Waren achtsamer als andere Kommunen

Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth im Sommerinterview

Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth am Inselteich im Wildecker Tal.
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Wie ein Kurzurlaub: Wenn Alexander Wirth mal zur Ruhe kommen möchte und Kraft tanken muss – gerade auch während der Coronakrise –, schnappt er sich einen Kaffee, die HNA und fährt zum Inselsteich im Wildecker Tal.

Die Corona-Pandemie hat die Welt kräftig durcheinandergewirbelt. Wie haben die Städte und Gemeinden diese schwierige Zeit erlebt? Was sind nun die größten Herausforderungen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Den Auftakt macht Alexander Wirth aus Wildeck.

Herr Wirth, wie ist Wildeck bislang durch die Coronakrise gekommen?

Die Arbeit im Rathaus ist nicht weniger geworden, eher im Gegenteil. Auch weil viele Mitarbeiter im Homeoffice waren. Das waren sehr intensive Wochen. Grundsätzlich sind wir aber bisher recht gut durch die Coronazeit gekommen, auch weil wir sehr vorsichtig waren. Im Vergleich zu anderen Kommunen waren wir achtsamer, etwa bei der Öffnung von Mehrzweckhallen oder Sportlerheimen. Wir haben die Sicherheitsempfehlungen sehr ernst genommen und teils sogar ausgeweitet oder verlängert. Das war und ist auch immer noch der richtige Weg.

Als die Gemeindevertretung Anfang des Monats für eine Öffnung des Obersuhler Freibads gestimmt hat, mahnten Sie zur Besonnenheit und sagten, Ihnen gingen die Lockerungen zu schnell. Wie nehmen die Bürger das Bad an?

Nach allem, was ich weiß, sind die Wildecker beim Thema Schwimmen noch sehr zurückhaltend. Das finde ich auch richtig so.

Für dieses Jahr war im Gemeindehaushalt eigentlich ein Plus von 382 000 Euro vorgesehen. Als die Ein- und Ausgaben kalkuliert wurden, ahnte aber noch niemand etwas vom Ausmaß des Coronavirus. Was bleibt noch vom geplanten Plus?

Die großen Gewerbesteuerzahler in der Gemeinde sind glücklicherweise nicht durch die Coronakrise eingeschränkt gewesen. Das tut unserer Gemeinde gut. Kleinere Gewerbesteuerzahler hingegen sind schon betroffen. Inwieweit sich das insgesamt auf die Gemeindefinanzen auswirkt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Was ich aber schon sagen, ist, dass wir definitiv nicht bei dem Ergebnis landen werden, das wir kalkuliert hatten. Ich hoffe, dass der tatsächliche Unterschied nicht allzu sein groß wird.

Zu den Einnahmen einer Gemeinde zählen auch die Kitagebühren. Die Wildecker Gemeindevertretung hat nun kürzlich einen Antrag abgelehnt, wonach Eltern coronabedingt die Gebühren für drei Monate erlassen werden sollten...

Ja, leider. Ich hoffe, dass das noch korrigiert wird. Wir haben den Anspruch, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein. Deshalb wünsche ich mir, dass die Fraktionen in dieser Frage zueinanderfinden und dass diese Entscheidung korrigiert wird. Andere Kommunen haben Eltern schließlich auch die Gebühren erlassen.

Das Virus hat unter anderem auch dafür gesorgt, dass die Wildecker Bürgermeisterwahl am 29. März, bei der Sie ohne Gegenkandidaten mit 92,5 Prozent wiedergewählt worden sind, als erste reine Briefwahl Hessens in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Wie war das für Sie?

Ein Wahlkampf fand ja nicht statt. Keine Plakate, keine Broschüren, nichts. Die 3000 Flyer, die ich hatte drucken lassen, liegen alle noch bei mir zuhause. In der Zeit kurz vor der Wahl kam Corona ja gerade erst so richtig auf. Wir hatten da echt andere Sorgen als Wahlkampf.

Nach der Wahl hatten Sie eigentlich vorgehabt, in den Urlaub zu fahren.

