Wenig Wasser in der Werra: K+S stoppt Produktion am Standort Hattorf

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Entsorgungs-Engpass: Wegen des niedrigen Pegelstandes der Werra (im Vordergrund) kann K+S weniger Abwasser in den Fluss einleiten. Die Produktion am Standort Hattorf (hinten) wird deshalb unterbrochen.

Philippsthal. Am Wochenende wird der Standort Hattorf des Werkes Werra die Produktion erneut unterbrechen müssen.

Grund ist laut Pressemitteilung das anhaltende Niedrigwasser in der Werra. Gleichzeitig sei die Tagesmenge in der neuen Versenkerlaubnis, die Ende 2016 erteilt wurde, auf 5 000 Kubikmeter begrenzt. Beides zusammen führe zu einem unvermeidbaren Entsorgungs-Engpass. Seit der Wiederaufnahme der Produktion am 2. Januar seien Einleitung in die Werra, Versenkung und die Entsorgung in Bergwerken als zur Verfügung stehende Entsorgungswege intensiv genutzt worden. 

Durch das Niedrigwasser hätten jedoch nicht alle anfallenden Salzabwässer aus der Produktion entsorgt werden können. Die überschüssigen Abwässer wurden laut K+S in Speicherbecken zwischengestapelt, um sie bei steigendem Werra-Pegel in den Fluss einleiten zu können. Das Fassungsvermögen der Becken für Produktionsabwässer sei nahezu erschöpft, die Produktion werde deshalb mit Ausnahme der Bittersalz-Herstellung eingestellt.

Eine Wiederaufnahme sei erst bei einer nennenswert höheren Wasserführung der Werra möglich. Die Unterbrechung werde für die betroffenen Mitarbeiter zunächst über den Abbau von Arbeitszeitkonten abgefangen, erklärte Unternehmenssprecher Ulrich Göbel auf Nachfrage unserer Zeitung. Ob erneut Kurzarbeit in Anspruch genommen werden könne, müsse noch geklärt werden.

Bei jahreszeitlich normaler Wasserführung der Werra liege der Wasserdurchfluss im Januar durchschnittlich bei knapp 50 Kubikmeter pro Sekunde. Im Januar 2017 habe dieser tatsächlich bisher nur bei 10 bis 15 Kubikmeter pro Sekunde gelegen. Bei diesen Pegelständen könnten dann unter Einhaltung bestehender Grenzwerte fast nur Haldenwässer und kaum Produktionsabwässer in die Werra eingeleitet werden.

Um die Flexibilität bei der Abwasserentsorgung bei Niedrigwasser zu erhöhen, arbeite K+S weiter konsequent daran, ergänzende Wege für die Verwertung und Entsorgung von Salzabwässern zu erschließen. Im Fokus stehe dabei die Entsorgung in eigenen und fremden Bergwerken bzw. Kavernen sowohl im Umfeld der Standorte als auch in weiter entfernteren Regionen mit entsprechenden LKW- und Bahntransporten. 

Zusätzlich würden die langfristig angelegten Maßnahmen zur Vermeidung von Salzabwässern, zu denen insbesondere der Bau der KKF-Anlage zählt, wie geplant fortgesetzt. Mit deren Fertigstellung wird sich die Entsorgungssituation nach Einschätzung des Unternehmens ab 2018 etwas verbessert darstellen.

Im Werk Werra fallen nach Unternehmensangaben täglich bei voller Produktion (einschließlich der Haldenwässer) rund 20.000 Kubikmeter salzhaltige Abwässer an. Diese müssten vorrangig – unter strikter Beachtung behördlich festgelegter Grenzwerte - in die Werra eingeleitet werden, bevor die Versenkung zur Entsorgung genutzt werden darf.

Das Regierungspräsidium Kassel hatte am 23. Dezember 2016 die Fortführung der Versenkung bis zum 31.12.2021 genehmigt. Die jährliche Versenkmenge beträgt 1,5 Millionen Kubikmeter. Im Rahmen dieser Genehmigung dürfen am Tag nur maximal 5.000 Kubikmeter Produktionsabwässer in den Plattendolomit versenkt werden. Haldenabwässer dürfen nicht versenkt werden. (red/jce)

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