Überraschende Wendung im Prozess

Vom Heroin-Dealer zum Krankheitsfall: 34-jähriger Hersfelder vor Gericht

Bad Hersfeld. 15 Vorstrafen brachte ein 34-jähriger Hersfelder mit, als er sich am Mittwoch wegen 20-fachen Drogenhandels mit Heroin und des Besitzes einer nicht geringen Menge Cannabis vor dem Schöffengericht des örtlichen Amtsgerichts verantworten musste.

Aus dem Kriminalfall wurde im Laufe des Prozesses jedoch in wesentlichen Teilen eine Krankheitsgeschichte, die mit einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren endete, die noch dazu für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Seit 20 Jahren ist der Fach-Lagerist suchtkrank. Er war zunächst heroinabhängig und nimmt aktuell am Methadonprogramm teil. Der 34-Jährige ist vor Kurzem Vater geworden und hat eine feste Arbeitsstelle. Seit Mitte 2016 ist er nicht mehr straffällig geworden.

Die 102 Gramm Cannabis, die bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden wurden, dienten wohl dem Eigenverbrauch, weil die Dosierung des Heroin-Ersatzes Methadon zunächst nicht funktionierte.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Krusche sah trotz der glaubhaft dargestellten Suchtkrankheit keinen minderschweren Fall. Die juristisch relevante „nicht geringe Menge“ des sichergestellten Rauschgifts und die Vielzahl der Vorbelastungen sorgten für ein Urteil, das nur zwei Monate unter dem Antrag von Staatsanwältin Gerbig lag. Verteidiger Hans J. Hauschild hatte acht Monate für ausreichend gehalten. Als Auflage wurden 1000 Euro Buße verhängt.

Die Vorwürfe des Drogenhandels, die der Hersfelder rundweg bestritt, wurden allesamt eingestellt. Der dafür vorgeladene Zeuge konnte sich zum einen nicht mehr richtig erinnern und wollte sich zum anderen nicht selbst belasten. Er habe seinerzeit bei der Polizei zu allem Ja und Nein gesagt, bekannte der 40-Jährige, der bis heute unter den Folgen von Schlaganfall und Koma leidet. (ks)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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