Wahl-Licheröder und Kabarettist Johannes Lotz begeisterte als Erwin Hägele

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Johannes Lotz als Erwin Hägele: Am Freitagabend bestritt der Licheröder Umweltpädagoge, rechts im Bild, sein erstes abendfüllendes Kabarettprogramm. Auch Zuschauer wurden eingebunden und hatten mächtig Spaß.

Licherode. Es ist kurz vor acht. „Ich spüre meinen Herzschlag bis zum Hals“, gesteht Johannes Lotz. Verständlich, denn der studierte Landwirt und Umweltpädagoge, den es aus der ur-schwäbischen Bildungshochburg Tübingen in ein kleines, aber feines, wald-hessisches Landschulheim namens Umweltbildungszentrum Licherode verschlagen hat, hat zur Premiere seines ersten abendfüllenden Kabarettprogramms eingeladen.

Die Neugier darauf, auf ihn, den im Kölner Karneval bei kleinen Auftritten hinlänglich erprobten 52-Jährigen, und auf Erwin Hägele, sein schwäbisches Alter Ego, ist groß. Die Folge: Der weit geöffnete Expo-Pavillon platzt fast aus allen Nähten. Mit „Denken von zwölf bis Mittag“ hat er das, was er seinem Publikum mitteilen will, überschrieben. Und das geschieht in erster Linie aus schwäbischer Sicht.

Eine Art Philosophie

Erwin Hägele, in den sich Lotz schon bald verwandelt, ist Schwabe durch und durch. „Enthesselt“ doziert er wie entfesselt, was dem Schwaben Sauberkeit und „Kehrwoche“ bedeuten: „Das ist eine Art Philosophie!“

Beim Nachdenken darüber gelangt er allerdings auch zu der Erkenntnis, dass der durchschnittliche Haus- und Gartenbesitzer zehn Monate seines Lebens mit Rasenmähen, sechs Monate mit Kehren und einen Monat mit Laubsaugen zubringt. Spätestens jetzt kommt der Umweltpädagoge durch, der im Laubsaugen eine Form von Dekadenz sieht und der knallhart fragt: „Lebst du noch, oder saugst du schon?“

Vernetzt zu denken, dazu will Erwin Hägele sein Publikum ermuntern. Nicht nur in eine Richtung, nicht nur „von zwölf bis Mittag“, wie es seine Oma auszudrücken pflegte.

Wie das geht, erläutert er anhand spezieller schwäbischer Ausdrucksweisen, aber auch anhand eines von zwei Besuchern gehaltenen Wäscheseils, an das er 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte hängt. Die fängt an mit der Ursuppe, für die er hessisches Bier verwendet: „Als Ursuppe konnschds verwende, trinke konnschds nedd!“. Und hört auf mit Menschen wie Dieter Bohlen: „Ein Irrtum der Evolution!“

Aber auch mit Politikern wie Angela Merkel und örtlichen Größen, die sich befleißigen, das Bebraer Schulamt gerettet zu haben. Ihnen allen empfiehlt er mit Blick auf den letzten Millimeter Erdgeschichte Demut.

Heftiger Applaus

„Öfter mal was bleiben lassen!“ empfiehlt Hägele nach heftigem Applaus zum Schluss. Für ihn und Johannes Lotz mag das nicht gelten. Beide haben so viel zu sagen, dass sie bald wieder „kehren“ sollten. Das erspart, wie bereits festgestellt, das Fitness-Center und macht Lust auf ein „Schlückle“. Beim nächsten Mal aber bitte Württemberger.

Von Wilfried Apel

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