Handeln, entspannen, staunen

Von Schelmen und Puffern: Der Kuckucksmarkt in Braach

+
Leckerer Käse aus Rotenburg: Die Praktikantinnen Maike Adam (links) und Annafilha Bauer aus Marburg sind Schülerinnen der Waldorfschule und absolvieren ein Praktikum in Rotenburg. Ebenfalls auf dem Bild Klaudia Al Samarraeis Mutter Resemarie Knierim (81).

Braach. Es weht ein laues Lüftchen über die Felder neben dem Kuckucksmarkt in Braach und die Ähren rascheln ein wenig im Wind. Zwischen den mittlerweile über 90 Ständen herrscht buntes Treiben.

Hier und da wird verhandelt, manch einer trifft die Entscheidung, ob der neue Korb aus gesottener oder naturbelassener Weide sein soll. Andere entspannen bei einem kühlen Bier und den traditionellen Kartoffelpuffern. Der Markt entschleunigt und die Seele kommt ein wenig zur Ruhe – so fühlt es sich jedenfalls an.

Handverlesen seien die Stände und Verkäufer, erklärt Hendrik Gerlich zweiter Vorsitzender des Kuckuckmarktvereins: „Wichtig ist uns dabei vor allem, dass ein Handwerk dahintersteckt“.

Der Kuckucksmarkt ist eine bekannte Größe in unserer Region und darüber hinaus. Das Einzugsgebiet von Besuchern und Ausstellern ist enorm. Einige der Ständebetreiber reisen von über 100 Kilometern Entfernung an.

Sorgt für Schärfe: Messermacher Daniel Herold (47) aus Meinhard-Grebendorf.

In diesem Jahr wurde der Festzeltboden erneuert. Der Untergrund wurde in Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Stadt Rotenburg gepflastert. Außerdem wurde durch Zukauf das Zelt auf 21 Meter erweitert.

Scharfer Schelm trifft Upcycling

Wer an Worte wie „Schelm“, „Bengel“ oder „Schlingel“ denkt, dem fallen eher freche Dreikäsehoch ein, statt leckerer Ziegenkäse. Doch am Stand der Rotenburger Hofkäserei von Klaudia Al Samarrei wird die Kreativität der Namensgebung nur noch vom Geschmack des Käses übertroffen. Der „scharfe Schelm“ ist ein Frischkäse mit hausgemachter Chilizubereitung. Der Schlingel ist ein Schmelzkäse und der Bengel wohnt nicht in der Nachbarschaft, sondern ist ein Schnittkäse in verschiedenen Variationen.

Schon mal vom Begriff „Upcycling“ gehört? Viele kennen es bei Möbeln – wenn etwas Ausgedientem mit einer Menge Einfallsreichtum wieder neues Leben eingehaucht wird. Daniel Herold aus Meinhard-Grebendorf haucht leidenschaftlich, mit viel Ruhe und Hingabe, altem Stahl und alten Klingen neues Leben ein. Daraus entstehen einzigartige Messer. Vom klassischen „Knippchen“ bis hin zum großen Handmesser. Jedes Stück ein Unikat, ob Klinge oder Griff. Manche davon sogar ein aufbereitetes Stück Geschichte und beinahe 100 Jahre alt. Deutschlandweit sei er einer von zwei Messermacher, die „Upcycling“ in großer Stückzahl betreiben, erklärt Herold.

Ein Traktor zur Familiengeschichte: Gerhard Gogolin mit Tochter Jana aus Braach auf ihrem Schlüter AS160. 

Eine schönes Stück Geschichte befindet sich auch im Besitz der Familie Gogolin aus Braach. Seit 1961 befindet sich ein „Schlüter AS160“ Traktor im Familienbesitz. Zugelassen wurde das 15-PS-starke Gefährt im Jahr 1959. Gerhard Gogolin bekam den Traktor von seinem Vater: „Da hängen viele Kindheits- und Jugenderinnerungen dran. Er war einfach immer da“, erzählt Gogolin. Sein Sohn Jonas, der gerade den Führerschein bestanden hat, hatte seine ersten Fahrstunden mit dem Traktor auf den familieneigenen Feldern. Die treue Maschine ist nach wie vor im Einsatz, und wird gut gepflegt. Mit etwas Glück können vielleicht auch die Enkelkinder von Gerhard Gogolin ein paar Fahrstunden auf diesem Oldtimer bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.