Jens Thamer aus Niederaula

Ausnahme-Pilot flog im einmotorigen Flugzeug in 177 Stunden um die Welt

Hersfeld-Rotenburg: Welt-Umrundung in 177 Stunden - Pilot flog um die Erde 
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König der Lüfte: Jens Thamer im mit Technik vollgestopften Cockpit seiner Diamond DA 40, hier auf Norfolkisland, die zu Australien gehört.

Umrundung der Welt in 177 Stunden - Ein Pilot aus Niederaula (Kreis Hersfeld-Rotenburg) flog allein mit einem einmotorigen Flugzeug um die Erde. 

  • Ein Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg hat die Welt umrundet
  • Mit einer einmotorigen Maschine flog er in 177 Stunden um die Erde
  • Er erzählt von deinen Erlebnissen bei der Weltumrundung

Rotenburg - Weltweit gibt es nur etwa 145 Piloten, die allein mit einem einmotorigen Flugzeug um die Welt geflogen sind. Der 52-jährige Jens Thamer aus Niederaula (Kreis Hersfeld-Rotenburg) gehört dazu. 

44 230 Kilometer in 23 Einzeletappen an 145 Tagen durch 18 Länder. 177 Flugstunden mutterseelenallein im Cockpit des einmotorigen Flugzeugs vom Typ Diamond DA 40 mit dem Rufzeichen D-ETFF. Bis zu 15 Stunden am Stück nur als kleiner Fleck auf dem Radarschirm eines weit entfernten Towers, über den unendlichen Weiten des Ozeans.

Und Landepisten an Orten, die Normalsterbliche kaum auf der Karte finden: al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Gan auf den Malediven, Port Hedland, Jandakot oder Norfolk Island in Australien, Nuku‘alofa und Vavau auf Tonga, Faleolo in West Samoa oder London, nein, nicht in England, sondern auf Kiribati.

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Der Motor der Maschine darf nicht ausfallen

Eigentlich kein Wunder, dass Jens Thamer aus Niederaula (Kreis Rotenburg) zu einem äußerst exklusiven Club von nur etwa 145 Piloten weltweit gehört, die allein mit einem einmotorigen Kleinflugzeug um die Welt geflogen sind. „Die meisten lassen sich wohl von der Gefahr abschrecken“, sagt Thamer und klingt dabei völlig cool. 

Unwetter, Gegenwind, abreißende Funkverbindungen, immer die Tankanzeige im Blick und dazu noch sprachliche und bürokratische Probleme in Ländern, die zum Teil gar keine private Fliegerei kennen. „Man muss sich schon auf die Technik verlassen – und der Motor darf nicht ausfallen ...“

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Für so einen Flug gibt es keine Handbücher

Als Freunde von Jens Thamer nach Perth in Australien gezogen sind, entstand bei dem passionierten Piloten die Idee „da mal hinzufliegen. Und wenn ich schon mal da bin, kann ich auch gleich weiterfliegen.“ Thamer hat seit 20 Jahren einen Flugschein und mehr als 1600 Flugstunden hinter dem Steuerknüppel verbracht. In seinem Heimatverein, dem Motor-Flieger-Club Bad Hersfeld (MFC) (Kreis Hersfeld-Rotenburg) auf dem Flugplatz am Johannesberg, gehört er damit zu den erfahrensten Flugzeug-Piloten. 

Trotzdem musste er noch diverse spezielle Fortbildungen machen. „Für so einen Flug gibt es keine Handbücher“, sagt Thamer. Deshalb holte er bei Piloten aus aller Welt Informationen ein, tüftelte monatelang an der Flugroute. Wartete auf Formulare und Genehmigungen. „Ich wollte nicht über die Tigerstaaten fliegen“, erzählt Thamer. Deshalb blieb nur die Route von Insel zu Insel, mit weiten Strecken über dem Ozean.

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Extra Tanks und Technik

Dazu wurde sein eigentlich vier-sitziges Flugzeug, die zehn Jahre alte Diamond DA 40, mit extra Tanks ausgerüstet, die restlichen drei Sitze damit belegt. „Mein Flugzeug ist ein Diesel und kann Kerosin tanken. Das kriegt man auch auf allen Inseln“, berichtet der Pilot. Auch Schwimmwesten, eine Rettungsinsel, Sauerstoffflaschen, Ersatzteile, Werkzeug, Kleidung und Karten sind in dem engen Cockpit verstaut. Dazu Dutzende von Kabeln und Schläuchen, Funk- und Navigationstechnik, Satellitentelefon. Seine technische Ausbildung als Fahrzeugingenieur kam dem Piloten aus Hersfeld-Rotenburg beim Flug um die Welt zugute „Das kann man ohne technischen Hintergrund kaum bewältigen“, schmunzelt Thamer.

