Wahl des Ersten Kreisbeigeordneten

Vize-Landrat in Hersfeld-Rotenburg: Noch kein Gegenkandidat zu Grundwald in Sicht

Will Erster Kreisbeigeordneter in Hersfeld-Rotenburg werden: Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Ein Gegenkandidat ist noch nicht in Sicht, Amtsinhaberin Elke Künholz ist noch bis Ende des Jahres Vize-Landrätin.
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Will Erster Kreisbeigeordneter in Hersfeld-Rotenburg werden: Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Ein Gegenkandidat ist noch nicht in Sicht, Amtsinhaberin Elke Künholz ist noch bis Ende des Jahres Vize-Landrätin.

Der erste Kandidat hat sich aus der Deckung gewagt: Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) will Vize-Landrat werden. Was sagen die Kreistags-Fraktionen zu der Bewerbung?

Hersfeld-Rotenburg – Die Amtszeit von Elke Künholz (SPD) als Erste Kreisbeigeordnete, die sich 2009 gegen 15 andere Bewerber durchgesetzt hat und 2015 wiedergewählt wurde, läuft Ende des Jahres ab. Der CDU-Kreisvorstand hatte am Montagabend einstimmig für Grunwalds Kandidatur votiert, die Fraktion trifft sich in den kommenden Tagen. Gibt es schon Gegenkandidaten aus den anderen Fraktionen des Kreistages? Wir haben bei allen Parteien im Parlament nachgefragt.

SPD: Es besteht überhaupt kein Grund zur Eile

Die Sozialdemokraten möchten sich noch nicht aus der Reserve locken lassen. „Ich werde mich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu möglichen Kandidaten erklären“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Fehr, der betont, dass aus formellen Gründen ohnehin erst ein sogenannter Wahlvorbereitungsausschuss gebildet werden müsse, der die Anforderungen für die Nachfolge von Elke Künholz festlegt. Fehr kündigt an, dass seine Fraktion in der nächsten Kreistagssitzung beantragen werde, dass der Hauptausschuss die Wahl vorbereiten soll. Der 65-Jährige geht davon aus, dass das Parlament dann im September über den neuen Vize-Landrat abstimmen wird. „Es besteht also überhaupt kein Grund zur Eile, wir haben noch drei Monate Zeit“.

Grüne: Vize braucht breiten Rückhalt im Parlament

Bevor sich die Grünen festlegen, wie sie mit der Kandidatur Christian Grunwalds umgehen, „wollen wir erst mal mit der Fraktion und den Mitgliedern sprechen“, so die Fraktionsvorsitzende Kaya Kinkel am Dienstag. Eine Entscheidung soll aber noch vor den Sommerferien fallen. „Tendenziell“, sagt die Landtagsabgeordnete aus Wildeck, „werden wir aber keine Gegenkandidatin und keinen Gegenkandidaten aufstellen“. Grundsätzlich erhofft sich die 33-Jährige einen Ersten Kreisbeigeordneten, der – oder die – vom inhaltlichen Profil einen möglichst breiten Rückhalt im Parlament hat. „Da wir im Kreistag keine klassischen Koalitionen haben, ist das natürlich eine besonders spannende, aber auch etwas unsichere Angelegenheit.“

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AfD: „Wir hätten ehrlich gesagt null Chancen“

Die AfD wird voraussichtlich keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. „Es sieht im Moment zumindest nicht danach aus. Wir hätten ehrlich gesagt auch null Chancen“, so Dr. Kurt Gloos. Wie sich seine Fraktion bei der Wahl zum Vize-Landrat verhalten wird, wolle er bei der nächsten Fraktionssitzung Anfang Juni besprechen. „Vielleicht gibt es bis dahin ja auch noch einen anderen Kandidaten“, sagt der 64-jährige Fraktionschef.

UBL/Bürger-Herz: Personalie ist noch nicht im Fokus

Auch UBL/Bürger-Herz plant nicht mit einem eigenen Bewerber, wie Fraktionsvize Tim Schneider mitteilt. Wie sich die neue Liste im Parlament bei der Wahl verhalten wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. „Für unsere Fraktion kommt die Personalie zur Beratung auf die Agenda, wenn das Bewerbungsverfahren startet. Aktuell ist das noch nicht im Fokus“, so der 41-Jährige.

FDP: Grunwald ist ziemlich früh dran

FDP-Chef Bernd Böhle zeigt sich indes überrascht von Grunwalds Bewerbung – weil er aus seiner Sicht ziemlich früh dran sei. „Der Zeitpunkt ist verwaltungstechnisch schon sehr seltsam und ungewöhnlich, da zunächst der Wahlvorbereitungsausschuss einzurichten ist, der die fachlichen Anforderungen und Qualifikationen für die Stellenausschreibung des Ersten Kreisbeigeordneten erst einmal festlegen muss.“ Sobald dieser Ausschuss die Bewerbungskriterien festgelegt habe, wollen die Liberalen mit den anderen Fraktionen besprechen, „welche Bewerberin oder welcher Bewerber sowohl die fachlich notwendige Eignung für dieses Amt als auch die aussichtsreichsten Chancen für eine fraktionsübergreifende Mehrheit im Kreistag besitzt, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht“, so Böhle.

Freie Wähler: Wollen Option für eigenen Kandidaten nicht ausschließen

„Ich habe die Nachricht gerade erst in der Zeitung gelesen“, sagt Hans Georg Vierheller, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Konkret äußern wolle er sich deshalb noch nicht zur Kandidatur des Rotenburger Bürgermeisters. „Ich kenne ihn aus dem Kreistag und kann nichts Negatives über ihn sagen“, so der 73-Jährige. Die Option, dass die Freien Wähler selbst einen Kandidaten ins Rennen schicken, wollte Vierheller nicht ausschließen. „Wir haben nächste Woche Vorstandssitzung und werden dann über alles sprechen.“

Die Linke: Überraschung über Grunwald-Kandidatur

Die Linke, die nur noch mit Hartmut Thuleweit im Parlament vertreten ist und keinen Fraktionsstatus mehr hat, hat nach eigenen Angaben mit Erstaunen auf die Kandidatur Grunwalds reagiert. „Dass die CDU einen Kandidaten aufstellt, wo sie doch eigentlich gar nicht mehr so stark im Kreistag vertreten ist, überrascht mich schon“, so Thuleweit. Was das für seine Wahl heißt, vermag er noch nicht zu sagen. „Dafür ist es jetzt noch zu früh.“ Nur so viel: „Die Linke wird keinen Kandidaten aufstellen.“ (Sebastian Schaffner)

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