Turm überrascht mit einem vollständig ausgemalten Innenraum. Pfarrerin Annette König und Diana Stolze von der Tourismusförderung des Landkreises begrüßen die Besucher und lenken deren Aufmerksamkeit auf die am Kirchenhimmel dargestellte Opferung Isaaks durch Abraham. Pfarrer Dieter Rothhardt, Ellen Schenck, Dennis Löffler und Dirk Wetterau stellen die von Kirchenvorsteher Hans Krause in Szene gesetzte Geschichte schauspielerisch dar und werden mit herzlichem Beifall belohnt.

Entdeckertour durch Kirchen: Vom Zauber des Bauernbarocks

In Weiterode empfängt Margarethe König derweil in Tracht die aus Heinebach fuldaaufwärts geradelte zweite Gruppe, aber auch zahlreiche Einheimische. Bevor die Küsterin den gespannt lauschenden Entdeckern „ihren“ gemalten Himmel auf Erden erläutert, spielt Christopher Noll Orgelstücke von Bach, Walther und Homilius. Alle sind überaus angetan und laben sich an leckeren Waffeln, um gestärkt nach Ronshausen zu fahren.

Dort dankt Pfarrer Thomas Nickel im vor genau 300 Jahren fertig gewordenen Schatzkästlein für die guten Begegnungen, die die Tour mit sich gebracht hat. Er und sein Heinebacher Kollege Torsten Eisenträger sind froh, dass sich das über ein knappes Jahr erstreckende, von Nina Wetekam vom Landeskirchenamt hervorragend unterstützte „Eintüten“ der Entdeckertour gelohnt hat und bestens ankommt. Wie dann auch die von Michael Nuhn gekochte Gulaschsuppe.

Von Wilfried Apel

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