Aileen Vogt und Martin Schran

Schülerin und Rentner: Ungleiches Paar kämpft für Erhalt der Alheimer-Kaserne

Sie ist vom Schützenverein, er von den Edelweißkameraden: Die beiden Alheimer Aileen Vogt (16) und Martin Schran (64) kämpfen für den Erhalt der Alheimer-Kaserne und haben Unterschriften gesammelt. Foto: Marcus Janz

Rotenburg. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf gebilligt, um den Soldatenberuf attraktiver zu machen. Für einen Rentner und eine Schülerin aus Alheim ist das erneut Anlass, um darauf hinzuweisen, dass in Rotenburg eine teuer modernisierte Kaserne geschlossen werden soll.

Wenn Nachrichten über die Bundeswehr laufen, wird Martin Schran hellhörig: „Jetzt wollen sie viel Geld in die Kasernen stecken, und hier machen sie eine komplett sanierte dicht“, sagt der 64-Jährige und schüttelt den Kopf. „Das ist doch unser Steuergeld.“

Der Vorsitzende der Edelweißkameradschaft Sterkelshausen kämpft noch immer für den Erhalt der Alheimer-Kaserne. Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihre Pläne enthüllt hatte, die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen, hat Schran einige hochrangige Militärs und Politiker angeschrieben, um sie auf die Geldverschwendung in Rotenburg aufmerksam zu machen. Die Rede ist von 40 Millionen Euro für die Sanierung, die bei der Schließung 2016 vergeudet wären.

„Es ist immer noch ein Funke Hoffnung da“, sagt Schran, der nicht allein dasteht. Auch Aileen Vogt setzt sich für den Bundeswehrstandort ein. Während Schran im Rentenalter ist, feiert sie am Donnerstag ihren 16. Geburtstag. So jung sie ist, so beharrlich ist sie auch: „Ich kämpfe so lange, bis der Schlüssel endgültig umgedreht ist“, sagt Aileen Vogt.

Lesen Sie auch: 

- Verteidigungsministerin von der Leyen soll Aus für Alheimer-Kaserne überdenken

- Darum sollte die Bundeswehr die Alheimer-Kaserne weiter nutzen

Sie hat bereits bewiesen, dass sie nicht nur leere Worte macht: Nach dem Auflösungsappell des Führungsunterstützungsbataillons hat die Jakob-Grimm-Schülerin Unterschriften für den Erhalt der Kaserne gesammelt. Selbst Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt konnte sie gewinnen. 257 Unterschriften kamen an jenem Abend zusammen. Aileen Vogt übergab sie während ihrer Klassenfahrt nach Berlin persönlich an den Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich, damit er sie an die Verteidigungsministerin weiterreicht.

Am Sinn ihres Einsatzes zweifelt die 16-Jähige ebenso wenig wie ihr Mitstreiter - im Unterschied zu vielen, die ihnen auf die Schultern klopfen, aber Vorbehalte haben: „,Wer weiß, ob das noch was bringt‘, hört man immer wieder“, erzählt Vogt.

Schran weiß, dass sich viele Soldaten wünschen, dass der Einsatz des Duos Erfolg hat. Auch deshalb ärgert er sich, dass es so wenig Widerstand gegen die Standortentscheidung gab: „Ich kann nicht verstehen, dass hier gar nicht gekämpft wurde und sich die Politiker nicht dafür einsetzen. Wir werden doch seit Jahren belogen. Wen soll ich denn noch wählen?“

Diese Frage muss sich die 16-jährige Aileen Vogt noch nicht stellen. Ihr ist die Politik aber auch egal. Worauf es ihr ankommt, ist die Verschwendung von zig Millionen Euro Steuergeld und der drohende Verlust der Bundeswehrtradition in der Region. „Hier könnte Geld gespart werden, anstatt immer weiter Geld zu verlangen“, sagt Aileen Vogt.

Deshalb haben sie und Martin Schran einen Wunsch: Ursula von der Leyen soll wenigstens einmal nach Rotenburg kommen und sich vor Ort informieren, welche Kaserne sie da schließen will. „Sonst weiß sie doch gar nicht, worum es hier wirklich geht“, sagt Aileen Vogt.

Ihre Motivation, für den Erhalt der Alheimer-Kaserne zu kämpfen, ziehen die beiden aus ganz persönlichen Kontakten zur Bundeswehr. Sie gehören beide Vereinen an, die die Patenschaft zwischen der Gemeinde Alheim und der zweiten Kompanie des Führungsunterstützungsbataillons 286 gepflegt haben. Diese Patenschaft wurde im Sommer aufgelöst.

Aileen Vogt ist Mitglied des Schützenvereins Heinebach und hat dadurch Kontakt zu den Soldaten bekommen. Ihr Wohl liegt ihr am Herzen. Deshalb kämpft sie auch für den Erhalt des Bundeswehrstandorts in der Region, wo sich die Kameraden seit über 50 Jahren gut aufgehoben fühlen: „Wie kann man den Soldaten die Heimat nehmen, die sie sich hier aufgebaut haben?“, fragt sich Vogt.

Martin Schran ist Vorsitzender der Edelweißkameradschaft Sterkelshausen, die die Patenschaft mit der Kompanie ebenfalls lange und intensiv gepflegt hat. Die Kontakte des Reservisten in die Kaserne sind sehr eng.

Von Marcus Janz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.