Alles begann bei den Bad Hersfelder Festspielen

Bad Hersfelder Schauspieler wird in London gefeiert

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Dem „Feind“ eine Stimme geben: Peter Becker (links) spielt den deutschen Soldaten Friedrich Müller.

Für Peter Becker ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Dem Schauspieler aus Bad Hersfeld wird auf einer Londoner Theaterbühne Abend für Abend zugejubelt.

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs rührt ein deutscher Schauspieler die Engländer zu Tränen. Der Bad Hersfelder Peter Becker spielt in „War Horse“, einer der größten internationalen Theaterproduktionen die es jemals gab, seit Monaten den deutschen Soldaten Friedrich Müller.Das Stück war in 15 englischen Städten zu sehen und wird ab dieser Woche im National Theatre in London gezeigt. 

Die Vorstellungen sind weitgehend ausverkauft. Am 11. November, zum Jahrestag des Waffenstillstands, gibt es eine Galavorstellung, bei der auch Mitglieder der Königsfamilie erwartet werden, berichtet Becker.

„Ich fühle mich unglaublich geehrt, dabei sein zu dürfen,“ sagt der Schauspieler, dessen Mutter aus England stammt und der einen Teil seiner Kindheit in England verbracht hat. Denn „War Horse“ ist in England nicht einfach irgendein Theaterstück, sondern fast so etwas wie ein Nationalheiligtum, so empfindet es Becker. Die Erinnerung an die beiden Weltkriege und vor allem an die Opfer der Kriege werde in Großbritannien sehr stark gepflegt, hat Peter Becker festgestellt.

Dabei werden die Deutschen als Feinde nach wie vor oft sehr klischeehaft dargestellt. Das sollte nun in der aktuellen „War Horse“-Inszenierung des National Theatre anders sein. Die Figur des deutschen Soldaten Friedrich Müller, die Peter Becker spielt, wurde stark ausgebaut und differenziert. Becker hat es sich zur Aufgabe gemacht, „dem Feind“ eine Stimme zu geben, zu zeigen, dass es auf beiden Seiten Menschen gab, die versuchten, sich ihre Humanität zu bewahren.

Dass ihm das gelingt, das erfährt Peter Becker jeden Tag. „Ich hatte noch nie so viel Rücklauf bei einer Rolle“, erzählt er von ganz vielen positiven Reaktionen. Immer wieder erzählen oder schreiben Leute ihm, wie sehr gerade er sie zu Tränen gerührt hat, wie sie sich persönlich erkannt oder an ihre Familiengeschichte erinnert fühlen,

Emotionale Geschichte

„Es gibt jeden Abend Tränen und Standing Ovations von tausenden Menschen“, sagt Becker. Daran haben neben der sehr emotionalen Geschichte (siehe Hintergrund), der aufwendigen Produktion, den Songs und natürlich der Qualität der Schauspieler auch die Pferde einen großen Anteil. Die Pferdepuppen sind von einem Puppentheater aus Südafrika entwickelt worden. Sie sind lebensgroß und werden von jeweils drei Menschen bewegt.

Für die Theaterproduktion haben die Mitwirkenden nicht nur ihre Rollen einstudiert, sie wurden auch sehr ausführlich über die Geschichte des Ersten Weltkriegs und das Leben der Menschen informiert. Mit ihren Informationen und ihrem Können gehen die Schauspieler auch an Schulen und veranstalten dort Workshops zu unterschiedlichen Themen.

Freizeit gebe es jedoch praktisch nicht, sagt Becker. Seine Rolle sei, wie auch die meisten anderen, körperlich ungeheuer anstrengend. „Alles dreht sich nur um dieses Stück“, berichtet er. Es gebe acht Vorstellungen pro Woche, jeweils mittwochs und samstags zwei, und nur einen freien Tag. Diese freien Tage nutzte Becker unter anderem, um deutsche Projekte abzuschließen. Denn einfach monatelang im Ausland sein und nicht zur Verfügung zu stehen, das konnte er sich erst einmal gar nicht vorstellen.

Peter Beckers Engagement beim National Theatre endet im Januar. Danach ist er froh, wieder nach Berlin zurückzukehren und freut sich auf neue Projekte. „War Horse“ wird mit einem neuen Ensemble weiter auf Tour gehen, unter anderen auch nach Irland, Australien und Neuseeland. Peter Becker würde auch in Zukunft gerne wieder in England arbeiten, vielleicht auch beim Film. Und vielleicht auch irgendwann bei den Bad Hersfelder Festspielen. Dort, wo alles begann.

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