Genau, wir wollten ein paar Tage nach Österreich fahren. Es wäre der erste Urlaub seit dem letzten Sommer gewesen. Aber daraus wurde wegen Corona nichts. Ich hatte zwar abends keine Termine und die Wochenenden waren auch frei, was ganz angenehm war, aber ansonsten war ich von morgens bis abends im Büro und hatte da alle Hände voll zu tun. Viele Mitarbeiter waren im Homeoffice. Das war alles schon sehr anstrengend. Insofern freue ich mich jetzt umso mehr auf meinen Urlaub. Diesmal aber wirklich.

Wo geht’s hin?

Wir werden vielleicht mal einen Tagesausflug machen, bleiben ansonsten aber zuhause. Da ist es auch schön.

Was sind die größten Herausforderungen, die nach dem Urlaub auf Sie warten?

Das Programm ist jetzt schon sehr voll. Wir haben allein baulich ganz viele Projekte, die mit heißer Nadel gestrickt werden. Wir müssen die Krippe in Obersuhl bauen, hinzukommen die Umbauten der Kitas in Bosserode und Richelsdorf. Gewerbegebiete sind ständig ein heißes Thema bei uns, hier stehen Gespräche mit weiteren Investoren an. Hinzu kommt, dass wir bis Ende 2021 noch acht Straßen zu bauen haben. Natürlich ist auch die Arsenbelastung in Richelsdorf ein Dauerthema. Die Kunst besteht nun darin, nach Schwerpunkten so viel wie personell möglich schultern zu können.

Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Es gibt in der Tat einige Dinge, die wir wegen Corona geändert haben, von denen ich mir wünschen würde, dass sie so bleiben, beispielsweise die eine oder andere Telefonkonferenz. Vor Corona hätten wir Bürgermeister stattdessen ganze Tagesreisen innerhalb Hessens gemacht, um anschließend festzustellen, dass der Aufwand, für das, was dort besprochen wurde, man vielleicht auch anders hätte lösen können. Ich würde mir also künftig mehr Telefonkonferenzen wünschen. Damit meine ich ausdrücklich nicht die Bürgermeisterdienstversammlungen. Dass meine Amtskollegen und ich uns in regelmäßigen Abständen sehen, finde ich sehr wichtig.

Vieles, was den Corona-Alltag geprägt hat und immer noch prägt, ist in Wiesbaden entschieden worden. Welche Schulnote würden Sie dem Krisenmanagement der Landesregierung geben?

Inhaltlich fand ich die Entscheidungen, die getroffen worden sind, gut. Gar nicht gefallen hat mir allerdings die Kommunikation zu uns Kommunen. Es kann nicht sein, dass wir freitags darüber informiert werden, wie ab Montag zu verfahren ist. Von daher müsste ich der Landesregierung für ihr Zeitmanagement schon eine Fünf geben.

Zur Person

Alexander Wirth (50) ist seit September 2014 Bürgermeister der Gemeinde Wildeck. Nach dem Realschulabschluss machte der gebürtige Richelsdorfer eine Lehre zum Werkzeugmacher. Nach dem Wehrdienst begann Wirth eine Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst, wechselte in den gehobenen Dienst und studierte in Kassel mit dem Abschluss „Diplom-Verwaltungswirt.“ Wirth wechselte 2002 in die Ordnungsbehörde in Bebra. Ab 2004 arbeitete er als Verwaltungsfachmann bei der Stadt Fritzlar, ab 2011 war Wirth Haupt- und Personalamtsleiter der Gemeinde Friedewald. Sein großes Hobby ist der Fußball. Viele Jahre lang war der Schalke-04-Fan Jugendleiter der SG Wildeck. Er organisiert in jedem Jahr ein Junioren-Hallenturnier mit Bundesliga-Nachwuchsmannschaften, an dem auch regionale Teams teilnehmen. Alexander Wirth ist mit seiner Frau Anke seit 1996 verheiratet. Sohn Nick ist 19 Jahre alt, Tochter Dana elf Jahre. ses/dup

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