Glücksspiel ist im Kreis auf dem Vormarsch - Spielsucht auch

Vier Millionen Euro an Automaten verzockt

Hersfeld-Rotenburg. Glücksspiel rückt in Richtung Mitte der Gesellschaft: Immer häufiger überschreiten Menschen die Hemmschwelle, die Spielhallen im Kreis zu besuchen. Rund 4,3 Millionen Euro fielen innerhalb des vergangenen Jahres durch die Schlitze der Spielautomaten Bad Hersfelds, Bebras und Rotenburgs.

„Die Summe, die Menschen in Geldspielautomaten stecken, hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt“, berichtet Christina Heimeroth vom Diakonischen Werk Hersfeld-Rotenburg, das vom Land Hessen mit der Beratung von Spielsüchtigen im Kreis betraut wurde. Jedes zweite Jahr wertet die Hessische Landesstelle für Suchtfragen diese Daten aus.

Im Gleichschritt mit den Spieler-Aufwendungen stieg die Zahl der Spielhallen und der darin stehenden Geräte. 13 Spielhallen-Konzessionen mit 93 Automaten in den drei genannten Städten im Jahr 2000 stehen heute 184 Geräte gegenüber.

Christina Heimeroth von der Suchtberatung sieht mehrere Gründe für den regelrechten Spielhallen-Boom: Spielhallen hätten ihren Schmuddel-Charakter abgeschüttelt und seien gleichzeitig anonymer geworden. Dass sich das Problem verschärft, registriert auch die kreisweite Beratungsstelle: Suchten im Jahr 2008 15 Spielsüchtige Beratung beim Diakonischen Werk, waren es zwei Jahre später 42. „Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass sich die neue Beratungsstelle etablieren musste“, sagt Christina Heimeroth.

Erst seit 2001 ist Spielsucht als Krankheit anerkannt. Die Dunkelziffer der Betroffenen im Kreis schätzt die Suchtberaterin Heimeroth sehr hoch ein: „Spielsucht ist sehr schambehaftet“, erklärt sie, „nicht zuletzt weil die Gesellschaft oft verleugnet, dass Spielen eine Krankheit ist.“ Die Suchtberatungsstelle wagt eine vorsichtige Schätzung: Mindestens 300 Spielhallengänger im Kreis seien abhängig.

Zum Tage, Seite 7

Von Pia Schleichert

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