Nach Verbot wegen Corona-Pandemie

Wieder Operationen nach Plan an den Kliniken im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Nach einem fast zwei Monate geltenden Verbot dürfen die Krankenhäuser im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wieder planbare, nicht medizinisch dringende Operationen vornehmen.

Und sie machen davon jetzt auch Gebrauch. Diese sogenannten elektiven Eingriffe wie Hüft-OPs, das Entfernen schmerzloser Nierensteine und Begradigungen von Nasenscheidewänden waren zuletzt untersagt, um Betten für Corona-Infizierte freizuhalten.

„Durch das Virus sind die anderen Krankheiten ja nicht weg“, sagt Dr. Martin Oechsner, medizinischer Geschäftsführer im Rotenburger Kreiskrankenhaus. „Wir arbeiten jetzt unsere Warteliste ab und sind für zwei Wochen schon ausgebucht.“

Auch im Klinikum Bad Hersfeld und im Rotenburger HKZ finden wieder planbare Eingriffe statt, wie Werner Hampe, Sprecher des Klinikums Hersfeld-Rotenburg, mitteilt. Die Orthopädie, die am 25. März ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und den Betrieb eingestellt hatte, hat laut Hampe wieder geöffnet.

Auf eine mögliche zweite Infektionswelle sind die Krankenhäuser vorbereitet. „Wir wissen ja jetzt, wie es geht. Wenn es sein muss, sind wir innerhalb von 24 Stunden wieder im Corona-Modus“, sagt Oechsner.

Wie sich das fast zweimonatige Aufschieben der elektiven Eingriffe wirtschaftlich konkret ausgewirkt hat, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen, heißt es aus dem Klinikum und dem Kreiskrankenhaus.

Kurz nachdem das Verbot am 18. März in Kraft getreten war, hatte Landrat Dr. Michael Koch, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des kommunalen Klinikverbundes, davor gewarnt, dass durch den Wegfall der nicht dringenden OPs allein dem Klinikum Hersfeld-Rotenburg ein monatlicher Verlust von acht bis zehn Millionen Euro drohe.

Laut dem Ende März in Kraft getretenen „Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz“ erhalten Kliniken für jeden im Vergleich zum Vorjahr nicht behandelten Patienten eine Ausgleichszahlung von 560 Euro pro Tag. Für jede zusätzliche Intensiv-Behandlungseinheit mit künstlicher Beatmung gibt es ein Bonus von 50 000 Euro. (ses)

Hintergrund: Extrabetten für Covid-19-Patienten

Das Rotenburger Kreiskrankenhaus hat vorsorglich zehn Betten für Corona-Patienten freigehalten, darunter drei Intensivbetten. „Wir haben aktuell nur Verdachtsfälle“, sagt Chefarzt Dr. Martin Oechsner. Das Klinikum und das HKZ verfügen laut Sprecher Werner Hampe grundsätzlich über 70 Intensivbetten und 40 Beatmungsgeräte – plus je nach Lage zusätzliche Kapazitäten für Corona-Infizierte. Im April war im Klinikum eine Covid-19-Station mit 35 Betten in Betrieb.

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