Horst Becker hat 15.000 Kilometer geschafft

Immer am Fluss lang: Heinebacher radelt durch Deutschland

Das Bild zeigt den Radfahrer Horst Becker auf einem Radweg. Daneben steht ein Ortsschild mit der Aufschrift Zwenzow. Gemeinde Userin, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.
+
Unterwegs: Zwenzow ist ein Ortsteil der Gemeinde Userin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit etwa 100 Einwohnern und liegt direkt am Nordufer des Großen Labussee, angrenzend an den Müritz-Nationalpark.

Immer am Fluss lang: In 25 Jahren ist Horst Becker aus Heinebach 15 000 Kilometer durch Deutschland geradelt.

Heinebach - Horst Becker verfolgt mit seinen Radtouren seit 20 Jahren auch ein Ziel: Er wollte alle deutschen Flüsse ab 100 Kilometer Länge abradeln, von der Quelle bis zur Mündung. Wenn er am 27. April seinen 60. Geburtstag feiert, dann hat er es geschafft. Denn drei Tage vorher, am 24. April, startet er seine letzte Fluss-Tour von Halle nach Heinebach. 360 Kilometer sind das – 100 Kilometer pro Tag, schätzt er, weil er es „gemütlich angehen“ lassen möchte.

Das klingt bei Horst Becker weder überheblich noch selbstdarstellerisch. Der sympathische Großhandelskaufmann mit dem feinen Sinn für Humor muss selbst manchmal schmunzeln über seinen Ehrgeiz und seine Systematik, mit der er fünf- bis sieben Mal pro Jahr zu diesen Fluss-Touren mit dem Fahrrad gestartet ist. „Ich habe mich oft, wenn ich nachts mit dem Auto losgefahren bin, gefragt: Was machst du da eigentlich?“. Doch sobald er angekommen war und auf seinem Trekkingrad saß, wusste er, warum. Wenn ein Tretrhythmus gefunden ist, der Wind die Nase umspielt und sich der Blick gen Horizont richtet, setzt ein entschleunigter, fast meditativer Zustand ein. Dabei spiele es keine Rolle, welche Route man von Nord nach Süd, West nach Ost oder umgekehrt wählt. Der Weg sei das Ziel, das gilt besonders auf einer solchen Fluss-Tour. Falls Hotels oder Ferienwohnungen wegen Corona noch geschlossen sein sollten, hofft Horst Becker, dass Freunde oder Bekannte ihm zwischen Halle und Heinebach ein Bett zur Verfügung stellen. Wichtig sei die Kondition. Und die hat der ehemalige aktive Fußballer. Über 20 Jahre spielte er bei der SG Heinebach-Osterbach. Als 35-Jähriger hatte er mit zwei Freunden die Idee, sportlich mal andere Wege zu gehen. Die erste Tour führte das Trio von Passau nach Wien. 400 Kilometer.

Für die erste und letzte Station wurden Zimmer gebucht. In Wien nahmen Silke Becker und die anderen Ehefrauen ihre Männer in Empfang. Als bei Horst Becker mit 40 Jahren die Idee der Fluss-Touren entstand, wechselten die Mitradler. Zwischendurch fuhr er auch schon mal allein. Aber nicht immer mit einem guten Gefühl. „Bei der Fahrt entlang der Spree zum Beispiel ging es weite Teile durch Feld und Wald. Da gibt es keinen Handy-Empfang. Und allein kann einem schon manchmal mulmig werden“, sagt der Mann, dessen erstes Rad 198 Mark kostete. Seit zwei Jahren fährt ein ehemaliger Arbeitskollege mit.

Es habe in den vergangenen 25 Jahren gute Begegnungen mit besonderen Menschen gegeben und viele beeindruckende Impressionen vom touristisch attraktiven Deutschland. Bei der Fahrt entlang der Ems lag zum Beispiel die Meyer-Werft in Papenburg auf dem Weg. Und an der Werra wurden die Fluss-Radler in die Welt des weißen Goldes im Bergwerk Merkers entführt.

Auf dem Donauradweg, etwa 20 Kilometer hinter dem Zusammenfluss von Brigach und Breg in Donaueschingen, staunte Horst Becker: Plötzlich ist die Donau wie vom Erdboden verschwunden. „Es erscheint fast unglaublich, aber auf einer Strecke von etwa 200 Metern gibt es immer weniger Wasser, und zuletzt bleibt nur noch ein trockenes Flussbett übrig“.

Vorbereitet und inspiriert für seine Touren hat sich Horst Becker anhand von 28 Bikeline-Radtourenbüchern. Darin werden Strecken beschrieben, Adressen für Übernachtungsmöglichkeiten genannt und Tipps zu Ausflügen gegeben.

Zum 60. Geburtstag wünscht sich Horst Becker ein E-Bike. Damit möchte er gerne mit Freunden die schönsten Touren noch einmal nachfahren. Langsam und gemütlich. Denn Rennen fahren, war seine Sache nie.

Der Startpunkt: Vom Bahnhof Heinebach aus bricht Horst Becker zu seinen Flüsse-Radtouren auf.

Von Susanne Kanngieser

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.