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Umweltbildungszentrum in Alheim-Licherode in finanzieller Schieflage

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Von: Carolin Eberth

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Düstere Zeiten für das UBZ: Das nach eigenen Angaben „erste ökologische Schullandheim Deutschlands“ in Alheim-Licherode (1995 gegründet) schreibt seit Längerem rote Zahlen.
Düstere Zeiten für das UBZ: Das nach eigenen Angaben „erste ökologische Schullandheim Deutschlands“ in Alheim-Licherode (1995 gegründet) schreibt seit Längerem rote Zahlen. © Carolin Eberth

Das Umweltbildungszentrum in Alheim-Licherode hat vor fünf Wochen einen Insolvenzantrag gestellt. Geschäftsführer Stefan Ross bleibt trotzdem zuversichtlich.

Licherode – Das Umweltbildungszentrum (UBZ) in Alheim-Licherode ist in finanzielle Schieflage geraten und hat deshalb vor fünf Wochen einen Insolvenzantrag gestellt. Laut Geschäftsführer Stefan Ross steuere das UBZ zum wiederholten Male auf ein defizitäres Geschäftsjahr zu, obwohl die Einrichtung in diesem Sommer sehr gut ausgelastet gewesen sei.

„Wir hatten viele Buchungen in diesem Jahr, haben wirklich viel gearbeitet und uns neue Angebote ausgedacht. Trotzdem haben wir keine Chance gegen die Altlasten anzukommen“, sagt Ross. Die Folgen der Coronakrise, Inflation, gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise und die Erhöhung des Mindestlohns hätten es dem Schullandheim schließlich unmöglich gemacht, schwarze Zahlen zu schreiben.

Stefan Ross, Leiter des Umweltbildungszentrums in Licherode
Stefan Ross © Carolin Eberth

Ein weiteres Problem sei laut Ross die Struktur des Umweltbildungszentrums, die nun überdacht und gegebenenfalls geändert werden müsse. „Das UBZ besteht seit 1995 als ein eingetragener Verein. Wir werden von der Politik behandelt wie ein Kegelverein, dabei leisten wir systemrelevante Arbeit.“ Als Verein sei es für das UBZ zudem auch nicht möglich, an bestimmte Fördertöpfe zu gelangen.

Momentan befinde sich das Umweltbildungszentrum im vorläufigen Insolvenzverfahren, der Phase zwischen der Stellung des Insolvenzantrags und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Diese Phase dauert in der Regel zwei bis drei Monate. „Die Insolvenzverwalterin Jutta Rüdlin aus Melsungen analysiert gerade unsere Zahlen. Ich habe viel Hoffnung, dass wir mit dieser Hilfe im nächsten Jahr einen Neustart wagen können mit einer neuen Struktur und danach finanziell auf festeren Beinen stehen werden“, sagt Ross.

Die Jobs der 24 Mitarbeiter im Umweltbildungszentrum seien trotz des Insolvenzantrags erstmal nicht gefährdet. „Überstehen wir diese Krise und verwirklichen die vielen Projekte, die wir uns vorgenommen haben, dann bräuchten wir eher noch mehr Mitarbeiter, als wir zum jetzigen Zeitpunkt haben.“

Viel mehr könne er noch nicht zu möglichen Veränderungen in Licherode sagen, da er noch mitten in den Verhandlungen stecken würde. Auch ein Gespräch mit Landrat Torsten Warnecke (SPD) würde noch ausstehen. Bislang erhält das Zentrum keine Unterstützung vom Landkreis. Versuche des vorigen Geschäftsführers Ahmed Al Samarraie, der 2019 beim Kreis um finanzielle Unterstützung bat, wurden abgelehnt. Auch ein Beschluss des Gemeindevorstands der Gemeinde Alheim, das UBZ mit einem Darlehen in Höhe von 9990 Euro zu unterstützen, war 2019 damit hinfällig – denn er war daran gekoppelt, dass auch der Landkreis hilft.

Das UBZ – mit Angeboten nicht nur für Kinder, sondern auch wissenschaftlich basiert für Erwachsene – liefert auch Essen an Schulen und Kindergärten in Alheim, Morschen und Melsungen aus. Jüngst startete der Elternbeirat aus Heinebach eine Petition, mit der die Eltern bewirken wollen, dass die Kitas in Heinebach und Baumbach nicht länger aus Licherode beliefert werden. „Wir kämpfen natürlich um jeden unserer Kunden. Sollte es jedoch dazu kommen, dass wir nicht weiter die Kitas in Alheim mit Essen beliefern, dann würde es finanziell keine riesigen Auswirkungen haben für uns. Denn wir haben noch andere Interessenten für Essenslieferungen“, sagt Stefan Ross.

Dennoch fände er es sehr schade. Besonders die Art und Weise, in der die Eltern Kritik am UBZ geübt haben, findet Ross nicht in Ordnung. „Wir bekommen jeden Tag, für jedes Essen, von beiden Kindergärten, Rückmeldungen. Das habe ich schriftlich. Daraus ist die Härte dieser Kritik in keiner Weise abzulesen gewesen.“

Der Zukunft des Umweltbildungszentrums blickt Stefan Ross trotzdem mit Zuversicht entgegen – auch, weil bereits für das kommende Jahr 2023 sehr viele Buchungen von Schulklassen eingegangen seien. (Carolin Eberth)

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