Viel mehr als nur Sex: Kabarettistin Martina Brandl lästerte in Ellis Saal

Hatten mit Kattis Geburtstagsgeschenk zum Vierzigsten jede Menge Spaß in Ellis Saal: von links Martina Göbel, Andrea Bock, Katja (Katti) Taubert, Martina Brandl, Melanie (Melli) Hummel und Alex Bolender. Die Hauptprotagonistin wird dabei sicherlich auch verschmerzt haben, dass ihr Berliner Starfriseur Gary ihr ihre „dicken“ Haare immer so hoch hebt, als wolle er die Berliner Philharmoniker dirigieren (rechtes Foto). Fotos: Apel

Weiterode. Nicht nur Katti und ihren Unterhauner Freundinnen gefiel es am Samstagabend super gut in Ellis Saal. Martina Brandl, die berlinernde Schwäbin aus Geislingen an der Steige, parlierte und dozierte zum Thema Nummer 1.

Überschrieben war ihr Programm mit „Irgendwas mit Sex“. Was die Kleinkunstpreisträgerin bei ihrem Pointenfeuerwerk zum Besten gab, war jedoch weit mehr als nur Schlüpfriges und Zotiges, manchmal auch sehr Direktes. Mitunter war es eine gesellschaftskritische Bestandsaufnahme all dessen, was man (und vor allem frau) sich heutzutage leistet - und was man so nicht unbedingt gutheißen muss.

Von Beginn an kokettiert die Kabarettistin und Sängerin mit ihrem bereitwillig mitgehenden „überdurchschnittlichen“ Publikum. Sie erzählt von sich selbst und lästert über das gebührenfinanzierte, „ordentliche“ Fernsehen: „Wie kommen die nur auf 17,50 Euro? Für Markus Lanz müssten die mir zehn Euro zurücküberweisen!“ Gott sei Dank gibt es noch Elite-Partner und den liebevoll putzenden Reiner, der sogar Ficus-Blätter abstaubt: „Reiner, du hast dich in mein Herz geputzt!“ So gut, dass Martina Brandl ihn besingt. Und alle singen mit.

Das große hungern

Und alle lachen mit, wenn sie Frauen aufs Korn nimmt, die schlank sein wollen wie Karl Lagerfeld, „der sich mit über 80 in Hosen hungert, die er als 13-Jähriger getragen hat“ - und Frauen, die sich Fingernägel zum Fächeln anschweißen lassen: „Wenn man mit denen Sex hat, dann ist das wie Sex mit Beschneidung!“ Sie gibt sich als die, die „vom Beauty-Wahn die Schnauze voll“ hat, und die sich stattdessen mit den Wechseljahren („Wechseljahre sind keine Herrenjahre!“) und dazu passenden Songs beschäftigt: „Winds of Change“ oder „Atemlos durch die Nacht, weil die Hitze mich fertig macht…“.

Der Selfie-Stick-Wahn

Sie geißelt den Smartphone- und Selfie-Stick-Wahn („Der Krückstock der Handy-Süchtigen“) und beklagt, dass alles Mögliche gepostet und geteilt wird: „Während sich die einen im Bett vergnügen, können die anderen ‚Gefällt mir!’ klicken!“

Nach der Pause macht sich die in derselben vom Mickey-Mouse-T-Shirt ins kleine Schwarze geschlüpfte Blondine über das Gehabe der Frauen beim Friseur und die Ansprüche von jungen Mädchen und vollbärtigen Jungs lustig: „Da spürst du nur noch Gesichts-Flokati!“ Herrlich frech, witzig - und gekonnt auf das Auditorium eingehend, in dem die zehn, im Verlauf des Abends immer lustiger werdenden Unterhaunerinnen sitzen, die ihrer Freundin Katti zum Vierzigsten Unterhaltung mit Martina Brandl geschenkt haben.

Altersweisheiten

Als Zugaben gibt’s den von der Geislinger Bahnfahrerin auf einer Ukulele begleiteten, mit „Altersweisheiten“ gespickten neuen Song „Ich kann keine lustigen Sachen mehr singen“ und eine Parodie auf „Don’t Cry for Me, Argentina“: „Schenkt mir nie mehr Auberginen! Ich ess auch sehr gern Pralinen!“ Köstlich und - wie alles - verdammt gut.

Die 50-Jährige kann sich dem nicht enden wollenden Applaus in Ellis Saal nur durch Flucht zu ihrem CD-Stand entziehen.

Worüber die Zuschauer lachten, lesen Sie in der gedruckten Montagausgabe und im E-Paper unserer Zeitung.

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