Tag des Handwerks

Vollholz Viereck aus Heinebach ist Spezialist für Überdachungen

Seltener Anblick in der Produktionsstätte: Hauptsächlich arbeitet Eugen Penner im Büro. Dort kümmert er sich um die Kundenbetreuung, darunter Angebote und Rechnungen, die Zeichnung und Planung.
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Seltener Anblick in der Produktionsstätte: Hauptsächlich arbeitet Eugen Penner im Büro. Dort kümmert er sich um die Kundenbetreuung, darunter Angebote und Rechnungen, die Zeichnung und Planung.

Mit bewährten Maschinen stellt Vollholz Viereck Überdachungen, Carports und Wintergärten her. Wie der Computer die Arbeit unterstützt, erklärt der Geschäftsführer.

Heinebach – Die Terrassenüberdachung ist fertig, bevor sie montiert ist. Das könnte man meinen, wenn man Eugen Penner über die Schulter schaut. Nahezu fotorealistisch schmiegt sich die zu bauende Überdachung an das Haus des Kunden – vorerst nur auf dem Computerbildschirm.

Was vor nicht allzu langer Zeit der Traum vieler Eigenheimbesitzer war – eine präzise Vorschau ihres Bauvorhabens – das verwirklicht Eugen Penner heute ohne großen Aufwand.

Eugen Penner ist seit 1. März Geschäftsführer von Vollholz Viereck. Die Firma in Heinebach hat sich auf die Anfertigung von Überdachungen und die Dämmung mit Zellulose („Isofloc“) spezialisiert.

Auf ein spezifisches Handwerk lässt sich die Firma laut Aussage ihres Geschäftsführers nicht festlegen. „Wir sind eine Mischung aus Tischlerei und Zimmerei.“ Eine typische Möbelschreinerei sei man aber nicht. „Wir verwenden dicke Balken, bei uns gibt’s nichts Filigranes“, so Eugen Penner.

Das Geschäft läuft gut: Immer mehr Kunden verlangen Carports für ihre Wohnmobile

Jeder Morgen im Betrieb beginnt am Werkstatt-Tisch mit einer Tasse Kaffee. „Wir sind mehr oder weniger eine Family“, sagt Eugen Penner. Abends gönnen sich der Geschäftsführer, seine drei Gesellen und sein Auszubildender auch mal ein gemeinsames Feierabendbier.

Zum Feiern gibt es allen Grund. „Das Geschäft läuft sehr gut, besonders die letzten zwei bis drei Jahre“, sagt Eugen Penner. Er führt das auch auf Corona zurück. Die Kunden würden nicht in den Urlaub fahren und stattdessen in ihr Eigenheim investieren.

Auch bei Carports gebe es einen regelrechten Boom. Spezialanfertigungen für Wohnmobile bringen mittlerweile viel ein.

Ich zahle lieber mehr und kann durcharbeiten, als dass ich meine Mitarbeiter mangels Holz nach Hause schicke.

Eugen Penner

Eugen Penner ist schon über 20 Jahre Teil des Betriebs

Eugen Penner machte 2016 seine Meisterprüfung und hat die Geschäftsführung von Vollholz Viereck dieses Jahr von Norbert Viereck übernommen, dem Enkel des Firmengründers. Der 44-Jährige arbeitet seit 1998 in der Firma. Zuvor hat er von 1994 bis 1997 eine Lehre in Mörshausen (Spangenberg) bei der Schreinerei Spitze zum Tischler absolviert.

Gebürtig stammt Eugen Penner aus Orenburg in Russland. Da er schon in der Schule Deutsch lernte und mit seinen Eltern Plattdeutsch sprach, merkt man ihm seinen Hintergrund nicht an.

So wird’s mal aussehen: Für seine Kunden fertigt Eugen Penner auch 3D-Visualisierungen an.

Mit 3D-Zeichnungen lassen sich Planungsfehler vermeiden

Neben seinem kommunikativen Geschick helfen ihm auch die Visualisierungen aus dem Computer. Mit ihnen lassen sich Planungsfehler vermeiden. „Viele Kunden können sich das Endergebnis nicht vorstellen. Da hilft es, wenn ich ihnen vorher ein PDF mit einem Bild schicke“, berichtet Eugen Penner.

Während sich der Beruf auf der handwerklichen Ebene kaum geändert habe („Wir arbeiten mit 30 Jahre alten Maschinen“), habe die Digitalisierung vor allem in der Verwaltung Einzug erhalten. Neben den 2D- und 3D-Visualisierungen, die der Geschäftsführer am Computer erstellt, habe auch die Buchhaltung von der Digitalisierung profitiert. „Wir bestellen unsere Ware heute nur noch übers Internet und auch der Kontakt mit den Kunden findet immer öfter per E-Mail statt.“

Das Spezialgebiet der Firma: Terrassenüberdachungen, wie hier an einem Haus in Breitenbach.

Trotz hoher Holzpreise ist noch kein Kunde abgesprungen

Herausforderung für den Betrieb ist der hohe Holzpreis. „Holz ist seit März/April doppelt so teuer wie sonst“, erklärt Eugen Penner. Auch andere Rohstoffe wie Glas und Aluminium haben sich verteuert.

„Trotzdem ist bis heute kein Kunde wegen des höheren Preises abgesprungen.“ Hier zähle, den Kunden ehrlich zu vermitteln, wie sich die Kosten zusammensetzen. „Am Ende steigen die Preise aber für alle Handwerksbetriebe.“ So habe keiner einen Vorteil.

Trotz des hohen Preises hat sich Eugen Penner erst vor Kurzem sein Holzlager gefüllt. „Ich zahle lieber mehr und kann durcharbeiten, als dass ich meine Mitarbeiter mangels Holz nach Hause schicke.“

Neue Mitarbeiter zu finden sei dagegen nicht leicht. „Wenn sich jemand Gutes bewirbt, nehmen wir den natürlich“, sagt Eugen Penner. Die Lage sei jedoch im ganzen Handwerk angespannt. Für die Betriebe ist es schwierig, Gesellen und Auszubildende zu finden. Neben Lust und Ausdauer seien Kreativität und handwerkliches Geschick gefragt. (Paul Bröker)

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