Programm von Philipp Schaller und Erik Lehmann

Wenn die Eizelle mithört - Sinn für schwarzen Humor in Ellis Saal

Das Handy im Blick: Philipp Schaller, links, und Erik Lehmann spielten sich die Pointen zu.

Weiterode. Philipp und Erik in Ellis Saal in Weiterode - die beiden Sachsen präsentierten mit ihrem Programm „Wir geben unser Bestes!" Satire vom Feinsten. Geschliffen geschriebene Szenen voller Esprit, voller Pointen, voll schwarzen Humors, beißend, ätzend, der Gesellschaft den Spiegel vorhaltend, rundum gut.

Vielgestaltig kommen sie daher, der Junior-Hausautor des legendären Dresdner Kabarett-Theaters „Herkuleskeule“, Philipp Schaller, und der begnadete Kleinkunstpreisträger Erik Lehmann. Noch hinter der Bühne stehend machen sie sich über ihre Besucher lustig („Die Leute sind teilweise schon angetrunken!“), dann bekommen die Zu-Spät-Kommer ihr Fett weg, und dann wird gemeinsam mit dem Publikum geübt, wie gelacht wird: mit dem Normlacher, dem doppelten Lacher rückwärts, dem dreifachen Auswurflacher.

Weiterode, Ellis Saal, Herkuleskeule, Philipp Schaller und Erik Lehmann

Schließlich erscheint Erik als Kleingärtner. Als geistiger Kleingärtner? Man könnte es meinen, wenn er davon erzählt, wie er mit seinem dunkelhäutigen, aus Somalia stammenden Parzellennachbarn Umckaloabo in der Kleingartenanlage „Frohe Zukunft“ umgeht: „Ich bin für Integration, aber nicht in unmittelbarer Nachbarschaft!“ Zu dumm, dass der Afrikaner einfach seine Laube abreißt und ein „Beduinenzelt“ aufbaut. Da hilft nur eine drei Meter hohe Hainbuchenhecke. Als er dann auch noch eine aus lauter deutschen Hausfrauen bestehende Trommelgruppe zu sich einlädt, ist es endgültig aus: „Als toleranter deutscher Kleingärtner bist du doch der Neger im eigenen Land!“

Philipp reibt sich an den Problemen potentieller deutscher Mittelschicht-Eltern, die schon beim ersten Zeugungsversuch darauf bedacht sind, alles richtig zu machen: „Wem der Trieb durchgeht, bevor Mozarts Neunte läuft, der sollte es besser bleiben lassen - die Eizelle hört mit!“

Erik karikiert das Verhalten eines Fallmanagers in einer Arbeitsagentur: „Sie fallen und ich manage das!“ Nach der Pause macht er sich als hochhackig tänzelnder Jorge Gonzales über den Afghanistan-Tourismus von Künstlern und Politikern lustig. Mit fast schon unerhörtem Sarkasmus lässt er die Luftballons, die für die vor Ort eingesetzte Truppe mit „positiver Energie“ aufgeblasen werden, platzen: „Ja, das Leben ist zu kurz. Die gefallenen Kameraden wissen das…“

Von Wilfried Apel

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