Wildecks Bürgermeister im Gespräch

Wildecks Bürgermeister Wirth: „Ich kann jede Nacht gut schlafen“

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Sein Lieblingspatz ist sein Arbeitsplatz: Alexander Wirth, Bürgermeister von Wildeck, nutzt gerne mal am Wochenende die Ruhe im Rathaus für ein paar Stunden am Schreibtisch.  

Wildeck. Die Sommerferien gehen zu Ende. Das zweite Halbjahr beginnt, und die Bundestagswahl steht vor der Tür. Was machen eigentlich unsere heimischen Politiker in diesem Sommer? Wir haben nachgefragt, heute bei Alexander Wirth, parteiloser Bürgermeister von Wildeck.

Herr Wirth, sie waren gerade für zwei Wochen in der Türkei. Viele wollen dort momentan nicht mehr hin. Wie war es?

Wirth: Sehr schön. Wir haben die bekannten Probleme dort nicht gespürt. Natürlich bin ich kein Fan von Erdogan. Aber wir fahren schon seit Jahren ins gleiche Hotel, kennen die Menschen dort und die sind erstens sehr nett und zweitens sehr dankbar, dass überhaupt noch deutsche Urlauber kommen. Die sind spürbar weniger geworden.

Fühlen Sie sich erholt?

Wirth: Ja, ich habe auch wirklich zwölf Tage abgeschaltet.

Auch das Handy?

Wirth: Ich war schon durchgehend erreichbar. In meine Mails habe ich dann doch mindestens dreimal am Tag geguckt. Meist beim Essen, im Speisesaal gabs das beste W-Lan.

Können Sie nicht komplett loslassen, weil es in der Gemeinde mit den Altlasten in Richelsdorf, der Diskussion um den Kiesabbau und den fehlenden Haushaltsabschlüssen mehrere große Baustellen gibt?

Wirth:Das kann man nicht vergessen, man macht sich viele Gedanken. Wir haben kurz vor dem Urlaub hier mit dem Leiter des Finanzbereichs und dem Ersten Beigeordneten zusammengesessen und alles besprochen, was kommen kann. Das hat sehr gut geklappt.

Sie wirken gut gelaunt. Können diese Themen Ihnen nicht auch mal die Laune verhageln?

Wirth: Ich habe in meinen drei Jahren hier im Amt vielleicht vier oder fünf Tage gehabt, wo ich mich gefragt habe, warum ich mir das angetan habe. Prozentual ist das ein Schnitt, den sicher nicht viele Arbeitnehmer so für sich beanspruchen können. Ich komme jeden Tag gerne her, trotz der vielen Aufgaben und Herausforderungen.

Was müsste denn passieren, damit Sie mal schlechte Laune kriegen?

Wirth: Wenn Menschen etwas nach mehrmaligem erklären partout nicht verstehen wollen. Das ärgert mich schon.

Haben Sie eine Taktik im Umgang mit Dickköpfigkeit?

Wirth:Nein, ich bin grundsätzlich freundlich und ruhig. Wenn man auf diesem Stuhl hier sitzt, muss man ein positiv denkender Mensch sein.

Welche Projekte werden Sie sich in den nächsten Monaten vorknöpfen?

Wirth: Wir haben viel, was noch erledigt werden muss, teilweise aus der Vergangenheit. Die Arsenbelastung in Richelsdorf geht mehrere hundert Jahre zurück. Das muss gelöst werden und zwar mit genauso viel finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen, wie für alle anderen Kommunen, die mit Altlasten kämpfen mussten, auch.

Das war erst ein Punkt.

Wirth: Bei den Jahresabschlüssen sind wir ganz hinten dran. Wir haben im Frühjahr 2015 die Eröffnungsbilanz für 2008 gemacht. Für 2009 und 2010 konnten wir die Abschlüsse liefern und sind jetzt an 2011. Wir brauchen jährlich jeweils zwei Abschlüsse, einen für die Gemeinde und einen für die Gemeindewerke. Darauf liegt unser Hauptaugenmerk. Das ist schon sehr schwierig, aber ich bin zuversichtlich.

Geht es den Wildeckern aus Ihrer Sicht gut?

Wirth: Ich denke, in vielen Bereichen schon. Natürlich spüren wir die nichtgenehmigten Haushalte. Wir können den Vereinen, die für die Gemeinschaft sehr viel leisten, nicht mehr so viel Unterstützung zollen, wie das in der Vergangenheit mal war. Das ist sehr, sehr schade. Da müssen wir wieder hinkommen.

Fast obligatorisch ist Ihre Zigarette direkt im Anschluss an die Gemeindevertretersitzungen. Ist das Ihr einziges Laster?

Wirth: Ich trinke so gut wie keinen Alkohol, dafür bin ich zu viel mit dem Auto unterwegs. Raucher bin ich schon viele Jahre und es ist als Bürgermeister nicht mehr geworden. Im Gegenteil. Aber nach zwei Stunden Sitzung muss das schon sein. Das hat nichts mit Aufregung zu tun, obwohl es mir schon hilft, zur Ruhe zu kommen. Übrigens kann ich bis heute noch jede Nacht gut schlafen.

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