Wenn Klicks zur Sucht werden

Neues Medienkompetenzzentrum der Diakonie in Bad Hersfeld bietet Hilfe an

Aus der digitalen in die wirkliche Welt: Kerstin Blüm (links) und Christina Heimeroth vom Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen und Jan Malachowski von der Jugendhilfestation der Diakonie präsentieren das neueste Projekt: ein Medienkompetenzzentrum.
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Aus der digitalen in die wirkliche Welt: Kerstin Blüm (links) und Christina Heimeroth vom Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen und Jan Malachowski von der Jugendhilfestation der Diakonie präsentieren das neueste Projekt: ein Medienkompetenzzentrum.

Klicken, wischen, zoomen – der Alltag von Kindern und Jugendlichen wird zunehmend von Smartphones, Tablet- und Laptop-Computern bestimmt.

Umso mehr, seit die Corona-Pandemie auch den Unterricht und die sozialen Kontakte über Monate weitgehend ins Internet verlagert hat. Immer mehr Kinder und Jugendliche zeigen inzwischen ein problematisches Medienkonsumverhalten. Darauf reagieren die Fachstelle für Suchtprävention und die Jugendhilfestation 1 der Diakonie in Bad Hersfeld mit einem neuen Angebot, einem Medienkompetenz-Zentrum.

„K(l)ick it“ heißt das neue Programm, das in unterschiedlichen Modulen angeboten wird. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein Gruppenprogramm in zwei Alterskategorien. An insgesamt sechs Terminen geht es um Themen wie digitale Spiele, Cybermobbing, Fake News, Hate Speech, sexuelle Belästigung und soziale Netzwerke. Es wird aufgeklärt, beraten und gewarnt, nicht verboten, macht Kerstin Blüm, Leiterin des Beratungs- und Behandlungszentrums für Abhängigkeitserkrankungen, deutlich. Zum Programm gehören sowohl Elemente, die zeigen, wie Medien sinnvoll und kreativ genutzt werden können als auch „analoge“ Angebote. Also eine Einladung, Erfahrungen außerhalb der digitalen Welt zu machen, beim Radfahren, einer Kanutour, beim Geocaching in der Natur und ähnlichen Aktivitäten.

Zielgruppe sind sowohl Jugendliche, die sich für Medien interessieren als auch solche, mit einem erhöhten oder problematischen Mediennutzungsverhalten.

Für Eltern und Erziehungsberechtigte, die sich Sorgen wegen des Medienkonsums ihrer Kinder machen, werden Beratungsgespräche und Elternabende angeboten. Dabei geht es unter anderem um Fragen wie „Ab wann wird ein Medienkonsum problematisch?“, „Wie lange darf ich meinem Kind erlauben, sich in virtuellen Welten zu bewegen?“ oder „Was kann ich tun, wenn ich eine negative Entwicklung feststelle?“ Dabei ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an dem Programm durchaus bewusst, dass auch Eltern nicht vor einem problematischen Medienkonsum gefeit sind.

Dritte Säule des Programms „K(l)ick it“ ist ein Unterstützungsangebot für pädagogische Fachkräfte aus Kitas, Schulen und Einrichtungen. Sie können sich als Team oder Einzelpersonen zu konkreten Fällen oder grundsätzlichen Fragen beraten lassen.

Die Diagnose „Auffälliger Medienkonsum“ wird übrigens im kommenden Jahr als behandlungsbedürftige Krankheit in die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme aufgenommen, erläutert Christina Heimeroth, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention. Sie weist auf eine Studie der Krankenkasse DAK hin, die bei Jugendlichen im vergangenen Jahr 2020 währen der Corona-Pandemie eine um 75 Prozent gesteigerte Mediennutzung feststellte.

„Wir bieten Aufklärung, Sensibilisierung und Unterstützung bei allen Problemen im Umgang mit den Neuen Medien“, betont Kerstin Blüm. Es gehe darum, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Online- und Offlinezeiten zu finden und Medien bewusst und achtsam zu nutzen, ergänzt Jan Malachowski von der Jugendhilfestation I.

Das Medienkompetenzzentrum wird in den Räumen der Diakonie in Rotenburg angesiedelt. Sollten sich Gruppen von Jugendlichen aus einem anderen Teil des Kreises anmelden, werde auch über andere Orte nachgedacht, sagt Christina Heimeroth. Auch Fahrgelegenheiten für diejenigen, die Probleme haben, nach Rotenburg zu kommen, soll es geben.

Kontakt: Haus der Diakonie 3, Kirchplatz 3a 36199 Rotenburg, Telefon: 06623/6607, E-Mail: klickit.hefrof@ekkw.de, Internet: diakonie-hef-rof.de

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