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„Weißer Fleck“ verschwindet nach jahrelangem Drängen: Machtlos bekommt Mobilfunk

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Von: Sebastian Schaffner

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Hier soll der 40 Meter hohe Mast der Telekom entstehen, der Machtlos ans Mobilfunknetz anschließt: auf einem Grundstück der Gemeinde Ronshausen, direkt neben dem Machtloser Sportplatz.
Hier soll der 40 Meter hohe Mast der Telekom entstehen, der Machtlos ans Mobilfunknetz anschließt: auf einem Grundstück der Gemeinde Ronshausen, direkt neben dem Machtloser Sportplatz. © Sebastian Schaffner

Das jahrelangen Drängen hat sich gelohnt: Machtlos bekommt endlich Mobilfunk. Die Telekom lässt in dem Ortsteil von Ronshausen einen 40-Meter-Mast errichten.

Machtlos – Wenn am Wochenende der Osterhase mit seinen Gaben durch Machtlos hoppelt, kann er sich ein Geschenk gleich sparen: ein Mobilfunktelefon. Denn das würde in dem sechs Kilometer nordöstlich von Ronshausen idyllisch im Grünen gelegenen Ortsteil einfach nicht funktionieren. Es gibt, bis auf ganz wenige Ausnahmen, keinen Mobilfunk in Machtlos. Doch das soll sich jetzt ändern.

Die Deutsche Telekom lässt am Sportplatz, auf einem Grundstück der Gemeinde, einen 40 Meter hohen Mobilfunkmast errichten. Die Baugrube ist schon ausgehoben. Ziel sei es, schreibt die mit dem Bau beauftragte Firma Deutsche Funkturm in einer Pressemitteilung, „die Versorgung in Ronshausen und Umgebung zu verbessern“. Man könnte auch sagen: Die Telekom schließt den 185-Einwohner-Ort Machtlos überhaupt erst mal an das Mobilfunknetz an.

Was das Bauprojekt in Machtlos kostet, dazu will sich Deutsche-Funkturm-Sprecher Benedikt Albers nicht konkret äußern. Nach Informationen unserer Zeitung fallen für einen Mobilfunkmast in Deutschland derzeit aber rund 200 000 bis 250 000 Euro an.

Jedes Jahr dieselbe Antwort: Lohnt sich nicht

Udo Berle freut sich, dass sich nun etwas tut – endlich. Seit 2011 ist er Ortsvorsteher in dem staatlich anerkannten Erholungsort. „Seitdem kämpfen wir darum, Handyempfang zu bekommen“, sagt er. Jedes Jahr hätten Vertreter der Gemeinde Telekom, Vodafone und O2 angeschrieben. Jedes Jahr dieselbe Antwort: Lohnt sich nicht.

2019 gab es dann plötzlich so etwas wie einen Hoffnungsschimmer. Die Telekom, die zu diesem Zeitpunkt mit der Aktion „Wir jagen Funklöcher“ warb, bat die Gemeinde, Vorschläge für einen potenziellen Standort zu machen. Bürgermeister Markus Becker und Udo Berle ließen sich nicht zweimal bitten. Mit Nabu und Bauamt bereiteten sie alle nötigen Genehmigungen vor. Nicht, dass es am Ende noch am Papierkram scheitert. „Ich bin glücklich, dass unser beharrliches Engagement für eine Mobilfunkversorgung in Machtlos nun endlich Früchte trägt“, freute sich Bürgermeister Becker damals schon. Jetzt, drei Jahre später, sind diese Früchte immer noch längst nicht reif – aber sie werden, um im Bild zu bleiben, immerhin angebaut.

Machtlos im Jahr 2022: Die Rufsäule am Eingang zum Ferienpark ist momentan die einzige öffentliche Möglichkeit, zu telefonieren.
Machtlos im Jahr 2022: Die Rufsäule am Eingang zum Ferienpark ist momentan die einzige öffentliche Möglichkeit, zu telefonieren. © Sebastian Schaffner

„Es wird Zeit, dass Machtlos als schwarzes Loch auf der Handykarte verschwindet“, sagt Ortsvorsteher Berle. Die Machtloser selbst hätten sich zwar längst damit arrangiert, im digitalen Mittelalter zu leben. „Wer hier wohnt, hat Festnetz und nutzt sein Wlan. Aber Touristen bekommen hier kein Netz“, sagt Berle mit Blick auf die Gäste im Ferienpark. In den meisten der rund 175 Wohneinheiten gebe es keinen Telefonanschluss. Die einzige öffentliche Möglichkeit weit und breit, zu telefonieren und damit auch einen Notruf abzusetzen, sei der nicht überdachte Fernsprecher am Eingang des Ferienparks.

Anfang 2023 soll der Mobilfunk stehen

Aber diese Schwierigkeiten sollen nun bald der Vergangenheit angehören. In der Regel gehe ein neuer Standort sechs bis zwölf Monate nach Baubeginn in Betrieb, teilt die Firma Deutsche Funkturm mit. Nach dem Bau des sogenannten Schleuderbetonmasts, der übrigens auch von anderen Mobilfunkanbietern genutzt werden könne und 5G-Dienste senden können soll, müsse er noch an Strom und Daten angebunden werden, die Systemtechnik installiert und aktiviert werden und die neuen Antennen ins umliegende Mobilfunknetz integriert werden.

„Wir gehen davon aus, dass alle Arbeiten spätestens Anfang 2023 abgeschlossen sind und der Mobilfunkmast von den Kunden genutzt werden kann“, teilt Sprecher Benedikt Albers auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Dann könnte der Osterhase auch den einen oder anderen Machtloser mit einem neuen Mobilfunktelefon glücklich machen. (Sebastian Schaffner)

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