Menschenleere Traumstrände in Kiribati.

Und auch der Körper muss mitmachen. Je höher man fliegt, desto schneller kommt man voran. Dafür braucht man im Cockpit dann auch zusätzlichen Sauerstoff. Thamer wählte meist einen Kompromiss von 13 000 Fuß – also knapp 4000 Metern. Da wird die Luft schon dünn. „Man muss seinen Körper kennen und auf die Ernährung achten“, sagt Thamer – denn Verdauungsprobleme kann man sich im Cockpit ohne Klo nicht erlauben.

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Jeder Tag ein Abenteuer

Im Oktober 2019 geht es dann los mit der Umrundung der Welt: Trotz bester Planung ist jeder Tag im Flugzeug ein neues Abenteuer. In seinem Flugtagebuch berichtet Thamer von schwierigen Landeanflügen, Missverständnissen beim Funken, Bürokratie, von Zollbeamten in Hawaiihemden mit aufgesticktem Landeswappen und allerlei Versorgungsproblemen. Aber auch immer wieder von vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die voller Bewunderung den Extremflieger unterstützten – und manchmal sogar mit der Schmutzwäsche helfen.

„Man muss halt tolerant sein und mit manchen Unzulänglichkeiten leben“, sagt Thamer, „aber ich habe nie Ärger gehabt“. Meist sind es freundliche Airport-Mitarbeiter, die den Piloten nach der Landung in seine vorgebuchten Hotels chauffieren – mal mit Meerblick unter Palmen, mal mit Frühstück für Minenarbeiter im Container. 

„Für Sightseeing hatte ich ohnehin kaum Zeit“, sagt Thamer, „ich bin da wie ein Sportler vor dem Wettkampf und sehr fokussiert.“ Logisch, wenn jeder Fehler tödlich sein kann.

Flugzeug sichern auf den Cocos-Inseln im Indischen Ozean.

Besonders beim „längsten Flug meines Fliegerlebens“ – 3800 Kilometer am Stück in 15 Stunden von Hawaii nach Monterey in Kalifornien. Mit 550 Litern Kerosin kommt die Diamond nur schwer in die Luft. 

Jede Stunde meldet sich Jens Thamer aus Hersfeld-Rotenburg in dieser langen Nacht über Funk bei seiner Ehefrau Franziska – über sich den Sternenhimmel, der langsam der Morgenröte weicht. Und dann endlich bei Sonnenaufgang die kalifornische Küste.

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Der Rest ist Routine

Der Rest der Reise ist fast Routine. Über die USA, Bahamas, Azoren und Spanien geht es heimwärts nach Bad Hersfeld (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Am letzten von 23 Flugtagen geben ihm die Kollegen von der Flugüberwachung „Langen Radar“ die direkte Flugroute nach Hause. Kurz vor dem Landeanflug auf den heimischen Johannesberg in Bad Hersfeld verabschieden sie sich mit dem knappen Funkspruch: Congratulations, Glückwunsch! Jens Thamers Leistung hat sich rumgesprochen.

Nach der Umrundung der Welt gilt er unter Piloten nun als ein echter Über-Flieger.

Pilot aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg flog um die Welt: Zur Person

Jens Thamer (52) ist in Kerspenhausen aufgewachsen. Nach der Schule hat er eine Ausbildung als Fahrzeugingenieur absolviert. Er führt in 4. Generation den seit 110 Jahren bestehenden Familienbetrieb, das Autohaus Schlitt und Thamer in Niederaula (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Deswegen hat Thamer seine Umrundung der Welt auch um Weihnachten herum für eine 91-tägige Winterpause in der Heimat unterbrochen.

Jens Thamer ist verheiratet. Mit Ehefrau Franziska hat er einen Sohn, Flynn, der Doppel-Europameister im Inline-Slalom ist. Der Familie gehört nun Thamers Freizeit. Weitere Flugabenteuer plant er nicht – derzeit...

Um die Welt 

Es ist eine Leidenschaft, die um die Welt geht. Einer von rund 2,8 Millionen Funkamateuren weltweit ist der 63-jährige Ralf Haimerl aus Bad Hersfeld (Kreis Hersfeld-Rotenburg)

Richard Krolzig hat seine Leidenschaft für Jahrmärkte zum Beruf gemacht und zieht um die Welt. Kein Wunder bei einem, der ausgerecht an einem Lollsmontag nach Bad Hersfeld (Kreis Hersfeld-Rotenburg) gezogen ist.

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