Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Estreichs aus Bad Hersfeld sind bald Entwicklungshelfer

Es geht nach Kenia: Benjamin und Franziska Estreich aus Bad Hersfeld werden in Kürze über den Verein Christliche Fachkräfte International als Entwicklungshelfer nach Nairobi entsandt. Kenia liegt in Ostafrika, wie Benjamin Estreich auf dem Globus zeigt. Das bunt bedruckte Tuch ist aus einem typisch ostafrikanischen Stoff mit typischem Muster, auf Swahili Kitenge. Wer das Paar unterstützen möchte, kann es über estreichkenya@gmail.com erreichen.
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Es geht nach Kenia: Benjamin und Franziska Estreich aus Bad Hersfeld werden in Kürze über den Verein Christliche Fachkräfte International als Entwicklungshelfer nach Nairobi entsandt. Kenia liegt in Ostafrika, wie Benjamin Estreich auf dem Globus zeigt. Das bunt bedruckte Tuch ist aus einem typisch ostafrikanischen Stoff mit typischem Muster, auf Swahili Kitenge. Wer das Paar unterstützen möchte, kann es über estreichkenya@gmail.com erreichen.

Nairobi statt Bad Hersfeld heißt es schon bald für Franziska und Benjamin Estreich. Das Ehepaar wird drei bis sechs Jahre dort leben, um in den Slums Entwicklungshilfe zu leisten.

Bad Hersfeld - Aktuell bereiten sie sich in Online-Seminaren der Akademie für Internationale Zusammenarbeit auf ihren Einsatz vor. Als Berater für Bildung und Handwerk werden die beiden den Aufbau einer Schule für Handwerkerausbildung für junge Männer und eines Life-Skill-Trainings für junge Frauen unterstützen. „Wir haben vorwiegend eine beratende Funktion, sind aber auch an der praktischen Arbeit beteiligt“, erklärt Benjamin Estreich, der als Elektrotechniker mit Ausbilderschein noch bis vor Kurzem als Projektleiter bei K+S beschäftigt war. Seine Frau ist Lehrerin für Mathematik und evangelische Religion und hat zuletzt an der Geistalschule unterrichtet. In Nairobi werden bald Themen wie Körperhygiene und Verhütung, Umgang mit Geld oder auch Bewerbungstraining auf dem „Stundenplan“ stehen.

Ihre Jobs in der Heimat haben die Estreichs aufgegeben, für die Dauer ihres Einsatzes sind sie beim Verein Christliche Fachkräfte International (CFI) angestellt. Einheimischer Partner vor Ort ist die Organisation Tumaini Ministries, was so viel bedeutet wie Hoffnung. Jetzt oder nie, hätten sie mit Blick auf ihr Alter und die Familienplanung gedacht, als sie sich vor einem Jahr bei CFI beworben haben und auf das Projekt aufmerksam gemacht wurden. Das Haus in Bad Hersfeld wird für die Zeit in Kenia untervermietet und von den Eltern „gehütet“. „Es hat einfach alles gepasst“, so Franziska Estreich.

Völlig unvorbereitet sind die Bad Hersfelder indes nicht, beide haben bereits Afrika-Erfahrung und ein Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Kontinent absolviert. Benjamin Estreich hat gut zwei Jahre in Tansania verbracht und in einem Trainingscenter für handwerkliche Ausbildung mitgearbeitet. Seine Frau war für sechs Monate in Kamerun, wo sie in einer Grundschule und einer Kita geholfen hat. In Bad Hersfeld kennengelernt haben sie sich aber erst später.

Ein Schritt ins Ungewisse sei der Einsatz in Kenia nun natürlich trotzdem, erzählen sie. In der neuen Heimat auf Zeit wollen sich die beiden so gut anpassen, wie möglich und Teil der Gesellschaft sein. Franziska Estreich paukt deshalb fleißig Swahili, ihr Mann spricht die Sprache bereits fließend. „Wenn man das System verstanden hat, ist es gar nicht so schwer’“, berichtet er lachend. Zwar komme man auch mit Englisch überall durch, doch um mit den Menschen in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen sei die Sprache ein wichtiger Schlüssel, gerade in den Slums. Zu den wohl größten Herausforderungen zählen die Lebensverhältnisse vor Ort. „Es gibt dort eine Armut, wie man sie in Deutschland nicht sieht, und die einen erst mal betroffen macht“, so Franziska Estreich. Dass man das Leitungswasser nicht trinken sollte und regelmäßig mit Stromausfällen zu rechnen ist, ist klar und für die beiden kein Thema.

Für ihre Pläne hätten sie von Familie, Freunden und Bekannten viel positive Zustimmung erhalten, nur vereinzelt seien sie auf Skepsis oder Unverständnis gestoßen. Auch in Bad Hersfeld sind die Estreichs in der Freien evangelischen Gemeinde (Hef-Church) engagiert. „Kirchen spielen in der deutschen Entwicklungspolitik eine herausragende Rolle“, kontern sie der Missionierungskritik. „Die kirchlichen Hilfswerke besitzen oft noch Handlungsmöglichkeiten, wenn die staatliche Entwicklungshilfe nicht mehr agieren kann oder darf.“ Da Kenia ein sehr christlich geprägtes Land sei, sei die Kirche in der Lage, einen großen Teil der Zivilbevölkerung zu mobilisieren.

Die Arbeitsvisa sind bereits beantragt und die Estreichs hoffen, Ende Mai mit vier Koffern abreisen zu können. Mitnehmen wollen sie so wenig wie möglich. „Ich streiche jeden Tag etwas von der Liste“, verrät Franziska Estreich. Im Gepäck ihres Mannes wird auf jeden Fall „gutes Werkzeug“ für den Unterricht landen. Die Corona-Pandemie hat die beiden nicht abgeschreckt, sondern motiviert: „Gerade jetzt wird Hilfe doch noch mehr benötigt.“ (Nadine Maaz)

Christliche Fachkräfte International

Christliche Fachkräfte International e.V. ist ein vom deutschen Staat anerkannter Entwicklungsdienst, der eigenen Angaben zufolge seit über 30 Jahren weltweit Fachkräfte entsendet, die einheimische evangelische Kirchen beziehungsweise christliche Organisationen vor Ort unterstützen. Schwerpunkt ist die nachhaltige Förderung und Ausbildung einheimischer Mitarbeiter unter anderem in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit, aber auch Schulbildung und handwerkliche Ausbildung. Etwa die Hälfte der Einsatzkosten wird durch staatliche Zuschüsse finanziert, der Rest durch Spenden. Für den Einsatz der Estreichs spendet auch die Freie evangelische Gemeinde Bad Hersfeld (Hef-Church). 

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