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Verwahrloste Tiere und überforderte Halter: Mehr Beschlagnahmungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Von der Polizei an der A5-Raststätte Rimberg sichergestellt und ins Tierheim gebracht wurden im vergangenen Jahr unter anderem diese drei Malteser-Welpen. Mit im Bild Frank Krökel, 2. Vorsitzender des Hersfelder Tierschutzvereins.
Von der Polizei an der A5-Raststätte Rimberg sichergestellt und ins Tierheim gebracht wurden im vergangenen Jahr unter anderem diese drei Malteser-Welpen. Mit im Bild Frank Krökel, 2. Vorsitzender des Hersfelder Tierschutzvereins. © Clemens Herwig

Das Tierheim in Bad Hersfeld nimmt auch Tiere auf, die vom Kreis, den Kommunen oder der Polizei beschlagnahmt wurden. Auf den Kosten bleibt am Ende oft der Steuerzahler sitzen.

Hersfeld-Rotenburg – Bei den meisten Tieren im Tierheim für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg handelt es sich um Fundtiere oder solche, die aus verschiedenen Gründen von ihren Besitzern freiwillig dort abgegeben werden. Immer wieder muss die ohnehin gut ausgelastete Einrichtung aber auch Tiere aufnehmen, die vom Veterinäramt, einer Kommune oder der Polizei beschlagnahmt werden – zum Beispiel, weil sie nicht artgerecht gehalten werden oder eine entsprechende Erlaubnis fehlt. Auf den Kosten bleibt am Ende nicht selten der Steuerzahler sitzen.

Im Jahr 2021 waren es laut Frank Krökel, 2. Vorsitzender des Hersfelder Tierschutzvereins als Betreiber, mit über 30 Tieren so viele wie lange nicht und deutlich mehr als 2020, als acht solcher Fälle verzeichnet wurden. Von insgesamt 36 Tieren – 32 Hunde, vier Katzen – berichtet David Schiefen, Amtstierarzt und stellvertretender Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis.

Tierheime im Kreis Hersfeld-Rotenburg: 14 Hunde den Besitzern weggenommen

Der Kreis ist laut Schiefen immer dann zuständig, wenn tierschutzrechtliche oder tierseuchenrechtliche Belange betroffen sind, das heißt, wenn die Haltung nicht den vorgegebenen tierschutz- und/oder tierseuchenrechtlichen Kriterien entspricht. Die Kommunen als örtliche Ordnungsbehörden kommen ins Spiel, wenn es um die Hunde-Verordnung geht; also etwa, wenn die erforderliche Erlaubnis für die Haltung eines Listenhundes fehlt oder ein aggressiver Hund seinem Halter weggenommen werden soll.

14 Hunde wurden ihren Besitzern 2021 vom Veterinäramt aufgrund mangelhafter Haltung abgenommen und im Tierheim untergebracht. Sechs Welpen, die aus Osteuropa nach Deutschland gebracht wurden, ohne den vorgeschriebenen Impfschutz aufzuweisen, kamen unter Quarantänebedingungen ins Tierheim. 16 weitere Tiere – zwölf Hunde, vier Katzen – wurden unter Hinzuziehung des Veterinäramts dem Tierheim übertragen, da die Vorbesitzer aus finanziellen, körperlichen oder psychischen Gründen nicht mehr in der Lage waren, diese artgerecht zu halten. 2020 gab es keine Fortnahme des Kreises. 2019 eine – mit 93 Chinchillas.

Kommunen sind für Einhaltung der Hundeverordnung zuständig: „Das kostet Zeit und Geld“

Mit fast 40 Tieren, die ihren Besitzern aus unterschiedlichen Gründen weggenommen wurden, hat sich das Tierheim für den Kreis Hersfeld-Rotenburg im vergangenen Jahr konfrontiert gesehen. Schwankungen gibt es laut Frank Krökel, 2. Vorsitzender des Hersfelder Tierschutzvereins, zwar immer. So viele Tiere seien es aber selten, zumal es sich fast ausschließlich um Hunde gehandelt habe. Das bringe die vom Verein betriebene und stark sanierungsbedürftige Einrichtung an die Kapazitätsgrenze.

