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Uznamen: Die Strohhäischer von Schenklengsfeld

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Von: Mario Reymond

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Mann mit Strohbündel: Die Schenklengsfelder werden seit Jahrhunderten als Strohhäischer verspottet. An diesen Uznamen erinnert seit 2001 eine Bronzefigur, die direkt gegenüber des Rathauses aufgestellt wurde.
Mann mit Strohbündel: Die Schenklengsfelder werden seit Jahrhunderten als Strohhäischer verspottet. An diesen Uznamen erinnert seit 2001 eine Bronzefigur, die direkt gegenüber des Rathauses aufgestellt wurde. © Ludger Konopka

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern, sind die Spitznamen voller Spott oder Neid. Heute erzählen wir die Geschichte der Laenschelder Strohhäischer.

Schenklengsfeld – Die Bewohner von Schenklengsfeld werden von ihren Nachbarn aus dem Landecker Amt und darüber hinaus schon seit Jahrhunderten als Strohhäischer verspottet. Seit Frühjahr 2001 steht sogar eine mannshohe Bronzefigur direkt gegenüber des Rathauses, die den Strohhäischer symbolisiert.

Docht der Uzname für die Schenklengsfelder lässt sich sogar geschichtlich belegen. Herausgefunden hat all die Hintergründe der Schenklengsfelder „Historiker“ Karl Honikel vor nunmehr fast 25 Jahren bei Besuchen im Marburger Staatsarchiv.

Bei der Einweihungsfeier der Bronzefigur am 20. Mai 2001 erläuterte Honikel, damaliger Vorsitzender des Heimatvereins „Landeck 1953“ Schenklengsfeld, den geschichtlichen Hintergrund dieses Spitznamens.

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts mussten anlässlich der jährlich stattfindenden mehrtägigen Forstbereisung der landesherrlichen Beamten aus Hersfeld die Bauern der umliegenden Dörfer von Schenklengsfeld Stroh und Heu in den Amtsort Schenklengsfeld bringen. Diese Fuhren waren für die Pferde der dort einquartierten Forstbeamten bestimmt.

Im Jahre 1828 jedoch erhoben die Bürgermeister einiger Orte aus dem ehemaligen Landecker Amt – unter anderem aus Ransbach, Wehrshausen, Wüstfeld und Malkomes – jedoch Einspruch beim Kreisrat in Hersfeld und bei der Provinzregierung in Fulda.

Diese Stroh- und Heuabgaben waren Teil einer Natursteuer – und zwar schon seit „Menschengedenken“. Sie mussten daher – ohne jegliche schriftliche oder gesetzliche Grundlage – aus den umliegenden Ortschaften an den Amtmann in Schenklengsfeld geliefert werden.

Nach einigem Hin und Her wurde im Jahre 1829 von der Kassler Regierung verfügt, dass die Heu und Strohlieferungen einzustellen seien. Geblieben ist den „Laenscheldern“ aber bis heute ihr Spottname: Strohhäischer. Und die bronzene Figur, die leicht gebückt mit einem Strohbündel unter dem Arm auf ihrem Podest steht.

Die Idee, die Beschaffung und das Aufstellen des Bronze-Denkmals, geht auf die Initiative des Heimatvereins Landeck zurück, der sich auch um die Finanzierung bemühte. Die Kosten in Höhe von 15 000 Euro wurden aufgebracht durch den Heimatverein Landeck (7000 Euro), die Gemeinde Schenklengsfeld (2800 Euro), die Werbegemeinschaft Schenklengsfeld (1400) Euro und über Spenden engagierter Bürger in Höhe von (3800 Euro).

(Mario Reymond)

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