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Uznamen-Serie: Wehrshäuser werden „Lensebiddel“ genannt

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Selbstgezogene Linsen durften auf dem Wagen der „Lensebiddel“ nicht fehlen.
Selbstgezogene Linsen durften auf dem Wagen der „Lensebiddel“ nicht fehlen. © Werner Kümmel/NH

Fast jeder Ort hat ihn: einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern, sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Die Wehrshäuser werden „Lensebiddel“ genannt.

Wehrshausen – „Lensebiddel“, so nennen sich die Wehrshäuser im Dialekt. Sie erhielten den Namen, der sich auf den Verkauf von Linsen bezieht, durch ihre Nachbardörfer.

Dass dieser Name seinen Ursprung in den Verhältnissen des Bodens dort hat, erklärt Werner Kümmel. Er hat mit einiger Unterstützung die Dorfchronik zur 650-Jahrfeier erstellt.

In der Chronik schreibt er über den Ursprung der Wehrshäuser „Lensebiddel“. Auslöser dafür seien die einst kargen Böden in dem Schenklengsfelder Ortsteil gewesen, erklärt Kümmel. Denn der schlechte Bodenwert habe etwa um das Jahr 1900 dazu geführt, dass nur Linsen ertragreich angebaut werden konnten.

Der feste Lehm- und teilweise sogar Kalkboden konnte laut Kümmel erst später durch modernere Düngemittel und Maschinen aus der Landwirtschaft ausreichend bearbeitet werden. Daher kam mit diesen Neuheiten und der Tatsache, dass die Menschen dort sich die Düngemittel erst dann leisten konnten, ein Wandel.

Zuvor waren die Wehrshäuser mit Körben auf den Rücken durch die umliegenden Dörfer gezogen, um ihre Linsen dort zu verkaufen. Den älteren Einwohnern der Nachbarorte sei diese Bezeichnung auch nach wie vor bekannt, sagt Kümmel.

Linsensuppe für alle: Beim Festumzug im Jahr 1989 zeigten die Wehrshäuser ihren Uznamen.
Linsensuppe für alle: Beim Festumzug im Jahr 1989 zeigten die Wehrshäuser ihren Uznamen. © Werner Kümmel/NH

Im Gegensatz zu den Bad Hersfelder „Mückenstürmern“ oder dem Kathuser „Wilddieb“ gibt es in Wehrshausen keinen Ort, an dem an den Namen erinnert wird.

Doch zum Festumzug der 1225-Jahrfeier Schenklengsfelds vor 33 Jahren, stellten einige Einwohner den Uznamen in den Mittelpunkt: Von einem Handwagen aus verteilten sie Linsensuppe an die Zuschauer. Selbstgezogene Linsenpflanzen sollten den Festwagen zieren.

Doch die gekauften und eingepflanzten Linsen fielen nach anfangs gutem Wachstum einfach um. Rettung kam schließlich von unerwarteter Seite: Unbehandelte Linsen aus der Türkei schufen Abhilfe. Mitgebracht von einem Türken, der das Gespräch über die Linsenpflanzen mitbekommen und geholfen hatte.

In mehreren Bottichen waren die südländischen Linsen-pflanzen dann auf dem Festwagen zu sehen und erinnerten an die „Lensebiddel“.

„Die Erinnerung wird heute weniger“, weiß Kümmel. Den jüngeren Menschen der umliegenden Orte sei der Uzname immer seltener bekannt. In Wehrshausen selbst, so Kümmel, kenne man den Uznamen aber noch – auch unter den jungen Einwohnern.

(Eden Sophie Rimbach)

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