Ein Fund trägt nun seinen Namen

"Wie im Goldrausch": Cornberger sammelt seltene Mineralien

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Sucht nach mineralogischen Schätzen im Richelsdorfer Gebirge: Werner Simon aus Cornberg untersucht seine Funde unter dem Mikroskop und lässt Raritäten auch schon mal von Wissenschaftlern analysieren.

Werner Simon aus Cornberg sammelt im Richelsdorfer Gebirge seltene Mineralien. In Fachkreisen hat er sich einen Namen gemacht, ein Mineral ist sogar nach ihm benannt.

Wenn Werner Simon im Richelsdorfer Gebirge loszieht, fühlt er sich wie auf einer Schatzsuche. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk, Eimer, Hammer und einer Kopflampe schließt er sich gern Gruppen von Höhlenforschern und Fledermauszählern an, steigt mit ihnen in verlassene Stollen und dunkle Schächte. Auf die flatternden Vampire hat er es allerdings nicht abgesehen. Der 80-Jährige aus Cornberg sucht nach etwas ganz anderem: Mineralien.

Vor allem schaut Simon, der die Touren mit den Gruppen als großes Privileg empfindet, in die verwinkelten Ecken. Denn dort, weiß er aus jahrzehntelanger Erfahrung, liegen die schönsten Raritäten. „Das ist dann wie im Goldrausch“, sagt er.

Im Keller lagern hunderte Materialproben

Seit den 70er-Jahren bringt er so immer wieder bekannte und weniger bekannte Mineralien in allen möglichen Farben und Formen ans Tageslicht. Die einzige Möglichkeit, damals Mineralien zu finden, gab es an den Halden der ehemaligen Gruben. Indem das Haldenmaterial abgefahren wurde, kam immer neues Material zum Vorschein.

Die Proben, die er findet, nimmt er mit nach Hause, fotografiert sie, notiert den Fundort und schaut sie sich unter dem Mikroskop in seinem Keller an, auf den manch naturhistorisches Museum neidisch sein dürfte. Wie viele Exponate dort fein säuberlich aufgereiht lagern? Simon winkt ab. „Gezählt habe ich sie nicht.“ Es dürften hunderte sein.

Wie ein Museum: In seinem Keller lagert Werner Simon hunderte Mineralienfunde.

Ganz am Anfang suchte der gelernte Malermeister nach großen Sintern, also Ablagerungen, die über Jahre durch von Wasser gelösten Mineralien entstehen. Bei einer Tagung in Göttingen bekam er von erfahrenen Sammlern den Tipp, lieber nach kleinen Proben am Rand zu schauen, die seien seltener.

Auch wenn er bescheiden betont, dass die Mineraliensuche „nur ein Hobby“ von ihm sei – in Fachkreisen hat sich der gebürtige Rockensüßer über die Jahre einen Namen gemacht. Denn hin und wieder kommt es auch vor, dass Simon verwitterte Kobalt- oder Nickelerze findet und feststellt: „Das kenne ich noch nicht“. Dann lässt er es an Universitäten wissenschaftlich analysieren – und manchmal stellt sich tatsächlich heraus, dass er ein bislang unbekanntes Mineral entdeckt hat.

Ein Mineral, das seinen Namen trägt: Simonkolleit

So wie 1980. Damals hatte sein Cornberger Sammelfreund Kurt Kolle Kupferschieferproben mit einem blauen Belag gefunden, der weder Kolle noch Simon etwas sagte. Simon fand wenig später die dazugehörigen Kristallproben. Sie schickten ihre Funde ein und viele Röntgen- und Kristallstrukturanalysen später stand fest: Die beiden hatten einen Volltreffer gelandet, wie auch die Internationale Mineralogische Vereinigung bestätigte. Das von ihnen entdeckte Mineral heißt seitdem, in Anlehnung an den Fundort im Richelsdorfer Gebirge: Richelsdorfit. „Wir haben den Namen damals vorgeschlagen“, erinnert sich Simon.

So sieht es mit bloßem Auge aus: Das von Werner Simon und Kurt Kolle entdeckte Mineral Richelsdorfit, hier auf einer Kupferschieferprobe aus dem sogenannten Wechselschacht bei Nentershausen, in dem einst Cobalt und Nickel abgebaut wurde.

1983 folgte dann der endgültige Ritterschlag. Simon und Kolle entdeckten ein Zinkchlorid, das zu Ehren der beiden Finder dann auch prompt nach ihnen benannt wurde: Simonkolleit.

Auch heute noch, mit 80 Jahren, zieht ihn die von Bergbau geprägte Landschaft zwischen Nentershausen und Richelsdorf magisch an. „In Gefahr begebe ich mich aber nicht mehr“, sagt der verheiratete Familienvater von zwei erwachsenen Kindern.

Und so sieht es unter dem Mikroskop aus: Die chemische Formel für das himmel- bis türkisblaue Mineral umfasst 30 Zeichen.

Früher, so hätten ihm Sammlerkollegen berichtet, sei mitunter auch schon mal ein Stollen eingestürzt. „Danach habe ich tagelang schlecht geschlafen.“ Illegal sei er allerdings nie irgendwo eingestiegen. „Und wenn, dann ist das längst verjährt“, sagt er mit einem schelmischen Lächeln, greift sich ein grünlich schimmerndes Steinchen und legt es unter sein Mikroskop. Es könnte ja ein neuer Schatz sein.

Hintergrund: Mehr als 6800 Arten weltweit

Nach Angaben der Internationalen Mineralogischen Vereinigung, der weltweit höchsten Instanz für Mineralien, gibt es derzeit 5495 eigenständige Mineralarten. Zählt man alle noch nicht offiziell anerkannten Arten und sämtliche bekannte Varietäten hinzu, existieren mehr als 6800 Mineralarten. Varietäten sind bestimmte Ausbildungen, die sich etwa in der Farbe unterscheiden. 

Als teuerstes Mineral der Welt gilt übrigens Painit. Die äußerst seltene Substanz ist rot-braun gefärbt, wird meist zu Schmuck verarbeitet und kostet rund 240 000 Euro pro Gramm. Zum Vergleich: Ein Gramm Gold liegt derzeit bei 48 Euro.

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