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Warnung vor dem Wolf: 100 Schilder in Alheim weisen Region als Raubtiergebiet aus

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Von: Carolin Eberth

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Ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Wolfsgebiet“ über einem gezeichneten Wolfskopf weist in Alheim darauf hin, dass die Raubtiere in der Region keine seltenen Gäste mehr sind.
Wölfe sind in Alheim inzwischen keine seltenen Gäste mehr, das Schild auf unserem Foto hängt nur wenige hundert Meter entfernt von dem Ort, an dem die Stölzinger Wölfin im Oktober 2020 ein Schaf in Heinebach riss. © Carolin Eberth

Wölfe sind in Alheim inzwischen keine seltenen Gäste mehr. Aus diesem Grund werden aktuell 100 Warnschilder an Zufahrtswegen zu Waldgebieten aufgehängt.

Alheim – Das Gemeindeparlament hat im September ausführlich über den Wolf diskutiert. Letztlich fand der Vorschlag von der FDP, Hinweisschilder für die Wolfspräsenz aufzustellen, eine Mehrheit. „Wir wollen ein Zeichen setzen und die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass die Population der Wölfe in unserer Region rasant zunimmt“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Aribert Kirch.

Sie sollen aber auch ein Appell an die Landesregierung sein, die Sorgen der Landbevölkerung endlich ernst zu nehmen. Aus diesem Grund wurde das Vorhaben zügig umgesetzt: Zuerst wurden die Schilder von Kirch entworfen, dann bei der Heinebacher Firma „b3plus“ in Druck gegeben und aktuell werden die 100 bestellten Schilder von den Jagdpächtern aufgehängt.

Erst vor wenigen Tagen seien zwei gerissene Rehe in Alheim gefunden worden, berichtet Jäger und Tierhalter Leonhard Häde (FDP). „Die Einschläge kommen immer näher, dabei stehen wir erst ganz am Anfang mit dem Wolf. Es muss also dringend eine Regelung mit dem Raubtier gefunden werden, sonst werden wir irgendwann nicht mehr Herr der Lage“, sagt Häde.

Kirch: Wollen erreichen, dass andere Kommunen nachziehen

„Als im Oktober 2020 ein Schaf in Heinebach gerissen wurde, war uns klar, dass wir etwas unternehmen müssen, obwohl wir so gut wie nichts machen können“, sagt Aribert Kirch. Im Gespräch mit der FDP-Landtagsabgeordneten Wiebke Knell sei dann die Idee der Hinweisschilder aufgekommen. „Damit wollen wir natürlich auch erreichen, dass andere Kommunen nachziehen und wir gemeinsam Druck auf das Umweltministerium aufbauen können. Gerne gebe ich dafür auch das Layout weiter. Die unregulierte Ausbreitung der Wölfe sollten wir nicht hinnehmen.“

Achtung, Wolfsgebiet: von links FDP-Fraktionsvorsitzender Aribert Kirch, Landtagsabgeordnete Wiebke Knell (FDP), Leonhard Häde (FDP) und Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos) haben sich für die Umsetzung der Schilder eingesetzt.
Achtung, Wolfsgebiet: von links FDP-Fraktionsvorsitzender Aribert Kirch, Landtagsabgeordnete Wiebke Knell (FDP), Leonhard Häde (FDP) und Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos) haben sich für die Umsetzung der Schilder eingesetzt. © Carolin Eberth

Das sieht auch Wiebke Knell so. Das Wachsen der Wolfspopulation führe zu großen Herausforderungen. Besonders für die Weidetierhaltung, mittlerweile betreffe es aber auch jeden Spaziergänger, Jogger und Reiter. „Unser Naherholungsort Wald wird uns vom Wolf genommen, weil wir ihn nicht mehr so nutzen können, wie wir es einmal konnten.“ Auch Aribert Kirch kenne viele Leute, die ein mulmiges Gefühl im Wald hätten oder ihn sogar mittlerweile ganz zum Spazieren gehen meiden würden, obwohl es seit der Rückkehr des Wolfes in Deutschland keine bestätigten Angriffe auf Menschen gegeben hat.

Tipps zum Verhalten bei Wolfskontakt per QR-Code

„Wenn wir ehrlich sind, dann findet bislang gar kein Wolfsmanagement statt. Die Leute, die etwas entscheiden und bewegen könnten, sitzen in der Großstadt und haben noch nie Berührungspunkte mit dem Wolf gehabt. Solange die Landesregierung nicht tätig wird, sind die Kommunen leider auf sich allein gestellt“, bemängelt Knell.

Wer den QR-Code auf den Tafeln scannt, landet auf der Seite des Niedersächsischen Umweltministeriums (geführt von der SPD), „weil wir in Hessen leider keine vergleichbare Seite des Ministeriums haben“, sagt Kirch. Das Umweltministerium in Hessen wird von Priska Hinz (Grüne) geleitet. In Planung sei, dass es künftig eine eigene Seite mit Hinweisen zum Verhalten im Falle einer Wolfsbegegnung auf der Alheimer Homepage gibt.

Die Hinweisschilder wurden mit einer Mehrheit von FDP, CDU, Mirko Kirchner (SPD) und Edith Gipper (Grüne) beschlossen. Die Kosten werden von der Gemeinde übernommen. Ein Schild kostet 6,40 Euro, teilt Aribert Kirch mit. (Carolin Eberth)

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