Mit Kuhlenkampff und anderen Promis

Vor 60 Jahren kam der "Kulturwecker" aus Bebra

Wimpeltausch: Oberamtmann Karl Collmann, der sich beim Spiel den Arm auskugelte, und rechts HR-Programmdirektor Hans Otto Grünefeldt, ganz rechts Conferencier Otto Höpfner.

Bebra. 6.30 Uhr am Samstag: Der frühe Morgen konnte 1000 Menschen aus der Region nicht abhalten, in die Bebraer Turnhalle zu strömen und dort live den „Frankfurter Wecker“ des Hessischen Rundfunks zu erleben.

Unter dem Motto „Mit Musik und Humor ins Wochenende“ konnte das Publikum am 18. Mai 1957 die Kultsendung des Hörfunks in der eigenen Stadt nicht nur hören, sondern auch sehen. Otto Höpfner, der bekannte Hörfunk- und Fernsehmoderator, erster Wirt der Sendung „Zum Blauen Bock“, war damals als Conferencier für die „Ansage“ zuständig, es spielte das Tanzorchester des HR unter Willy Berking, und als Solisten traten die 20-jährige Wiener Schauspielerin und Sängerin Evi Kent, der Country- und Pop-Sänger Jost Wöhrmann („Wenn es Nacht wird in Montana“), Friedel Hensch mit ihrer Schlagerband Cyprys (zum Beispiel 1963 „Als Oma noch kniefrei ging“) auf – allesamt Größen aus dem Showgeschäft vor 60 Jahren.

Anstoß: Sängerin Evi Kent tritt gegen den nagelneuen Ball und eröffnet damit das Prominentenspiel – Hans-Joachim Kulenkampff schaut zu.

Doch das war noch nicht das ganze Ereignis. Am Nachmittag ging es um 17 Uhr weiter mit einem „Fußball-Großkampf“ auf der Biberkampfbahn, die von den Radioleuten als Stadion bezeichnet wurde, was man vor Ort mit einem Lächeln bedachte. Die Einnahmen des Spiels, das 4000 Menschen verfolgten, kam den städtischen Sportanlagen zugute. Es wurde wirklich gespielt und nicht nur ein wenig gekickt, hieß es damals im „Fulda-Boten“.

Dass kein Platz mehr frei blieb, lag natürlich auch an den Fußballern. Dazu gehörten nicht nur die lokale Prominenz, sondern auch Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff oder der bekannte Moderator Otto Höpfner. Als Schiedsrichter waren der Bebraer Bürgermeister Adolf Birkelbach und Willy Berking am Platz.

Frühmorgens in der Bebraer Turnhalle: Moderator Otto Höpfner, HR-Fernseh-Programmdirektor Hans Otto Grünefeldt, Maria Mucke und Evi Kent, beide Schlagersängerinnen. Fotos: Stadtarchiv Bebra

Der Eintritt war nach heutigen Maßstäben moderat: Eine Mark zahlten Erwachsene, Versehrte, Rentner und Schüler 50 Pfennige.

Hintergrund

Der Hessische Rundfunk strahlte am 4. Mai 1952 zum ersten Mal die tägliche Unterhaltungssendung „Frankfurter Wecker“ aus. In den Sommermonaten der folgenden Jahre bis 1967 ging der HR mit der beliebten Hörfunksendung morgens ab 6.30 Uhr auf Tournee durch das gesamte Sendegebiet. Moderiert wurde der "Wecker" unter anderem von bekannten Größen wie Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld, Wolf Schmidt, Otto Höpfner und Heinz Schenk. Stets fand der „Wecker“ vor Publikum statt, das kostenlos die großen Stars der Zeit und das HR-Tanzorchester unter Leitung von Willy Berking erlebte, weshalb der Andrang trotz der frühen Sendezeit immer groß war. Auch für die Künstler war der „Wecker“ eine Chance, einem großen Publikum bekannt zu werden – das galt etwa für die Jacob Sisters.

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