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Weltreisende Joshua Steinberg und Joana Breitbart sind zurück in Haunteal

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Von: Kim Hornickel

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Eigentlich sind sie Biker, aber für unser Foto haben sich Joana Breitbart und Joshua Steinberg auf ein ungewohntes Gefährt gewagt: das kleine blau-gelbe Auto in der Hoehlschen Buchhandlung.
Eigentlich sind sie Biker, aber für unser © Kim Hornickel

Seit Kurzem sind sie wieder in ihrer Heimat im Haunetal: die Weltreisenden Joana Breitbart und Joshua Steinberg. Im Montagsinterview berichten sie von ihren Erlebnissen.

Haunetal – Noch haben die beiden zwar nicht mehr als eine Campinggarnitur in ihrer Wohnung im Ortsteil Wehrda, aber „das wird schon alles“, sagen die beiden und grinsen. Warum sich die überzeugten Biker jetzt ein Auto angeschafft haben und wie schwierig es war, durch den von Unruhen gebeutelten afrikanischen Kontinent zu reisen, erzählen sie im Interview.

Zu unserem Interview bist du mit dem Auto statt dem Motorrad angereist, wie kommt das?

Joshua: (grinst) Wir müssen ja unsere Bücher transportieren und das geht schlecht auf dem Motorrad. Ich könnte das vermutlich schon, aber da würde ich bestimmt schnell Bekanntschaft mit den Polizisten hier machen. Für den Fahrspaß habe ich aber mein Motorrad, das Auto ist ein ganz billiges.

Wann habt ihr denn Zeit zum Schreiben gehabt?

Joshua: Das haben wir schon auf der Reise gemacht. Jetzt kommt das Buch in den Handel.

Wie war denn eure Reise, trotz Pandemie?

Joana: Als wir im September 2020 – mitten in der Coronazeit – losgefahren sind, haben alle gesagt: Ihr kommt bald wieder. Die Lage in Afrika war aber ganz anders als in Europa. Wenn du einmal da bist, ist alles einfacher. Wir fuhren dann unter anderem von Ägypten durch den Sudan, Kenia, Tansania, Namibia nach Südafrika. Und zurück mit dem Flugzeug über die Türkei, weiter mit dem Motorrad über den Iran, Armenien, Georgien und die Türkei nach Polen und Deutschland. Wegen der Pandemie waren kaum Touristen unterwegs und das haben wir auch genossen. So haben wir uns die Tempel in Luxor angeschaut. Ich weiß nicht, ob wir das bei normalem Betrieb, mit den vielen Touristen, so gemacht hätten.

Seid ihr unbeschadet zurückgekommen?

Joshua/Joana: Wir sind in einem Stück wieder da und hatten Glück, es ist nichts Schlimmes passiert. Es kann aber immer etwas schiefgehen. Wir hatten nur kleine Probleme, kein Corona. Nur eine Ohrenentzündung und Magenprobleme. Aber es gibt dort immer jemanden, der dir hilft. Zum Beispiel eine der Gastfamilien, die dir dann ein Rezept zuflüstert. Die Schulmedizin können sich die Leute da nicht leisten. Bei Magenproblemen sollte man übrigens Joghurt, Zitrone und Guave essen, das beruhigt den Magen. Das haben wir im Sudan gelernt.

Kann man denn so einfach durch Afrika reisen, oder gibt es da Hindernisse?

Joshua: In Äthiopien haben sie mal wieder die Grenzen zugemacht und da waren wir sehr niedergeschlagen, weil unsere Weiterreise gefährdet wurde. Aber dann hatten wir Kontakt zum sudanesischen Roten Kreuz. Weil ich hier auch im Roten Kreuz bin, hatten wir dort um Hilfe gebeten. Eine Bekannte eines Bekannten lud uns in die Hauptstadt Khartum ein, ‘unser Zelt bei ihr im Garten aufzubauen’. Das war aber nur eine Floskel. Wir haben dort das schönste Zimmer bekommen. Und einen Einblick in eine traditionell muslimische Familie erhalten.

Wie hat das Zusammenleben mit einer muslimischen Gastfamilie funktioniert?

Joshua: Wir haben viel voneinander gelernt. Da hat auch der Vater mitbekommen, dass man als Mann morgens in der Küche stehen kann und Eier für die ganze Familie zubereitet. Da hat er große Augen gemacht. Und wir haben wiederum viel Dankbarkeit gelernt, für die Freiheiten, die wir haben. Die Menschen dort haben eine innere Ruhe. Die musst du auch haben, denn da geht viel schief. In der Hauptstadt gibt es nur 8 Stunden Strom, für Benzin musst du teilweise bis zu 24 Stunden anstehen. Das hat uns gezeigt, wie gut es uns in Deutschland geht.

Manche Menschen glauben, man könne sich solche Reisen nur leisten, weil man aus einer reichen Familie kommt. Den Vorwurf hat man euch auch schon gemacht, was sagt ihr dazu?

