46-Jähriger Rotenburger schlug Freundin - Amtsgericht: acht Monate auf Bewährung

Viele Tränen im Gerichtssaal

Rotenburg. Das Amtsgericht Rotenburg sieht es als erwiesen an, dass ein 46 Jahre alter Mann seine 23 Jahre alte Freundin während eines Streits mit einer schweren Kette auf die Schulter geschlagen hat. Daher verurteilte eine Strafrichterin den mehrfach vorbestraften Rotenburger zu acht Monaten Freiheitsstrafe. Diese wird gegen Auflagen auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Darüber hinaus muss der Mann, der gerade eine Alkoholentgiftung hinter sich hat, 200 Euro Strafe zahlen.

Die Schilderungen des Angeklagten und des Opfers während der Verhandlung am Montag waren widersprüchlich. Die 23-jährige Schülerin war zur Aussage verpflichtet worden, nachdem sie bei dem vorigen Gerichtstermin dieselbe verweigert hatte. Ein wenig zittrig schilderte sie einen Streit am 24. Mai 2009, der eskaliert sei. Sie habe ihre Sachen aus der Wohnung, in der sie mit dem 46-Jährigen lebte, herausholen wollen. In diesem Moment habe er sie im Schlafzimmer von hinten mit einer schweren Kette attackiert und an der Schulter verletzt.

Tränen während der Aussage

Die beiden hätten geschrien, sich gegen die Wand geschubst. An weitere Schläge und Tritte, welche die Zeugin der Polizei am Tag nach der Tat berichtet hatte, könne sie sich nicht mehr erinnern. Während ihrer Aussage fuhr die Frau sich immer wieder durch die Haare und fing schließlich an zu weinen. „Ich weiß doch, dass er ein herzensguter Mensch ist, wenn er keinen Alkohol trinkt“, schluchzte sie. Mittlerweile sind die beiden wieder ein Paar.

Der Angeklagte, der von Hartz IV lebt, da er wegen einer Krankheit arbeitsunfähig ist, bestritt in seiner Aussage, dass er mit einem Gegenstand auf seine Freundin losgegangen sei. „So etwas habe ich noch nie gemacht - weder gegen ein Tier noch gegen einen Menschen“, sagte er und schüttelte vehement den Kopf.

Da sich die Zeugin lediglich an einen Schlag mit Kette erinnern konnte statt an mehrere, ließ das Gericht zwei Anklagepunkte wegen gefährlicher Körperverletzung fallen. Einmal sahen es Staatsanwältin wie Richterin jedoch als erwiesen an. Dass die erteilte Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung von acht Monaten zur Bewährung ausgesetzt wurde, räumte die Richterin ein, allerdings „mit Bedenken“. Schließlich war der 46-Jährige ehemalige Drogenabhängige gerade auf Bewährung wegen eines Diebstahls 2007. Hinzu kommt eine 16 Punkte lange Vergehensliste im Bundeszentralregister.

Suchtberatung als Auflage

Daher legte das Gericht für den Angeklagten, der die Urteilsverkündung scheinbar achtlos über sich ergehen ließ, bestimmte Auflagen fest. So muss er monatlich die Ergebnisse eines Drogentests wie auch Nachweise vorlegen, dass er die Suchtberatung in Anspruch nimmt. „Ich hoffe, dass der Druck jetzt ausreicht, um ihn von weiteren Taten abzuhalten“, sagte die Strafrichterin abschließend.

Von Judith Strecker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.