Jörg Lohrbach brachte 20 Jahre alten Audi 100 LS Fuel Injection von Reise mit

USA-Fan aus Hohenroda restauriert Audi-Oldtimer aus Wyoming

Das Fotos zeigt Sven (links) und Jörg Lohrbach mit ihrem Audi 100 LS Full Injection,.
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Reines Sommerfahrzeug: Sven (links) und Jörg Lohrbach fahren mit ihren Audi 100 LS Full Injection, einer US-Ausführung des Klassikers mit den vier Ringen, nur bei schönem Wetter.

Der USA-Fan Jörg Lohrbach aus Hohenroda hat aus dem Urlaub in Wyoming einen 20 Jahre alten Audi 100 LS Fuel Injection mitgebracht und den Oldtimer liebevoll restauriert.

Hohenroda – Mit Mitbringseln aus dem Urlaub ist es ja oft so eine Sache. Der köstliche Wein aus Italien? Schmeckt zuhause meist dann doch etwas anders als noch in der Toskana. Der Mini-Eiffelturm aus dem Touristen-Shop? Landet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bald irgendwo in irgendeiner Kiste. Das, was Jörg Lohrbach vor mehr als 20 Jahren von einer USA-Reise mitgebracht hat, ist alles andere als ein typisches Souvenir: Es bereitet ihm nach wie vor große Freude, ist hierzulande eine echte Rarität und heute wesentlich mehr Geld wert als damals.

Die Reise

Eigentlich wollte der heute 58-Jährige sich 1997 im US-Bundesstaat Wyoming mit seiner Familie nur historische Überreste des dortigen Bergbaus anschauen. Jörg Lohrbach, der selbst aus dem Bergbau kommt und sich selbst als großen Amerika-Fan bezeichnet, fuhr also durch die weiten Ebenen des Rocky-Mountain-Staats zwischen Montana und Colorado im Nordwesten der USA, als seine Frau eher zufällig irgendwo im Nirgendwo auf einem Hof ein Auto sah: einen damals rund 20 Jahre alten Audi 100 LS Fuel Injection, abgestellt zwischen anderen offensichtlich nicht mehr fahrtüchtigen Fahrzeugen.

Die Wette

„Wir kamen mit dem Besitzer, dem Sheriff des Orts, ins Gespräch“, erinnert sich Jörg Lohrbach. Der Gesetzeshüter sagte, dass er mit dem in Deutschland hergestellten Mittelklassewagen so gar nichts mehr anfangen konnte. Denn der Audi wollte partout nicht mehr anspringen. „Schon etliche Leute waren bei ihm gewesen und hatten ihr Glück versucht. Ohne Erfolg“, so Lohrbach weiter. Und dann schlug der Sheriff dem Fremden aus Deutschland plötzlich eine Wette vor: Sollte er es schaffen, das einst ab Werk fast 15 000 D-Mark teure Auto bis zum Abend zum Laufen zu bringen, dürfte er es für 200 Dollar behalten. Das ließ sich der Autobegeisterte aus Hohenroda natürlich nicht zweimal sagen. Er klappte die Motorhaube hoch, schnappte sich die Reparaturanleitung und zwei, drei Handgriffe später sprang der Audi vor den Augen des schier fassungslosen Sheriffs an. „Der Schaltplan war falsch vom Deutschen ins Englische übersetzt worden“, erinnert sich Lohrbach.

Der Re-Import

Der Gesetzeshüter war daraufhin derart begeistert, dass er nicht nur die Wette einlöste, sondern seinem Gast später auch tatkräftig dabei half, den Audi in seine Heimat zu verschiffen. Das war seinerzeit nämlich gar nicht so einfach. Unter anderem brauchte das Fahrzeug, das einst für den US-Markt hergestellt worden war, eine Zulassung, „sonst hätte es nicht außer Landes gelassen werden dürfen“, erklärt Sven Lohrbach, der damals noch ein kleiner Junge war und heute ein großer Fan des in der Ausstattung hierzulande seltenen Autos ist.

„Der Stern an seiner Jacke war dabei bestimmt nicht hinderlich“, sagt der 26-Jährige augenzwinkernd. Alles in allem dauerte es schließlich mehrere Monate, bis der Audi per Containerschiff quasi wieder re-importiert wurde und am Hafen in Bremen ankam.

Die Restaurierung

Jörg Lohrbach machte sich daraufhin gleich daran, sein automobiles Schätzchen auf Vordermann zu bringen. Immerhin war der 98-PS-starke Audi lange auf dem Hof des Sheriffs geparkt worden. Jörg Lohrbach zerlegte das Auto komplett, restaurierte es in ungezählten Stunden mit Originalteilen und ließ die Karosserie, die damals noch ceylon-beige-farben war, schwarz lackieren. Dass das US-Auto, das noch über einen originalen 8-Spur-Kassettenspieler (Eight Track Player) verfügt, gut 20 Jahre in Wyoming verbracht hatte, stellte sich bald übrigens als Vorteil heraus: „Dort wird nämlich kein Salz gestreut, deshalb war der Wagen so gut wie rostfrei“, sagt Jörg Lohrbach.

Die heutige Nutzung

Heute nutzen die Lohrbachs ihren Audi, der, wie sie im Nachhinein recherchierten, am 23. April 1975 in Neckarsulm vom Band lief, ausschließlich als Sommerfahrzeug mit rotem Kennzeichen. „Sonst müssten wir unter anderem die Beleuchtung umbauen und den Meilen-Tacho tauschen“, sagt Sven Lohrbach. „Der deutsche Tüv hat da recht klare Vorstellungen.“ Und wenn sie dann mal bei Kaiserwetter zu einer Tour mit ihrem US-Oldie aufbrechen, ernten sie nicht nur von Autokennern anerkennende Blicke, wie sie mit Stolz erzählen. Der Audi 100 LS Fuel Injection aus Wyoming – ein Mitbringsel, das sich gelohnt hat. (Sebastian Schaffner)

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