Werner Simon sammelt Funde des Klosters

Aus Scherben zusammengesetzt: Werner Simon mit Krügen und Töpfen. Fotos: Meyer

Cornberg. Keine zwei Teile würden zueinander passen - da war sich Werner Simons Ehefrau sicher, als der vor über 25 Jahren begann, Scherben aus dem Bauschutt am Cornberger Kloster nach Hause zu tragen. Aber es kam anders.

In Tausenden Arbeitsstunden hat Simon Krüge und Gefäße aus sieben Jahrhunderten rekonstruiert.

Die Sammlung in Simons Keller ist beeindruckend: Feuertöpfe auf drei Beinen mit Pfannenstiel stehen dort im Regal, große Schüsseln, Salbentöpfchen, Kerzenhalter aus Ton, Medizinfläschchen aus Glas. Nur winzig kleine Gegenstände, wie zwei runde Spinnwirtel, sind am Stück erhalten. Alles andere hat Simon aus Scherben zusammengefügt.

Als 1989 mit der Restaurierung des Cornberger Klosters begonnen wurde, besuchte Simon die Baustelle unweit des eigenen Gartens auf der anderen Seite der Bundesstraße. „Mir war klar: Das ist Kulturgelände seit über 800 Jahren“, erklärt er. Simon sammelte alles ein, was interessant sein könnte: Hufeisen, Tierknochen, Scherben, Scherben und noch mehr Scherben. „Aus Neugier“, sagt er.

Über Jahre hin besuchte Simon die Baustelle fast täglich. Die interessantesten Funde machte er an einem Standort hinter dem Südflügel, der wohl jahrhundertelang als Müllhalde diente. Simon wusch jedes einzelne Stück, sortierte nach Form, Farbe und Beschaffenheit. Nach und nach fügten sich Teile zusammen. Fehlende Stücke fertigte Simon aus Gips.

Die Sammlung lockte Wissenschaftler von der Universität und Museumsmitarbeiter in Simons Keller. Im Austausch mit ihnen und mit der Hilfe von Büchern gelang es Simon, die Gegenstände historisch einzuordnen. Ein sogenannter Kugeltopf aus der Zeit um 1300 ist unter den Stücken, eine bunt bemalte Schale aus dem Jahr 1777, Meißner Porzellan von circa 1760. Daumenabdrücke im Boden mancher Krüge zeugen von einer früher üblichen Fertigungstechnik.

„Die Dinge gehören hierher“, sagt Simon. Daher will er nicht, dass sie in ein entferntes Museum wandern. Simon wünscht sich, dass die Gemeinde sich um Sponsoren bemüht und die Stücke dann vielleicht einmal dauerhaft im Kloster ausgestellt werden.

Von Achim Meyer

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