Bürgermeister hofft auf Unterstützung des Bundes für Betroffene

Umfangreiche Akte im Archiv belegt Bau des Luftschutzstollens in Philippsthal

Pläne, Schreiben, Katasterauszug: Eine umfangreiche Akte im Philippsthaler Gemeindearchiv zeugt vom Bau des Luftschutzstollens während des Zweiten Weltkrieges. Das Bauwerk stürzt seit einigen Monaten ein, die betroffenen Grundstückseigentümer fürchten, auf den Folgekosten sitzen zu bleiben. Fotos: Eisenberg

Philippsthal. Sie zeugen von einem dunklen Kapitel der Ortsgeschichte, sind für die betroffenen Grundstückseigentümer aber zugleich ein Lichtblick: Die jetzt gefunden Bauakten des Luftschutzstollens im Philippsthaler Tiefenkeller.

Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, das unter drei Privatgrundstücken verläuft, stürzt seit einigen Wochen in sich zusammen, am Hang über dem ältesten Straßenzug der Gemeinde tut sich ein Krater auf (unsere Zeitung berichtete). Von den Bauarbeiten in den letzten Kriegsjahren zeugten bislang nur Schilderungen älterer Einwohner. Der frühere Bauamtsleiter Klaus-Dieter Radick erinnerte sich allerdings, dass auch schriftliche Aufzeichnungen existierten – und wurde im Gemeindearchiv tatsächlich fündig. 

Die gut erhaltenen Schriftstücke dokumentieren das Geschehen umfangreich. „Der Stollenbau ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die Gefahr des Luftterrors“, heißt es in einem Schnellbrief des Reichsministers des Inneren vom 10. Januar 1944, der über den Kasseler Regierungspräsidenten und den Hersfelder Landrat allen Bürgermeistern zugestellt wurde.

Philippsthaler leisteten 1492 Arbeitsstunden

„Der Ortsteil Tiefenkeller ist stark luftempfindlich und, da nur wenige Luftschutzkeller vorhanden sein dürften, sollen zur Sicherheit der dortigen Bevölkerung an geeigneten Stellen Laufgräben bzw. Stollen angelegt werden“, schrieb der damalige Bürgermeister Bernhard Bär bereits am 25. November 1943 an alle Haushaltsvorstände des Straßenzuges. Die Männer und Frauen werden aufgefordert, in einer Liste die voraussichtlich abzuleistenden Tagesstunden anzugeben. Diese Auflistung ist ebenso erhalten wie der tatsächliche Arbeitsnachweis der einzelnen Bewohner. 

Die Erde senkt sich: Der ehemalige Luftschutzstollen im „Tiefenkeller“ bricht ein.

In unterm Strich 1492 Arbeitsstungen wurde der Stollen in den Berg getrieben. Die Bauzeit ist auf der Akte vom 10. Januar bis zum 19. Februar 1944 angegeben. Tatsächlich dauerten die Arbeiten aber offenbar länger. Denn neben Genehmigungen, händischen Bauzeichnungen und Katasterauszügen dokumentiert die Akte auch den Mangel, der nach Jahren des Krieges bereits herrschte: Ein umfangreicher Schriftwechsel zeugt etwa vom Kampf um das benötigte Bauholz.

In einem Schreiben vom 2. März 1944 teilt der Preußische Oberforstmeister des Forstamts Heringen der Gemeinde schließlich 20 Raummeter trockenen Holzes in Brennholzqualitiät zu, welches in der Revierförsterei Philippsthal selbst geworben werden musste.

Dass die Bauarbeiten umfangreich dokumentiert wurden, nährt bei Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth jetzt die Hoffnung, dass die Grundstückseigentümer Unterstützung von den zuständigen Bundesbehörden erhalten. Dass die Betroffenen bei der Sicherung der Kriegsaltlasten alleine gelassen werden, sei nicht hinnehmbar, betont der Rathauschef. Derzeit warte die Bauverwaltung der Gemeinde allerdings noch auf abschließende Klärung.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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