Joana/Joshua: Also ich sage mal, jeder Mensch kann sich so eine Reise leisten. Ich habe kein teures Auto, kein 1000-Euro-Handy, ich habe kein Netflix, keinen Fernseher. Wir haben einfach gespart. Klar, es gibt immer unerwartete Kosten. Wir haben allein über 500 Euro pro Person für Covid-Tests ausgegeben, und die ganzen Flüge, wegen geschlossener Grenzen, waren teuer. Aber wir reisen immer so günstig wie möglich. Wir sind keine „Bonzenkinder“, wie man uns einmal vorgeworfen hat. (Beide lachen.)

Auf eurer Reise ist euch viel Armut begegnet. Als Europäer ist man trotz kleinem Budget noch wohlhabender als die meisten in der Bevölkerung. Hattet ihr den Drang zu helfen?

Joana: Wir haben einmal ein Waisenhaus in Kenia unterstützt. Über unsere Homepage haben wir 800 Euro gesammelt. Joshua: Aber oft ist es auch nicht sinnvoll zu unterstützen. Denn es ist kein reines Vorurteil, dass du einer Familie Geld gibst mit dem Resultat, dass der Papa das Wochenende über besoffen ist und am Montag kein Geld mehr übrig ist. Das ist alles nicht so einfach. Aber wir helfen bei kleinen Dingen. Wir haben zum Beispiel immer mehr Benzin dabei, als wir brauchen. Weil die Menschen dort nicht mit Gegenwind rechnen. Wenn sie dann in der Wüste stehen, mit leerem Tank, kurz vor ihrem Ort, dann geben wir ihnen natürlich etwas.

In der Türkei fahren Joana und Joshua durch einen ganzen Schwarm Heißluftballons.
In der Türkei fahren Joana und Joshua durch einen ganzen Schwarm Heißluftballons. © Joshua Steinberg

Seid ihr auch mal in Unruhen hingeraten?

Joana: Im Sudan gibt es immer wieder Unruhen. Wir waren im Februar 2021 da, da ging es eigentlich. Doch dann sind wir durch eine Demonstration in der Hauptstadt Khartum gefahren, das war ganz komisch. Die Menschenmassen lösten sich auf und auf einmal war da Militär. Die rannten herum und plötzlich tauchte vor mir ein brennender Reifen auf und Steine. Aber dann waren wir auch schon durchgefahren und sonst kam nichts mehr. Das passiert eben. Ansonsten haben wir abgebrannte Tankstellen in Südafrika gesehen, da hatten die Menschen kurz vor unserer Ankunft demonstriert.

Lief eure Fahrt denn ansonsten reibungslos?

Joshua: Bei den Checkpoints haben uns Militärs angehalten. Aber selbst wenn die einen Groschen dazuverdienen wollen, merken sie, das geht mit uns nicht. Wir sitzen das aus. Andere Europäer geben den Militärs dort auch mal 100 Dollar, weil sie zu schnell gefahren sind. Die denken, das ist dort normal. Aber das ist tatsächlich sehr viel Geld. Einmal haben sie uns im Sudan angehalten und wollten, dass wir eine Erlaubnis für die Straßenbenutzung bei ihnen kaufen. Die haben mich dann in ein Einschüchterungszelt mitgenommen. Machete und Kalaschnikow lagen auf dem Tisch. Die großen Männer haben mich böse angeschaut und nach der Erlaubnis gefragt. Aber ich sitze das aus. Ich habe nach der Erlaubnis in Papierform gefragt. – Könnten sie nicht ausstellen, war die Antwort. Ja, und dann wartest du halt. Irgendwann merken die, da gibt es nichts zu holen und lassen dich gehen.

In der Gastfamilie im Sudan lernte einer vom anderen. Joshua war der erste Mann am Herd der Familie.
In der Gastfamilie im Sudan lernte einer vom anderen. Joshua war der erste Mann am Herd der Familie. © Joshua Steinberg

Puh, spannende Geschichten. Und wie ist es jetzt, wieder Zuhause zu sein? Was sind jetzt eure Pläne?

Joana: Es ist ganz komisch, wenn alle Straßenschilder auf Deutsch sind und dich plötzlich wieder jeder versteht. Vorher konnten wir ja an der Kasse reden, was wir wollten (lacht). Ich will auf jeden Fall bald wieder als Erzieherin in der Kita arbeiten. Am liebsten im Haunetal. Joshua: Ich werde mir wieder einen Job suchen. Vielleicht etwas Handwerkliches. Nebenbei möchte ich Vorträge über unsere Reise halten und unser Buch verteilen.

Das Buch „Wüsten voller Menschlichkeit“, gibt es in der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld. Kosten: 25 Euro. Bald soll der erste Teil ihrer Reise auch online zu kaufen sein. Der nächste Vortrag der beiden findet am 25. Oktober im Kino in Bad Hersfeld statt. Karten gibt es vor Ort. Weitere Infos finden Sie online unter xn--wetzlosweltwrts-clb.de

Interview: Kim Hornickel

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