Der Boss ist mal defensiv, mal offensiv

Sparkassen-Forum: Uli Hoeneß als Gast ungemein facettenreich

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Stand Rede und Antwort: Uli Hoeneß (rechts) m Gespräch mit Markus Pfromm, dem Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung.

Rotenburg. Der Präsident des FC Bayern München ist Gast beim Sparkassen-Forum in der Rotenburger Göbels Hotel Arena, das von der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg jedes Jahr veranstaltet wird.

Wer auf die Zuschauer dieser Veranstaltung blickt, dem wird nicht gleich klar, worum es geht: Manche tragen Anzug und Krawatte, manche ein Trikot des FC Bayern München, und bei manchen verdeckt ein Bayern-Schal die Krawatte. Hier trifft also vieles zusammen, und dann passt es auch, dass einer zum Gespräch erscheint, der auch vieles in sich vereint: Uli Hoeneß.

Hoeneß ist der erste Prominente, der hier das zweite Mal Rede und Antwort steht. Es ist ja auch viel passiert seit seinem ersten Besuch im Jahr 2013. Aber dazu später mehr.

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Denn es hat sich ja auch viel ereignet in dieser Woche. Und so dreht sich das Gespräch mit Markus Pfromm, dem Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung, erst einmal um das Aktuelle – bei den Bayern mit Philipp Lahm (siehe unten), in der Fußball-Bundesliga. Hoeneß spricht gleich Klartext. Die Ausschreitungen in Dortmund und die Hassplakate gegen RB Leipzig nennt der 65-Jährige Wahnsinn – verbunden mit einer versteckten Kritik: „Ich habe mich gewundert, dass man die Plakate so lange hat hängen lassen.“ Später nennt er die Diskussion um RB scheinheilig. Ohne Mäzen Dietrich Mateschitz gäbe es im Osten schließlich keinen Bundesliga-Fußball.

Das Gespräch, das wird schnell klar, ist informativ und unterhaltsam. Hoeneß spricht amüsiert über die Falschmeldung der Bild-Zeitung, er sei mit dem ehemaligen Bayern-Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt essen gewesen. Er schildert dann die gesamte Situation im Restaurant: wer mit wem am Tisch saß – und dass die Bild-Zeitung in der Samstagausgabe das richtigstellen werde. Er grinst schelmisch.

Hoeneß ist in Form – und die beinhaltet auch, ungemein facettenreich zu sein. Er ist mal laut, mal leise, mal offensiv, mal defensiv. Er kann bei einem Thema sogar beides sein – vor allem dann, wenn er über seine Steuersünde und seine Zeit im Gefängnis berichtet. Das alles tat sich ja kurz nach seinem Besuch 2013 in Bad Hersfeld auf. Er steht zu seinen Fehlern, sagt aber auch: „Ich bin der einzige, der eine Selbstanzeige gemacht hat und im Gefängnis saß.“

Uli Hoeneß beim Sparkassen-Forum in Rotenburg

Als Pfromm die Geschichte erzählt, wie es zu der Einladung an Hoeneß kam, kommt auch der Stolz dieses Mannes zum Vorschein. Er wurde angefragt, kurz nachdem er Freigänger wurde. Hoeneß sagte sofort zu: „Das hat mich damals total bewegt, dass die Leute bereit waren, mich wieder in die Gesellschaft aufzunehmen.“ Kurz darauf sagt er angriffslustig, dass die Resozialisierung für all die nicht prominenten Gefangenen besser werden müsse.

Die gute Stunde mit Hoeneß auf der Bühne vergeht schnell, auch weil er Sätze sagt wie diesen: „Ein Schwarzer in Lederhose ist für mich das Größte – nur sollte er Deutsch sprechen.“ Und sie vergeht schnell, weil er Anekdoten erzählt wie jene, als Pep Guardiola plötzlich bei ihm in der Tür stand – nur zu Besuch. Das fand Hoeneß klasse.

Dass Hoeneß polarisiert, machte Reinhard Faulstich, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg, schon klar, als er die Gäste begrüßte. Er verschwieg auch nicht, dass einige Kunden irritiert gewesen seien, als sie vom prominenten Gast erfuhren. Aber auch das ist ja Uli Hoeneß: Der Betrag für seinen Besuch geht ohne Umwege als Spende an zwei Einrichtungen – unter ihnen eine Schule in Bebra. Die Reisekosten zahlt er selbst. Und als die Sportkoordinatorin der Schule auf der Bühne steht, sichert ihr Hoeneß zu, dass er allen 93 Schülern ein Bayern-Trikot zukommen lassen werde. Er bekommt viel Applaus von denen mit Krawatte – und von denen mit Trikot sowieso.

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