Paar aus Ersrode haben vor 65 Jahren geheiratet

Elisabeth und Paul Witzel: Verliebt beim Tanzabend

176 Jahre alt, 65 Jahre zusammen gelebt: Elisabeth und Paul Witzel haben 1951 geheiratet. Zu den „eisernen“ Hochzeitsgratulanten zählen Sohn Ewald, Tochter Regina, sieben Enkel und die beiden Urenkel Luis und Lilli. Foto: Apel

Ersrode. Allen Grund zu feiern haben in Ersrode im Mühlenweg 1 die Eheleute Paul und Elisabeth Witzel, geborene Lehn. Sie können auf 65 Ehejahre zurückblicken.

Wie so viele andere haben auch sie die Nachkriegswirren zusammengeführt. Der eiserne Bräutigam wurde am 19. März 1930 als jüngstes Kind des Landwirts und Waldarbeiters Adam Witzel und dessen Ehefrau Martha, geborene Schmidt, in Ersrode geboren. Im Dorf an der Beise besuchte er die Volksschule und schon mit 14 Jahren verdiente er im örtlichen Sägewerk sein erstes Geld. „Ich war Hansdampf in allen Gassen“, erzählt er mit berechtigtem Stolz und unter Verweis darauf, dass sich sein erster Stundenlohn auf 19 Pfennige belief.

Die Heimat verlassen

Als ihm später gerade mal 24 Pfennige gezahlt werden sollten – ein älterer Gatterschneider bekam für die gleiche Arbeit 90 Pfennige –, sattelte er um und erlernte in Heinebach bei Reinhard Göbel das Malerhandwerk. Schon nach zwei Gesellenjahren wagte er 1950 den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die eiserne Braut wurde am 11. September 1926 als ältestes von fünf Kindern des Landwirts Johann Lehn und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Schultheiß, in einer kleinen deutschsprachigen Gemeinde in der Nähe von Fünfkirchen (Ungarn) geboren. Wie die meisten anderen Donauschwaben musste sie ihre Heimat 1946 verlassen. Noch genau erinnert sie sich daran, wie sie mit ihrer Mutter und 25 Kindern in einem Güterwaggon unterwegs war, wie gut die eine einzige, auf der Flucht auf einem Ziegelstein gekochte Kartoffelsuppe geschmeckt hat, und wie es alle nach Weißenhasel verschlug. Später erhielt die Familie eine Küche und ein Zimmer auf Schloss Ludwigseck zugewiesen, von wo aus Elisabeth „bei Barons“ im Haushalt half.

Hochzeit mit der Schwester gefeiert

Ein kleines Zubrot verdiente sie sich auch bei der Ersröder Sägewerksbesitzerfamilie George, so dass es „nur eine Frage der Zeit“ war, bis sie bei einem Tanzabend Paul Witzel kennenlernte und vor 65 Jahren heiratete. Das Besondere dabei: Hochzeit feierten die beiden „Eisernen“ zusammen mit Elisabeths Schwester Katharina und Schwager Kristian Becker – und auch später: Bei der Silbernen, Goldenen und Diamantenen Hochzeit gedachte man immer zusammen des gemeinsamen Ehrentages.

Während Paul bis 1969 sein Malergeschäft betrieb und anschließend bei verschiedenen anderen Arbeitgebern tätig war (1990 ging er bei der Bad Hersfelder Babcock-BSH AG in Rente), baute sich Elisabeth im von 1961 bis 1963 größtenteils in Eigenleistung erstellten, neuen Haus der Eheleute einen kleinen Pensionsbetrieb auf. Später arbeitete sie im Rotenburger Kreiskrankenhaus. Ihr größtes Hobby waren die Gartenarbeit und die Blumen: „Dabei konnte ich mich erholen, und es hat mich natürlich gefreut, wenn unsere Gäste meine schönen Fuchsien-Stämme bewundert haben.“ Geselligkeit erlebte sie im Landfrauenverein, dem sie lange Jahre angehörte. Paul engagierte sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei der von ihm mitgegründeten örtlichen Gefriergemeinschaft, und zeitweise war er auch Sänger.

Reisen gegönnt

Gerne denken der bis heute rüstige Jubilar und die in letzter Zeit gesundheitlich angeschlagene Jubilarin, deren Lieblingsgericht gefüllte Paprika sind, an ihre Ungarn-, Nordamerika- und Nordkap-Reisen zurück. „Die haben wir uns trotz aller Sparsamkeit gegönnt“, unterstreicht Paul, und nachdenklich fügt er hinzu: „Manchmal frage ich mich allerdings, wie wir das alles nur geschafft haben.“

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