Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Hanfanbau in Deutschland? 

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Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Hanfanbau in Deutschland?

Der Anbau von Hanf erfährt derzeit ein Revival.

Diese Kulturpflanze war fast völlig in Vergessenheit geraten, nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Herstellung von Cannabis verboten wurde. Mittlerweile wird jedoch klar zwischen Nutzhanf und Cannabis unterschieden. Und auch die medizinische Nutzung von Hanf hat zu einem Umdenken geführt. Medienberichte über den Hanfanbau sind allgegenwärtig, gibt er doch ein dankbareres Thema ab als Kartoffeln oder Raps. Aber welche Bedeutung hat dieser Wirtschaftszweig eigentlich für deutsche Bauern? Und ist das Potential tatsächlich so groß, wie es dargestellt wird?

Anbaufläche für Hanf und Cannabis 

Trotz aller Berichte über das Erstarken der Hanfindustrie in Deutschland: Die Anbaufläche ist mit etwas mehr als 3000 Hektar verschwindend gering. Damit ist die Bundesrepublik zwar der siebtgrößte Hanfproduzent in Europa. Im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 16 Millionen Hektar spielt der Hanfanbau aber nur eine untergeordnete Rolle. Das liegt unter anderem auch am Wetter. Denn Landwirte müssen bis spät ins Frühjahr abwarten, bevor sie Cannabissamen in kälteren Klimazonen aussäen können. Zwar gibt es Sorten mit einer robusten Genetik, die mit niedrigen Temperaturen gut zurechtkommen. Trotzdem sind die Erträge in Deutschland niedriger als in wärmeren Ländern wie Frankreich oder Italien. Die geringe Anbaufläche spiegelt die wirtschaftliche Bedeutung aber nur unzureichend wider. Besonders bei Cannabis für medizinische Zwecke sind die Erlöse nämlich deutlich höher als bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. 

Verwendung von Hanferzeugnissen 

So betrug der Umsatz mit Medizinalcannabis in Deutschland schon 2019 rund 15 Millionen Euro, Tendenz steigend. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Cannabis aber vollständig aus dem Ausland importiert. Erst 2020 begann die offizielle Cannabisproduktion in Deutschland. Der Anbau von Nutzhanf bringt zwar deutlich weniger Erlös pro Hektar. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten für den Rohstoff. Die Blüten werden unter anderem zur Herstellung des Nahrungsergänzungsmittels CBD verwendet, aus den Samen wird ein hochwertiges Speiseöl gewonnen. Die fasrigen Stängel der Pflanze kommen seit langem in der Textilproduktion zum Einsatz. Modernere Anwendungsbeispiele kommen beispielsweise aus dem Bau, wo Hanf wegen seiner niedrigen Wärmeleitfähigkeit als Dämmstoff geschätzt wird. Außerdem werden Hanffasern bei der Herstellung von Kunststoffen zur Verstärkung eingesetzt. Diese Materialien finden unter anderem in der Automobilindustrie Anwendung. 

Welches Potential hat der Rohstoff? 

Welche Bedeutung der Hanf in Zukunft für die deutsche Landwirtschaft spielen wird, ist noch unklar. Einiges deutet aber darauf hin, dass sich das Wachstum weiterhin fortsetzen wird. Denn das Thema Nachhaltigkeit steht in der Wirtschaft zunehmend im Vordergrund. Die Nachfrage nach pflanzlichen Rohstoffen wie Hanf steigt daher stetig an. Auch bei der medizinischen Anwendung von Hanf ist noch weiteres Wachstum zu erwarten. Und sollte Cannabis irgendwann einmal für den Freizeitgebrauch legalisiert werden, dürfte das zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage führen. Es ist also gut möglich, dass die typischen fünfgliedrigen Hanfblätter in Zukunft öfter den Wegrand in ländlichen Gegenden säumen. Allerdings warnen die Erfahrungen mit dem Cannabisanbau aus den USA vor zu viel Euphorie. Zu Beginn der legalen Produktion hatten Analysten die Nachfrage deutlich überschätzt, sodass viele Betriebe sich verkalkulierten. Landwirte sollten sich daher nicht von hohen Preisen dazu verlocken lassen, den Hanf zu ihrem einzigen Standbein zu machen. 

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