Werden mehrere Tiere auf einen Schlag eingezogen, werden diese deshalb zum Teil auch an andere Tierheime oder Betreuungsstellen weitervermittelt, erklärt Krökel. Als Beispiel nennt er einen Fall aus Cornberg, wo neun Malinois in zwei Zimmern gehalten worden seien. Malinois sind eine Schäferhund-Art. „Die wurden dann in ganz Deutschland verteilt“, so Krökel.

Wenn der Kreis oder eine Kommune ein Tier beschlagnahmt, es also dem eigentlichen Eigentümer wegnimmt, müssen dafür berechtigte Gründe vorliegen. Dies können Gründe des Tierschutzes sein, zum Beispiel schlechte Haltung, oder rechtliche Gründe, etwa wenn die erforderliche Erlaubnis für die Haltung eines bestimmten Tieres fehlt. Fotos von mit Kot verdreckten Schuppen und sichtlich verwahrlosten Tieren hat der Verein zu Hauf gesammelt. Krökel spricht von einem „Horrorkabinett“.

In der Regel ist es der Kreis beziehungsweise der Fachdienst Veterinärwesen, der in solchen Fällen eingreift. Wenn es um aggressive Hunde oder eine fehlende Erlaubnis für sogenannte Listenhunde („Kampfhunde“) geht, sind aber auch die Kommunen gefragt. In Bad Hersfeld wurden in den vergangenen drei Jahren zwei Tiere beschlagnahmt, berichtet Stadtsprecher Meik Ebert. In Rotenburg, Bebra und Heringen habe es im gleichen Zeitraum keine Fälle gegeben. Auf den Plan gerufen werden die Ordnungsbehörden zum Beispiel von besorgten Nachbarn. Und nicht selten bleiben die Kommunen am Ende auf den Kosten sitzen.

„Solche Fälle kosten Zeit und Geld“, sagt Meik Ebert. Man dürfe nicht vergessen, dass es sich um einen Eingriff in Eigentumsrechte handele, und dieser ziehe in der Regel ein Verfahren nach sich, was mitunter Monate oder auch Jahre dauern könne, wenn der Tierhalter Widerspruch einlegt. Der bisherige Rekord lag laut Ebert bei einem Jahr. In der Zwischenzeit fallen Kosten für die Unterbringung, eventuelle Gutachten, Impfungen und Tierarztkosten an. 11 000 Euro sei in Bad Hersfeld das Maximum gewesen, „drei- bis vierstellig ist die Summe aber fast immer“.

Das alles weiß auch Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner inzwischen aus eigener Erfahrung. 2020 war in der Gemeinde ein Listenhund beschlagnahmt worden, für den weder die erforderliche Erlaubnis vorlag und der noch dazu verhaltensauffällig gewesen sei. Erst vor rund zwei Monaten wurde das Gerichtsverfahren dazu abgeschlossen. Immerhin: Die Gemeinde bekam Recht und die Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro wurden bereits zum Teil bezahlt. Gerade für kleine Kommunen sei so ein Fall aber auch verwaltungstechnisch durchaus eine Herausforderung.

Im Gegensatz zu Fundtieren ist die Aufnahme beschlagnahmter Tiere nicht Bestandteil der Grundfinanzierung durch die Kommunen (siehe unten). Und: Das Tierheim darf sie erst dann vermitteln, wenn die rechtliche Lage geklärt ist und sich das Tier offiziell im Eigentum der Kommune befindet.

Auch der stellvertretende Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Kreis, David Schiefen, bestätigt: „Zahlen müssten in diesen Fällen immer die Halter der Tiere. In vielen Fällen steht aber ein soziales Problem im Hintergrund, sodass der Kreis in etwa zwei Dritteln der Fälle auf den entstandenen Kosten sitzen bleibt.“ (Nadine Meier-Maaz)

Eine erhöhte Nachfrage nach „kuscheligen Welpen“ verzeichnet das Bad Hersfelder Tierheim in der Corona-Pandemie im Jahr 2021. Die Tierschützer waren deshalb besorgt.

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